Geschichte der Rasse: von anatolischen Herden zu amerikanischen Farmen
Der UKC-Standard formuliert die Herkunft vorsichtig: „the origins of the breed are obscure“, obwohl die Rasse „known to be an ancient pure breed“ sei. Diese Vorsicht sollte man beibehalten, denn die konkreten Altersangaben wandern. Der erwähnte Beitrag von 1982 spricht bei anatolischen Hunden von „über 6.000 Jahren“ und ruft babylonische Zeiten auf; populäre Texte über den Akbash nennen häufiger etwa dreitausend Jahre. Diese Zahlen stützen sich auf kein datiertes Material und lassen sich nicht miteinander vereinbaren — am genauesten lässt sich also sagen: Die Rasse ist alt, und ihr Alter hat niemand gemessen.
Am offensten schreibt darüber übrigens die FCI selbst, in der Präambel zum Standard der benachbarten türkischen Rasse: „although each nation eagerly designates a breed history for their national breeds, rarely is it possible to come up with an accurate one, especially when it comes to livestock protection dogs“. Das sind die Worte eines Kynologenverbands über das eigene Genre, und eine bessere Warnung vor jeder „dreitausendjährigen Vorgeschichte“ gibt es nicht.
Wirklich belegt ist der jüngere Teil der Geschichte, und er ist erstaunlich konkret. David und Judy Nelson begannen in den 1970er-Jahren, weiße türkische Herdenschutzhunde zu untersuchen, und führten nach Angaben des UKC-Standards über 40 Akbash in die USA ein. Diese Hunde wurden zur Grundlage des Bestands in den Vereinigten Staaten und in Kanada. 1980 nahm das US-Landwirtschaftsministerium Akbash in sein Predator Control Program auf — und daher stammen die Zahlen, die es bei Landschlägen sonst nicht gibt.
Der Zeitpunkt war kein Zufall. 1972 verbot die US-Bundesregierung Gift auf Bundesland, und eine Weisung des Innenministers vom November 1979 gab nicht-tödlichen Methoden den Vorzug. Schafhalter brauchten ein Mittel, das ohne Gift auskommt — und eurasische Herdenschutzhunde wurden aus einer Exotik zum Gegenstand staatlicher Forschung.
Was danach geschah, sollte man deutlich benennen. Der amerikanische Rasseverband wurde 1979 gegründet, und bis 1996 waren in den USA rund 1.500 Akbash registriert. In der Türkei selbst gab es zum Zeitpunkt einer tierzuchtwissenschaftlichen Erhebung von 2012 überhaupt keinen Rasseklub und keinen Verband, schriftliche Ahnentafeln wurden für diese Hunde nicht geführt, und der Bestand ging nach Einschätzung der Autoren Jahr für Jahr zurück. Dieselben Autoren vermuten vorsichtig, dass es in den USA inzwischen mehr Akbash geben könnte als in der Heimat. Das ist eine Vermutung, keine Zählung — aber sie erklärt, warum die ausführlichsten Daten über eine türkische Rasse auf Englisch erschienen sind.
In der Türkei wird der Akbash traditionell im Raum Eskişehir, Afyon, Polatlı und Sivrihisar gehalten, wobei das Staatsregister anmerkt, dass er in verschiedenen Landesteilen gezüchtet wird. Der türkische Kynologenverband beschreibt den Akbash als die türkische Fassung der weißen Herdenschutzhunde Süd- und Osteuropas und fügt eine vorsichtige Vermutung hinzu: Denkt man an die Wanderung der Herdenschutzhunde von Ost nach West, so kann der Akbash als Ursprung all dieser weißen Rassen gesehen werden — vom Pyrenäenberghund bis zum Kuvasz. Die Einschränkung gehört hier zur Aussage: Das ist die Version des Verbands selbst, keine gesicherte Abstammung, und sie als Tatsache weiterzugeben wäre eine Unterschiebung.



