Charakter: ein Standard, der „Sanguiniker“ schreibt

Die Rubrik „VERHALTEN / TEMPERAMENT“ im Standard des Odis besteht aus einem einzigen Wort: Sanguiniker. Das ist eine Seltenheit — die meisten Rassestandards beschreiben das Temperament mit Adjektiven („ausgeglichen“, „mutig“, „Fremden gegenüber zurückhaltend“), während die Verfasser hier den Typ des Nervensystems direkt benannt haben. In der allgemeinen Beschreibung ergänzt der Standard: Der Odis ist ein lebensfroher, temperamentvoller, energiegeladener Hund.
Geschützt wird diese Eigenschaft mit dem schärfsten Instrument der Kynologie: Aggressives oder übermäßig ängstliches Verhalten ist ein Grund zur Disqualifikation. Daneben steht eine noch weiter gefasste Formulierung: Disqualifiziert wird jeder Hund, der deutlich körperliche Anomalien oder Verhaltensanomalien zeigt. Für eine Begleithundrasse ist das eine wichtige Absicherung — die geringe Größe dient oft als Entschuldigung für Hysterie, und der Standard des Odis nimmt diese Entschuldigung weg.
Die Beschreibung der Verwendung durch den Rasseklub lautet so: ein dekorativer Begleithund, gutmütig und freundlich gegenüber Menschen wie gegenüber anderen Tieren, anspruchslos in der Haltung, gut ausbildbar, körperlich ausdauernd, mit einer Vorliebe für lange Wanderungen und geeignet, seinen Besitzer auf Spaziergängen außerhalb der Stadt zu begleiten. Das ist eine Charakterisierung des Klubs und kein Punkt des Standards — aber sie erklärt, warum die Rasse genau so gebaut wurde.
Die praktische Seite des „Sanguinikers“ ist die schnelle Umstellung und die Orientierung am Menschen. Der Odis wurde nicht als Hund entworfen, der fern vom Besitzer selbstständig entscheidet: Darin ist er das Gegenteil von arbeitenden Laufhunden wie der Lettischen Bracke, bei der Selbstständigkeit im Wald eine berufliche Tugend ist. Die Kehrseite: Ein Hund, der um den Kontakt zum Menschen herum gebaut ist, verträgt langes Alleinsein schlecht, und bei kleinen Begleithunden äußert sich Langeweile meist über die Stimme. Das lässt sich durch Erziehung und Tagesrhythmus regeln, aber bewusst.
Vor- und Nachteile der Rasse

Vor- und Nachteile der Rasse · 6
| Vorteile (+) | Nachteile (−) |
|---|---|
| Ein geschriebener Standard mit klaren Grenzen, ein monoracieller Rasseklub und Ahnentafeln des UKU — anders als bei „Designer“-Hybriden ohne Standard | Keine Anerkennung durch die FCI: Gruppe 0, Standardnummer 0, Ausstellungen ohne CACIB |
| Der Standard disqualifiziert Aggression und übermäßige Ängstlichkeit: Das Temperament ist durch das Dokument geschützt | Kleine Population und enger Kreis von Zuchtpartnern, besonders außerhalb der Ukraine |
| Wohnungsformat: 35–39 cm Widerristhöhe bei Rüden, 33–37 cm bei Hündinnen | Haar von 7–15 cm mit Unterwolle verlangt systematisches Auskämmen, sonst entstehen Knoten |
| Kein saisonaler Fellwechsel „in Büscheln“: Das abgestorbene Haar bleibt in der Unterwolle und wird mit dem Kamm entfernt | Der Standard verlangt, dass der Schopf die Augen bedeckt — die tägliche Kontrolle der Augen ist Pflicht |
| Auf den Menschen ausgerichteter Begleiter, der gut mit Kindern und anderen Tieren zurechtkommt (nach der Beschreibung des Rasseklubs) | Der UKU hat für die Rasse keine verbindlichen Zuchtuntersuchungen festgelegt — die Untersuchung der Elterntiere hängt von der Gewissenhaftigkeit des Züchters ab |
| Schnitte, die die Form verändern, sind verboten: Es ist kein aufwendiges Ausstellungstrimmen zu pflegen | Das lange Haar mit Unterwolle sammelt in der Natur Kletten, Samen und Schmutz |


