In der Welt der Katzen gibt es unzählige Rassen, doch kaum eine löst so widersprüchliche Gefühle und reine Faszination aus wie die Gruppe der lockigen Katzen. Wenn man diesen Wesen zum ersten Mal begegnet, schießt einem sofort der Gedanke durch den Kopf: „Ist das wirklich eine Katze oder vielleicht ein Besucher von einem anderen Stern?“ Riesige Ohren, ein durchdringender Blick und dieses erstaunlich gewellte Fell lassen sie wie Fabelwesen oder Elfen wirken. Heute nehmen wir zwei der prominentesten Vertreter dieser „Alien-Invasion“ unter die Lupe – die Cornish Rex und die Devon Rex.
Viele halten diese beiden Rassen für enge Verwandte, doch die Realität ist viel spannender. Sie besitzen unterschiedliche Genetik, einen unterschiedlichen Körperbau und sogar verschiedene Arten von Locken. Wer mit dem Gedanken spielt, sich einen solchen Exoten ins Haus zu holen, muss die Feinheiten der Pflege kennen, denn diese Katzen verlangen besondere Aufmerksamkeit. Mehr dazu auf Tvaryny.
Herkunft: Zufall oder Laune der Natur?
Die Geschichte beider Rassen begann in Großbritannien, genauer gesagt in der Grafschaft Cornwall und dem benachbarten Devonshire. Interessanterweise trennen diese Ereignisse jedoch ein ganzes Jahrzehnt und völlig unterschiedliche genetische Mutationen.
Cornish Rex: Ein königlicher Start

Im Jahr 1950 brachte eine gewöhnliche Hauskatze auf einer Farm in Cornwall ein Kätzchen mit seltsam gewelltem, cremefarbenem Fell zur Welt. Die Besitzerin nannte ihn Kallibunker. Dieser kleine Kater sah aus wie ein Windhund im Katzenpelz – lange Beine, feine Knochen und ein gewölbter Rücken. Genetiker fanden heraus, dass es sich um ein rezessives Gen handelte. Um dieses Merkmal zu festigen, wurde Kallibunker mit seiner Mutter verpaart (ja, Inzucht war damals leider Standard für die Etablierung neuer Rassen), und so entstand die Cornish Rex.
Devon Rex: Der Kobold aus der Mine

Zehn Jahre später, 1960, entdeckte eine Frau namens Beryl Cox in der Nähe einer stillgelegten Zinnmine in Devonshire einen wilden, lockigen Kater. Später gebar ihre Katze ein Junges von ihm, das den Namen Kirlee erhielt (von „Curly“ – lockig). Zunächst dachten Enthusiasten, es handle sich um dieselbe Rasse wie die Cornish und versuchten, die beiden zu kreuzen. Die Enttäuschung war groß, als alle Kätzchen mit absolut glattem Fell geboren wurden! Das bewies eindeutig: Für die Locken der Devons ist ein gänzlich anderes Gen verantwortlich. Es war ein komplett anderer Zweig der Evolution.
Aussehen: Wie unterscheidet man Cornish und Devon?
Für das ungeübte Auge mögen diese Katzen fast identisch wirken, doch Profis sehen gewaltige Unterschiede. Gehen wir ins Detail, damit Sie die beiden nie wieder verwechseln.
| Merkmal | Cornish Rex | Devon Rex |
|---|---|---|
| Kopfform | Eiförmig, römisches Profil (gerade Nase ohne „Stopp“). | Herzförmig, kurze Schnauze, deutlich ausgeprägter „Stopp“ (Übergang von Stirn zu Nase). |
| Ohren | Groß, hoch angesetzt, erinnern an Fledermausohren. | Riesig, sehr tief und breit angesetzt, erinnern an Schmetterlingsflügel oder Elfenohren. |
| Körperbau | Typ „Windhund“: hohe Beine, gewölbter Rücken, aufgezogener Bauch. Sehr elegant. | Typ „Bulldogge“: breite Brust, breit gestellte Vorderbeine, der Körper ist gedrungener und muskulöser. |
| Fell | Nur Unterwolle. Liegt in gleichmäßigen, festen „Waschbrett“-Wellen an. | Weich, eher chaotisch, lockig, aber weniger geordnete Wellen. Kann am Hals etwas lichter sein. |
| Schnurrhaare | Lang, oft gekräuselt. | Kurz, oft abgebrochen oder stark gekringelt. |
Vereinfacht gesagt: Die Cornish ist eine grazile Ballerina oder ein Model auf dem Laufsteg, während die Devon ein lustiger Gnom oder Pixie mit einem charmanten, fast schon frechen Grinsen ist.
Temprament: Hundekatze oder Äffchen?

Beide Rassen eint ein Merkmal – sie verhalten sich absolut nicht wie typische „Sofakissen“. Wenn Sie ein ruhiges Tier suchen, das 20 Stunden am Tag schläft und Sie ignoriert, sind Rexe die schlechteste Wahl. Das sind hochintelligente, soziale und unglaublich aktive Tiere.
Intelligenz und Training
Rexe lassen sich leicht trainieren. Apportieren lernen sie oft schneller als mancher Hund. Sie können Türen, Schubladen und sogar Kühlschränke öffnen. Ihre Zehen sind sehr beweglich, was es ihnen ermöglicht, kleine Gegenstände geschickt zu greifen.
Bedürfnis nach Aufmerksamkeit
Sie sind absolute „Kletten“. Eine Devon Rex sitzt auf Ihrer Schulter, während Sie kochen, und versucht, beim Salat schneiden zu „helfen“. Eine Cornish wird ihre Pfoten benutzen, um Sie regelrecht zu umarmen. Einsamkeit ist Gift für sie. Wer 12 Stunden arbeitet und alleine lebt, tut einem Rex keinen Gefallen; diese Tiere können regelrecht depressiv werden.
Wenn Ihnen diese Hyperaktivität gefällt, Sie aber auch andere Rassen mit ähnlichem Temparament in Betracht ziehen möchten, schauen Sie sich unsere Analyse der energiegeladenen Akrobaten – Abessinier vs. Bengalen an. Diese leisten den Rexen oft hervorragende Gesellschaft, da sie einen ähnlichen Lebensrhythmus haben.
Hypoallergene Katzen: Mythos oder Wahrheit?
Das ist wohl die häufigste Frage zu Rex-Katzen. Stimmt es, dass sie keine Allergien auslösen? Die Antwort ist komplex: Jein.
Man muss den Mechanismus der Allergie verstehen. Der Mensch reagiert nicht auf die Haare, sondern auf das Protein Fel d 1, das im Speichel und in den Talgdrüsen des Tieres vorkommt. Wenn sich die Katze putzt, trocknet der Speichel und verteilt sich als feiner Staub zusammen mit Hautschüppchen in der Luft.
- Warum sind Rexe besser für Allergiker? Sie haben wenig Fell und haaren kaum (oder sehr unauffällig). Weniger herumfliegende Haare bedeuten, dass sich das Allergen weniger im Haus verteilt.
- Sind sie komplett hypoallergen? Nein. Sie produzieren das Protein trotzdem. Aber die Reaktion fällt oft deutlich schwächer aus oder bleibt ganz aus.
Tipp: Verbringen Sie vor dem Kauf eines Kätzchens unbedingt mindestens eine Stunde in den geschlossenen Räumen des Züchters. Nur so können Sie testen, wie Ihr Körper reagiert.
Pflege und Gesundheit: Worüber Züchter oft schweigen

Der Besitz einer lockigen Katze ist nicht nur ein ästhetisches Vergnügen, sondern erfordert auch eine spezifische Pflege, die sich deutlich von der einer normalen Hauskatze unterscheidet.
1. Baden und Hautpflege
Bei normalen Katzen nimmt das Fell das Hautfett auf. Da Rexe wenig Fell haben, bleibt das Fett auf der Haut. Werden sie nicht gebadet, fühlen sie sich klebrig an, und in den Falten können Reizungen oder Pilzinfektionen entstehen. Zudem können sie Fettflecken auf der Bettwäsche hinterlassen. Es wird empfohlen, Rexe alle 2 bis 3 Wochen mit einem speziellen, milden Shampoo zu baden.
2. Ohren und Augen
Durch die riesigen Ohrmuscheln, die kaum durch Fell geschützt sind, sammelt sich bei Rexen schnell Ohrenschmalz und Staub an. Eine wöchentliche Reinigung ist Pflicht. Auch die Augen brauchen Aufmerksamkeit, da Wimpern oft fehlen (oder sehr kurz sind) und der natürliche Schutz des Auges dadurch geringer ist.
3. Temperaturregelung
Die Körpertemperatur von Rexen ist die gleiche wie bei anderen Katzen (ca. 38-39°C), aber sie fühlen sich beim Anfassen wie kleine Heizkörper an. Das liegt an der fehlenden Isolierschicht. Sie frieren schnell! Im Winter brauchen sie Kleidung oder warme Höhlen. Wenn es bei Ihnen kühl ist, wird der Rex unter Ihrer Decke oder auf der Heizung leben.
4. Appetit
Wegen des schnellen Stoffwechsels (der Körper verbraucht viel Energie zum Heizen) fressen Rexe viel. Sehr viel. Sie sind ewig hungrig und bereit, Ihnen das Stück Pizza direkt vom Mund wegzuschnappen. Es ist wichtig, die Ration zu kontrollieren, damit sie sich nicht in lockige Kugeln auf dünnen Beinen verwandeln.
Gesundheit: Genetische Erkrankungen
Generell sind es gesunde Rassen, aber es gibt Nuancen:
- Hypertrophe Kardiomyopathie (HCM): Eine Herzerkrankung, die bei vielen Rassen vorkommt.
- Myopathie (erbliche Muskelschwäche): Ein spezifisches Problem der Devon Rex. Es zeigt sich früh; das Kätzchen kann den Kopf nicht richtig halten. Seriöse Züchter führen Gentests durch.
- Patellaluxation: Kommt bei Devons aufgrund des Beinanatomie etwas häufiger vor.
Falls Sie diese Zerbrechlichkeit abschreckt und Sie von einer Katze träumen, die wie ein echter Hühne aussieht, dann lohnt sich ein Vergleich der Riesen der Katzenwelt – Maine Coon, Ragdoll und Co. Der Kontrast zwischen ihnen und den Rexen ist einfach kolossal!
Für wen eignen sich diese Katzen?

Die Wahl zwischen Cornish Rex und Devon Rex ist eher eine Frage der Ästhetik, da sie sich im Charakter sehr ähneln. Es gibt jedoch einige Marker, die zeigen, dass ein Rex DEINE Katze ist:
- Sie möchten eine Katze, die an all Ihren Aktivitäten teilnimmt, vom Putzen bis zum Serienschauen.
- Sie stört Aufdringlichkeit und ständiges „Geplapper“ nicht.
- Sie haben Kinder (Rexe spielen toll und sind nicht aggressiv) oder einen Hund (sie werden schnell beste Freunde).
- Sie sind bereit, Zeit für Ohrenpflege und Baden zu investieren.
FAQ: Häufige Fragen zu Lockenkatzen
Stimmt es, dass sie „heißes“ Blut haben?
Nein, das ist eine Illusion. Durch das kurze Fell spürt man die Körperwärme bei Berührung sofort, aber die Innentemperatur ist für Katzen standard.
Verstehen sie sich mit anderen Katzen?
Ja, besonders wenn die andere Katze ebenfalls aktiv ist. Rexe neigen aber dazu, zu dominieren – nicht durch Kraft, sondern durch List und Hartnäckigkeit. Sie werden immer den besten Platz im Bett erobern.
Wie viel kostet ein Rex-Kätzchen?
Der Preis hängt vom Status ab (Liebhaber-, Zucht- oder Showqualität). In Deutschland kostet ein gesundes Kätzchen mit Papieren durchschnittlich zwischen 800 € und 1.600 €. Kaufen Sie niemals Rexe „von privat“ ohne Stammbaum – das Risiko, ein Tier mit Gendefekten zu erhalten, ist sehr hoch.
Fazit
Cornish Rex und Devon Rex sind mehr als nur Katzen mit lustigem Aussehen. Sie sind intelligente Partner, ewige Kinder und die wärmsten Wärmflaschen an kalten Abenden. Sie fordern Einsatz, geben aber so viel Liebe zurück, dass alle Pflegeschwierigkeiten in den Hintergrund treten. Wenn Sie bereit sind, einen kleinen Außerirdischen in Ihr Leben zu lassen, aber noch zögern, besuchen Sie die nächste Katzenausstellung – ein Blick in diese riesigen Augen wird Ihnen die Entscheidung abnehmen.
