Charakter: ein Diensthund unter einem niedlichen Namen

Der Name täuscht: Hinter dem Wort „Panda“ steht ein vollwertiger Diensthund. Die KIT-Mutation steuert die Wanderung der Pigmentzellen — mit Temperament, Lernfähigkeit oder Reizschwelle hat sie nichts zu tun. Der Charakter wird deshalb durch den Rassestandard beschrieben und durch nichts sonst.
Die Formulierung des FCI-Standards Nr. 166 verdient langsames Lesen: Der Deutsche Schäferhund muss „in seinem Wesen ausgeglichen (nervenfest), selbstsicher, absolut unbefangen und — außer in Reizlage — gutartig sein, dazu aufmerksam und führig“. Weiter verlangt der Standard „Triebverhalten, Belastbarkeit und Selbstsicherheit“, damit der Hund „als Begleit-, Wach-, Schutz-, Dienst- und Hütehund“ tauglich ist. Die Verwendung ist im Kopf des Standards so vermerkt: „vielseitiger Gebrauchs-, Hüte- und Diensthund“.
Die praktische Folge ist einfach und wenig erfreulich für alle, die einen Hund nach dem Foto aussuchen: Dieser Hund braucht eine Aufgabe. Ein Deutscher Schäferhund, den man ohne Arbeit lässt, findet sie sich selbst — und dem Besitzer gefällt das Ergebnis in der Regel nicht. Für den „Panda“ gilt das genau im selben Maß wie für jeden anderen Schäferhund.
Noch eine Zahl, die man besser vor dem Kauf kennt als danach. In einer britischen Untersuchung der tierärztlichen Primärversorgung trat Aggression als registrierte Diagnose bei 4,76 % der Deutschen Schäferhunde auf und war bei Rüden häufiger als bei Hündinnen. Das ist kein Urteil über die Rasse, sondern ein Argument für frühe Sozialisierung, klare Regeln im Haus und Arbeit mit einem Ausbilder — und nicht für „das wächst sich aus“. Im Vergleich mit anderen seltenen Hütehundrassen — etwa dem Brasilianischen Schäferhund Ovelheiro Gaúcho — ist der Deutsche Schäferhund deutlich stärker auf den Menschen ausgerichtet und fügt sich merklich besser in einen städtischen Rhythmus ein; doch gerade wegen dieser Nähe „liest“ er Erziehungsfehler auch schneller.



