Herkunft und Geschichte der Neva Masquerade
Die Geschichte der Neva Masquerade Katze ist eng mit der ihrer Stammmutter, der Sibirischen Katze, verwoben. Das Auftreten der Colourpoint-Färbung (auch als „Siam-Färbung“ bekannt) bei Sibiriern war lange Zeit Gegenstand von Diskussionen. Eine Haupttheorie besagt, dass dieses Gen durch spontane Kreuzungen mit Siamkatzen oder Katzen ähnlicher Färbung in die Population der Sibirischen Katzen eingebracht wurde – möglicherweise Tiere, die nach Sibirien und in den Fernen Osten gelangten. Eine andere Theorie geht davon aus, dass das Colourpoint-Gen (cs) als rezessive Mutation bereits in der ursprünglichen Population der Sibirischen Katzen existiert haben könnte.
Die gezielte Zuchtarbeit mit Katzen sibirischen Typs, die die charakteristischen dunklen Abzeichen im Gesicht, an Ohren, Pfoten und Schwanz vor einem helleren Körper sowie leuchtend blaue Augen aufwiesen, begann Ende der 1980er Jahre in Katzenliebhaberclubs in Sankt Petersburg (damals Leningrad). Insbesondere der Club „Kotofej“ unter der Leitung von Olga Sergejewna Mironowa spielte hier eine Schlüsselrolle. Dank ihrer Bemühungen gelang es, diese elegante Fellzeichnung innerhalb der sibirischen Rasse zu etablieren.
Der Name „Neva Masquerade“ wurde der Rasse zu Ehren des Flusses Newa, der durch Sankt Petersburg fließt, und der charakteristischen „Maske“ im Gesicht der Tiere gegeben. Anfangs betrachtete man die Neva Masquerade als Farbvariante der Sibirischen Katze. 1992 erkannte die World Cat Federation (WCF) diese Zeichnung im Rahmen des sibirischen Standards an. Im Laufe der Zeit begann man jedoch aufgrund einiger phänotypischer und genotypischer Besonderheiten sowie aus Gründen der Zuchtpraxis, die Neva Masquerade gesondert zu führen.
Im Jahr 2009 erkannte die Fédération Internationale Féline (FIFe) die Neva Masquerade Katze als Schwesterrasse der Sibirischen Katze an und wies ihr den Code NEM (Neva Masquerade) zu, während die Sibirische Katze den Code SIB trägt. Das bedeutet, dass Kreuzungen zwischen Sibirischen Katzen traditioneller Färbungen und Neva Masquerade Katzen erlaubt sind und die Kätzchen entsprechend ihrem Phänotyp (äußeren Erscheinungsbild) registriert werden. Andere Katzenzuchtverbände verfolgen möglicherweise unterschiedliche Ansätze: Einige betrachten sie weiterhin als Farbvariante der Sibirier, andere erkennen sie als eigenständige Rasse an.
Das Aussehen der Neva Masquerade: Rassestandard und äußere Merkmale
Die Neva Masquerade Katze ist ein großes, kräftiges und zugleich elegantes Tier, das durch eine harmonische Verbindung der Stärke der Sibirischen Katze und der Raffinesse der Colourpoint-Färbung besticht.
- Körper: Mittelgroß bis groß, kräftig, muskulös, mit schwerem Knochenbau. Vermittelt einen Eindruck von Stärke und Kraft. Brustkorb breit, Rücken gerade.
- Kopf: Hat die Form eines breiten, kurzen Trapezes mit weichen Konturen. Stirn breit, leicht gewölbt. Sanfter Übergang von der Stirn zur Nase, ohne scharfen Stop. Wangenknochen breit, tief angesetzt. Kinn gut entwickelt, aber nicht vorstehend, bildet eine sanfte Linie mit der Oberlippe.
- Ohren: Mittelgroß, breit am Ansatz, leicht nach vorne geneigt, Spitzen abgerundet. Haarbüschel in den Ohrmuscheln und Luchspinsel an den Ohrspitzen sind erwünscht (obwohl letztere nicht immer vorhanden sind).
- Augen: Groß, oval, leicht schräg gestellt. Der Abstand zwischen den Augen ist größer als die Breite eines Auges. Die Augenfarbe ist ausschließlich ein intensives Blau (von Hellblau bis Saphirblau). Je intensiver die Farbe, desto besser.
- Hals: Kurz, kräftig, muskulös.
- Gliedmaßen: Mittellang, kräftig, stark, bilden mit dem Körper ein Rechteck. Pfoten groß, rund, mit Haarbüscheln zwischen den Zehen (ein charakteristisches Merkmal der Sibirier).
- Schwanz: Mittellang, breit am Ansatz, verjüngt sich allmählich zu einer abgerundeten Spitze. Gut behaart, erinnert an einen Fuchsschwanz.
- Fell: Halblang, sehr dicht, mit gut entwickelter, wasserabweisender doppelter Unterwolle. Das Deckhaar ist fester und glänzend. Das Fell bildet einen üppigen Kragen um den Hals, „Hosen“ an den Hinterbeinen und einen gut behaarten Schwanz. Im Sommer ist das Fell deutlich kürzer und weniger dicht als im Winter. Die Textur kann je nach Farbe leicht variieren.
- Fellzeichnung (Farbe): Nur Colourpoint. Das bedeutet, dass die Grundfarbe des Körpers hell ist (von Weiß über Creme bis Hellbeige) und dunklere Abzeichen (Points) im Gesicht („Maske“), an Ohren, Pfoten und Schwanz vorhanden sind. Der Kontrast zwischen den Points und der Grundfarbe des Körpers muss deutlich sein. Zulässige Point-Varianten:
- Seal-Point: Dunkelbraune (fast schwarze) Points.
- Blue-Point: Blaugraue Points.
- Red-Point: Rote Points.
- Cream-Point: Cremefarbene Points.
- Tortie-Point: Schildpattfarbene Points (Kombination von Schwarz/Blau mit Rot/Creme).
- Diese Farben können auch eine Tabby-Zeichnung aufweisen (Tabby-Point oder Lynx-Point) – gestreifte Points.
Diese elegante Point-Zeichnung findet man auch bei anderen Rassen, wie beispielsweise der Seychellois Katze, die für ihr ähnliches Muster bekannt ist. Das Vorhandensein von weißen „Söckchen“ an den Pfoten, einem weißen Fleck auf der Brust oder am Bauch ist bei der Neva Masquerade ebenfalls erlaubt (Zeichnungen mit Weiß, z. B. Seal-Point and White).
Es ist wichtig zu beachten, dass Neva Masquerade Kätzchen komplett weiß geboren werden. Die Points beginnen sich erst in den ersten Lebenswochen zu entwickeln und sind erst im Alter von 1–2 Jahren vollständig ausgeprägt. Mit zunehmendem Alter kann der Kontrast zwischen den Points und dem Körper leicht abnehmen, und der Körper kann etwas nachdunkeln.



