Wasserliebhaber: Katzenrassen, die Wasser lieben

By tvaryny
10 Min Read

Es hält sich hartnäckig das Klischee, dass Katzen und Wasser zwei unvereinbare Elemente sind. Die meisten Besitzer sind daran gewöhnt, dass ihre Lieblinge panisch vor dem kleinsten Spritzer flüchten oder beleidigt die Pfoten schütteln, wenn sie versehentlich in eine Pfütze getreten sind. Doch die Welt der Felinologie ist viel vielfältiger und interessanter, als es auf den ersten Blick scheint. Die Natur hat es so eingerichtet, dass einige Vertreter der Katzenwelt Wasserprozeduren nicht nur dulden, sondern regelrecht genießen. Erfahren Sie mehr dazu auf Tvaryny.

Warum haben die meisten Katzen Angst vor Wasser, andere aber nicht?

Bevor wir zur Rassenliste kommen, lohnt sich ein Blick auf die Evolution. Die meisten Hauskatzen stammen von der Falbkatze (Felis silvestris lybica) ab, die in trockenen Gebieten des Nahen Ostens lebte. In ihrem genetischen Code ist Wasser mit Gefahr verknüpft: Darin konnten Raubtiere lauern (zum Beispiel Krokodile), und nasses Fell störte die Thermoregulation, was das Tier anfällig für nächtliche Kälte oder Tageshitze machte.

Die Evolution einiger Rassen nahm jedoch einen anderen Weg. Katzen, die sich in Inselregionen, an großen Seen oder Flüssen entwickelten, mussten sich anpassen. Für sie wurde Wasser zur Nahrungsquelle (Fischfang) und zur Abkühlung. Genau diese „urspünglichen“ Gene zeigen sich bei den modernen Rassen, die wir als Wasserratten bezeichnen.

Türkisch Van: Der geborene Schwimmer

Wenn es einen König unter den schwimmenden Katzen gibt, dann ist es zweifellos die Türkisch Van. Diese alte Rasse bildete sich auf natürliche Weise in der Region des Van-Sees in der Türkei. Historisch gesehen tauchten diese Tiere ins Wasser, um Fische zu fangen, was für ihr Überleben notwendig war.

Die Einzigartigkeit der Vans liegt in ihrer Fellstruktur. Sie erinnert an Kaschmir und hat keine dichte Unterwolle, die sich bei anderen Katzen normalerweise wie ein Schwamm vollsaugt. Dadurch wirkt das Fell der Türkisch Van wasserabweisend und trocknet nach dem Baden unglaublich schnell. Besitzer scherzen oft, dass das Schwierigste nicht ist, die Katze in die Wanne zu bekommen, sondern sie wieder herauszuholen. Sie können stundenlang schwimmen, mit dem Wasserstrahl spielen oder sogar beim Abwasch „helfen“.

Bengalkatze: Wildes Blut ruft zum Wasser

Bengalkatzen sind das Ergebnis einer Kreuzung zwischen Hauskatzen und der wilden Asiatischen Leopardkatze. Letztere leben in freier Wildbahn oft in Gewässernähe und scheuen das Schwimmen nicht, um ihren Geruch vor größeren Raubtieren zu verbergen oder Beute zu jagen. Dieser Instinkt hat sich auch bei ihren domestizierten Nachkommen erhalten.

Bengalen sind für ihre hohe Aktivität und Intelligenz bekannt. Wasser ist für sie vor allem Unterhaltung. Sie lieben es, mit der Pfote auf die Wasseroberfläche zu schlagen, sodass es spritzt, ihr Spielzeug in den Wassernapf zu werfen oder sogar dem Besitzer unter die Dusche zu folgen. Wer sich eine Bengalkatze anschaffen will, sollte wissen: Eine geschlossene Badezimmertür wird als persönliche Beleidigung aufgefasst.

Maine Coon: Der Riese mit maritimer Vergangenheit

Maine Coons sind nicht nur eine der größten Hauskatzenrassen, sondern auch bestens an raue Bedingungen angepasst. Es gibt die Legende, dass die Vorfahren der Maine Coons Schiffskatzen waren, die mit Wikingern oder frühen Seefahrern reisten. Auch wenn das nur eine Theorie ist, passt ihr Körperbau perfekt zu feuchtem Klima.

Ihr dichtes Fell mit wasserabweisendem Deckhaar schützt hervorragend vor Nässe. Maine Coons zeigen oft ein interessantes Verhalten am Wassernapf: Bevor sie trinken, „graben“ sie das Wasser mit der Pfote um. Verhaltensforscher halten das für eine instinktive Handlung – in der Natur reinigten sie so die Wasseroberfläche von Blättern, bevor sie tranken. Das Baden verläuft bei diesen Riesen meist ruhig, da sie selbstbewusst sind und selten wegen Kleinigkeiten in Panik geraten.

Abessinierkatze: Neugier über alles

Abessinier sind Entdecker. Ihre Energie kennt keine Grenzen, und Wasser ist ein weiteres Forschungsobjekt. Im Gegensatz zu Türkisch Vans, die gezielt schwimmen, sehen Abessinier Wasser eher als Spielelement. Ein tropfender Wasserhahn kann die Aufmerksamkeit eines Abessiniers für eine ganze Stunde fesseln.

Diese Rasse kam aus den Küstengebieten des Indischen Ozeans nach Europa, was ihre Toleranz gegenüber Feuchtigkeit erklären könnte. Besitzer bemerken oft, dass Abessinier lernen, Wasserhähne selbst zu öffnen, um fließendes Wasser zu trinken oder einfach die Pfoten nass zu machen.

Andere Rassen, die Wasser mögen

  • Norwegische Waldkatze: Wie die Maine Coons besitzen sie ein doppeltes Fell, das Nässe kaum bis zur Haut durchlässt. In ihrem natürlichen Lebensraum fingen sie oft Fische in den Seen und Bächen Norwegens.
  • Sphynx: Hier ist die Situation etwas anders. Sphynx-Katzen haben kein Fell, daher beschwert das Wasser sie nicht und es gibt kein unangenehmes Gefühl von nassem Pelz. Mehr noch: Wegen ihres Stoffwechsels und der Talgproduktion müssen sie regelmäßig gebadet werden. Da sie von klein auf daran gewöhnt werden, genießen sie oft warme Bäder.
  • Türkisch Angora: Ein naher Verwandter der Van-Katze, der ebenfalls nichts gegen eine Schwimmeinheit hat, wenn sich die Gelegenheit bietet.

Wie gewöhnt man eine Katze an Wasser?

Falls Ihre Katze nicht zu den genannten Rassen gehört, Sie ihr aber die Angst vor dem Baden nehmen wollen, gehen Sie schrittweise vor. Werfen Sie das Tier niemals gewaltsam ins Wasser. Starten Sie mit einem Spiel: Legen Sie schwimmendes Spielzeug oder Tischtennisbälle in eine flache Schüssel mit Wasser. Die natürliche Neugier des Raubtiers kann die Angst besiegen. Belohnen Sie die Katze bei jedem Wasserkontakt mit Leckerlis. Denken Sie daran, dass für viele Katzen das Geräusch von stark rauschendem Wasser beängstigender ist als das Wasser selbst – lassen Sie das Badewasser also vorher einlaufen.

Praktische Tipps: Die Pflege der Wasser-Katze

Wenn Sie das Glück haben, eine Katze zu besitzen, die Wasser liebt, ist das wunderbar, bringt aber auch Verantwortung mit sich. Wasserspiele müssen sicher und gesundheitsfördernd sein. Hier sind einige wichtige Punkte, die Sie beachten sollten.

Sicherheit im Badezimmer

Prüfen Sie immer die Wassertemeperatur. Was sich für Ihre Hand warm anfühlt, kann für die zarte Haut der Katze (besonders bei Sphynx-Katzen) zu heiß sein. Die optimale Temperatur liegt bei 38-39 Grad Celsius. Lassen Sie die Wanne niemals volllaufen, wenn die Katze keine geübte Schwimmerin ist. Das Wasser sollte nur bis zum Bauch des Tieres reichen, damit es Boden unter den Pfoten spürt. Verwenden Sie Gummimatten in der Wanne, um ein Ausrutschen zu verhindern – das reduziert Stress und Verletzungsgefahr.

Ohrenhygiene – ein kritischer Punkt

Die größte Gefahr für Katzen, die gerne tauchen oder planschen, ist Wasser in den Ohren. Die Anatomie des Katzenohrs macht es dem Wasser schwer, von selbst wieder herauszufließen. Das schafft ein ideales Milieu für Bakterien und Ohrentzündungen. Tupfen Sie die Ohren nach jedem Bad unbedingt mit einem Wattepad (kein Wattestäbchen!) trocken, um überschüssige Feuchtigkeit zu entfernen. Wenn die Katze nach dem Bad den Kopf schüttelt oder sich am Ohr kratzt, ist das ein Fall für den Tierarzt.

Fellpflege nach dem Bad

Selbst wenn Ihre Türkisch Van schnell trocknet, darf die Katze mit nassem Fell keiner Zugluft ausgesetzt sein. Das ist der direkter Weg zu einer Erkältung oder sogar Lungenentzündung. Wickeln Sie Ihren Liebling nach dem Wasserspaß in ein großes, warmes Handtuch. Ein Föhn sollte nur verwendet werden, wenn die Katze keine Angst vor dem Geräusch hat und Sie eine warme (nicht heiße) Stufe wählen.

Wasserqualität und Chemie

Achten Sie darauf, mit welchem Wasser die Katze in Kontakt kommt. Poolwasser enthält oft Chlor und andere Chemikalien, die starke Hautreizungen oder Vergiftungen verursachen können, wenn die Katze ihr Fell ableckt. Hat Ihr Liebling versehentlich im Pool gebadet, muss er unbedingt mit klarem Leitungswasser abgespült werden. Dasselbe gilt für Fans von Salzbädern – lassen Sie die Katze nicht in Wasser mit Badesalz, ätherischen Ölen oder Schaum, der nicht für Tiere gedacht ist. Solche Substanzen können giftig sein.

Fazit

Katzen sind erstaunliche Wesen, die nicht müde werden, Stereotypen zu widerlegen. Von majestätischen Maine Coons bis zu eleganten Türkisch Vans zeigen uns viele Rassen, dass die Liebe zum Wasser für jene völlig natürlich ist, deren Vorfahren dank des Fischfangs überlebten. Wenn Sie eine Katze suchen, mit der Sie die Liebe zum Nass teilen können, wissen Sie nun, worauf Sie achten müssen.

Das Wichtigste ist jedoch: Jedes Tier ist ein Individuum. Auch unter den „wasserliebenden“ Rassen gibt es Ausnahmen, die das Trockene bevorzugen. Respektieren Sie den Willen Ihres Lieblings, sorgen Sie für seine Sicherheit, und das Zusammenleben wird nur Freude bringen. Und falls Ihre Katze doch beschließt, Kapitän der heimischen Badewanne zu werden – legen Sie einfach genügend Handtücher bereit!

Share This Article