Charakter: Temprament und Verhalten

Der Anglo-russische Laufhund ist eine Rasse mit einem doppelten Charakter. Auf der Jagd ist er ein passionierter, unermüdlicher und selbstständiger Verfolger mit blitzschneller Reaktion. Zu Hause hingegen zeigt er sich als ruhiges, ausgeglichenes und sanftes Familienmitglied. Diese Ausgeglichenheit ist ein wesentliches Merkmal seines Temperaments. Im Gegensatz zu vielen anderen Jagdhunderassen neigt er nicht zu grundloser Aggression gegenüber Menschen.
- Beziehung zum Besitzer: Der Hund ist sehr menschenbezogen, aber nicht aufdringlich. Er ist selbstständig und kann Entscheidungen ohne Hilfe treffen, was bei der Jagd sehr wertvoll ist. Dabei schätzt er die Aufmerksamkeit seines Besitzers, fordert sie aber nicht rund um die Uhr ein. Es ist wichtig, ihm von klein auf zu zeigen, wer der „Rudelführer“ ist, sonst kann seine Unabhängigkeit in Sturheit umschlagen.
- Beziehung zu Kindern: In der Regel sind Anglo-russische Laufhunde sehr geduldig und ruhig im Umgang mit Kindern. Sie können wunderbare Spielkameraden sein, besonders wenn sie gemeinsam aufwachsen. Dennoch ist es wichtig, Kindern den richtigen Umgang mit einem großen Hund zu erklären.
- Beziehung zu anderen Tieren: Hier wird es komplizierter. Der Jagdinstinkt ist sehr stark ausgeprägt. Jedes Kleintier (Katze, Frettchen, Kaninchen, Geflügel) wird als potenzielle Beute betrachtet. Ein Zusammenleben mit einer Katze ist meist nur möglich, wenn sie zusammen aufgewachsen sind, aber selbst das ist keine Garantie. Mit anderen Hunden, insbesondere Laufhunden, verstehen sie sich in der Regel gut, da sie die Arbeit in der Meute gewohnt sind.
Interessant ist der Vergleich von Laufhunden, die über den Geruchssinn (Spur) arbeiten, mit Windhunden, die auf Sicht jagen. Zum Beispiel verfolgt der Afghane (Aboriginal) die Beute auf Sicht, während der Anglo-russische Laufhund stundenlang einer Fährte folgen kann, die das Tier schon vor längerer Zeit hinterlassen hat.
Vor- und Nachteile der Rasse

✅ Vorteile
- Ausgeglichener Charakter: Ruhig und nicht aggressiv gegenüber Menschen.
- Hervorragende Jagdeigenschaften: Unermüdlichkeit, exzellenter Geruchssinn, kräftige Stimme.
- Robuste Gesundheit: Die Rasse ist von Natur aus widerstandsfähig und gesund.
- Pflegeleicht: Das kurze Fell erfordert kein aufwendiges Grooming.
- Hohe Intelligenz: Lässt sich bei richtigem Ansatz gut trainieren.
❌ Nachteile
- Hoher Bewegungsbedarf: Nicht für das Leben in einer Wohnung oder für wenig aktive Menschen geeignet.
- Starker Jagdtrieb: Gefährlich für kleine Haustiere.
- Neigung zum Weglaufen: Kann einer Spur folgen und verloren gehen. Benötigt eine sichere Umzäunung.
- Laute Stimme: Bellt gerne („gibt Laut“), was Nachbarn stören könnte.
- Neigung zur Sturheit: Erfordert eine konsequente und geduldige Erziehung.
Erziehung und Sozialisierung

Trotz seiner Sturheit ist der Anglo-russische Laufhund eine kluge Rasse. Der Erziehungsprozess sollte auf Geduld, Konsequenz und positiver Verstärkung basieren. Der Hund führt Befehle gerne aus, wenn er einen Sinn darin sieht und das Training als interessantes Spiel wahrnimmt.
Frühe Sozialisierung ist von entscheidender Bedeutung. Machen Sie den Hund vom Welpenalter an mit verschiedenen Menschen, Geräuschen, Orten und anderen (unbedingt nicht aggressiven) Hunden bekannt. Dies hilft, ein ausgeglichenes und selbstbewusstes Tier heranzuziehen.
Das wichtigste Kommando, das ein Laufhund kennen muss, ist „Hier!“ oder „Zu mir!“. Aufgrund der Neigung zum Weglaufen kann die tadellose Ausführung dieses Befehls dem Hund eines Tages das Leben retten. Mit dem Training sollte schon früh begonnen werden, am besten unter Verwendung einer Schleppleine.


