Wenn es um riesige Hunderassen geht, denkt man sofort an majestätische, ruhige und unglaublich flauschige Vierbeiner, die allein durch ihren Anblick Respekt und den Wunsch wecken, sie zu umarmen. Unter den Riesen der Hundewelt stehen zwei Kandidaten oft ganz oben auf der Wunschliste künftiger Besitzer – der Neufundländer und der Bernhardiner. Beide sind geborene Retter, beide haben ein Herz aus Gold, aber wer passt genau zu Ihrer Familie? Die Wahl zwischen dem „Wasserrettungshund“ und dem „Lawinenhund“ ist schwieriger, als es auf den ersten Blick scheint. Erfahren Sie mehr bei Tvaryny.
Historischer Hintergrund: Wasser gegen Schnee
Um den Charakter eines Hundes zu verstehen, muss man sich seine Vergangenheit ansehen. Genau die Geschichte der Rassenentstehung legt die Instinkte fest, mit denen Sie unter einem Dach leben werden.
Neufundländer: Geboren, um zu schwimmen

Dieser gutaussehende Kerl stammt von der gleichnamigen Insel vor der Küste Kanadas. Seine Vorfahren arbeiteten Seite an Seite mit Fischern unter den rauen Bedingungen des Nordatlantiks. Das Hauptmerkmal des „Newfies“ ist sein wasserdichtes Fell und die Schwimmhäute zwischen den Zehen. Ja, Sie haben sich nicht verlesen, sie haben wirklich Pfoten wie eine Ente (naja, fast). Ihre Aufgabe war es, Netze aus dem kalten Wasser zu ziehen, Menschen zu retten, die über Bord gefallen waren, und sogar Boote ans Ufer zu ziehen. Dies formte einen Hund, der körperlich stark und ausdauernd ist und den fast manischen Wunsch hat, alles zu retten, was sich im Wasser befindet.
Bernhardiner: Der Engel der Alpen

Der Bernhardiner ist eine Legende der Schweizer Alpen. Sie wurden von Mönchen im Hospiz auf dem Großen St. Bernhard gezüchtet, um Reisende zu retten, die sich in Schneestürmen verirrt hatten oder unter Lawinen geraten waren. Diese Hunde mussten im tiefen Schnee arbeiten, bei niedrigen Temperaturen, und oft weit weg vom Menschen selbstständige Entscheidungen treffen. Daher kommt ihre phänomenale Orientierungsfähigkeit und, seien wir ehrlich, eine gewisse Portion Sturheit. Denn wenn der Hund die Gefahr einer Lawine spürt, wird er dort nicht hingehen, selbst wenn der Besitzer es befiehlt.
Aussehen: Kampf der Titanen
Beide Rassen gehören zur Kategorie der „Superschwergewichte“. Aber der Teufel steckt im Detail.
- Gewicht und Größe: Bernhardiner sind in der Regel etwas massiver. Ein Bernhardiner-Rüde kann leicht 80-100 kg erreichen (und das ist nicht die Grenze), während der Neufundländer meist bei der Marke von 65-80 kg stehen bleibt. Wobei, glauben Sie mir, wenn Ihnen 70 Kilogramm auf den Fuß treten, spürt man den Unterschied von 10 kg nicht wirklich.
- Fell: Beim Neufundländer ist das Fell lang, dicht, fühlt sich ölig an (Schutz vor Wasser) und ist meistens schwarz, braun oder schwarz-weiß (Typ Landseer). Beim Bernhardiner kann das Fell sowohl kurz als auch lang sein, aber es ist immer weniger „fettig“ als beim Newfie. Die klassische Farbe ist weiß mit rotbraunen Platten.
- Sabbern: Das ist ein heikles Thema. Beide Rassen sabbern. Viel. Aber Bernhardiner sind in dieser Hinsicht absolute Weltmeister aufgrund der Form ihrer Lefzen. Wenn Sie ein Fan von steriler Sauberkeit sind, sollten Sie sich vielleicht nach anderen Rassen umsehen.
Temperament: Nanny gegen Philosoph
Hier beginnen die interessantesten Unterschiede. Obwohl beide Rassen als ideale Familienhunde gelten, ist ihre Lebenseinstellung etwas unterschiedlich.
Neufundländer: Sanfte Kraft

Der Neufundländer wird oft als „Nanny-Dog“ bezeichnet. Das Aggressionslevel dieser Rasse ist praktisch null. Sie sind unglaublich empathisch. Wenn Sie weinen, kommt der Newfie und legt seinen riesigen Kopf auf Ihre Knie. Sie sind sehr menschenbezogen und vertragen Einsamkeit schlecht. Das ist kein Hund, den man in einen Zwinger stecken und zweimal am Tag füttern kann. Er will im Haus sein, am liebsten auf Ihrem Sofa (wenn er draufpasst).
Bernhardiner: Der ruhige Weise

Der Bernhardiner liebt seine Familie ebenfalls, ist aber eigenständiger. Seine Ruhe grenzt an Phlegma. Um einen Bernhardiner aus der Fassung zu bringen, muss man sich sehr anstrengen. Sie kommen hervorragend mit Kindern aus und lassen fast alles mit sich machen, aber im Gegensatz zum (mäßig) aktiven Newfie zieht es der Bernhardiner vor, das Spiel aus dem Liegen zu beobachten. Dennoch sollte man ihre Wächterqualitäten nicht vergessen. Während der Newfie einen Einbrecher mit freudigem Bellen begrüßt, könnte der Bernhardiner einfach den Eingang mit seiner Masse und einem tiefen Grollen blockieren.
Wichtige Nuance: Wenn Sie einen Hund zum Schutz des Grundstücks suchen, sind diese gutmütigen Riesen vielleicht nicht die beste Wahl. Wenn Sie einen strengen Wächter brauchen, lesen Sie besser den Artikel: Unerschütterliche Wächter: Cane Corso, Dobermann, Rottweiler, Schäferhunde, Riesenschnauzer.
Erziehung und Training
Wer hat gesagt, dass große Hunde leicht zu erziehen sind? Rein physisch gesehen ist es schwer, denn wenn sie nicht gehen wollen, zwingen Sie sie nicht dazu.
Der Neufundländer lernt recht schnell. Sie wollen dem Besitzer gefallen. Probleme können nur durch ihre Verspieltheit entstehen. Ein junger Newfie ist 40-50 kg ungestüme Energie, die auf den Arm will. Ihre Aufgabe Nr. 1 ist es, ihm das Anspringen von Menschen schon im Welpenalter abzugewöhnen.
Der Bernhardiner ist ein Denker. Wenn Sie das Kommando „Sitz“ geben, denkt er zuerst: „Wozu brauche ich das?“, dann „Hast du ein Leckerli?“, und erst dann setzt er sich langsam hin. Das ist keine Dummheit, das ist Energiesparen. Bei Bernhardinern braucht man Geduld. Drill funktioniert nicht – nur positive Verstärkung und Motivation. Wenn man Druck auf ihn ausübt, legt er sich einfach hin und stellt sich taub.
Gesundheit und Lebenserwartung
Leider ist dies das traurigste Kapitel des Artikels. Riesenrassen leben nicht lange. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei beiden Rassen bei 8-10 Jahren. Deshalb ist jeder Tag mit ihnen ein Geschenk.
Gemeinsame Probleme:
- Hüft- und Ellbogendysplasie: Wegen des enormen Gewichts leiden die Gelenke als Erstes. Die Wahl eines Welpen von geprüften Eltern mit Gesundheitstests ist keine Laune, sondern eine Notwendigkeit.
- Magendrehung: Ein lebensbedrohlicher Zustand. Riesen dürfen vor dem Spaziergang oder aktiven Spielen nicht gefüttert werden. Nach dem Fressen gilt: mindestens eine Stunde Ruhe.
- Kardiomyopathie: Herzprobleme treten bei großen Hunden häufig auf.
Bei Neufundländern gibt es zudem ein spezifisches Problem – Cystinurie (Nierensteine), und bei Bernhardinern kommen häufig Augenprobleme vor (Entropium oder Ektropium der Lider), die manchmal einen chirurgischen Eingriff erfordern.
Pflege: Grooming und Alltag

Sind Sie bereit, dass Hundehaare zum Gewürz in jedem Gericht werden? Wenn nein – nehmen Sie keinen von beiden.
Neufundländer: Benötigt mindestens 3-4 Mal pro Woche Bürsten. Während des Fellwechsels (Frühling und Herbst) müssen Sie täglich bürsten. Ihr Fell neigt zum Verfilzen, besonders hinter den Ohren und unter den Achseln. Außerdem bringt der Newfie viele „Souvenirs“ von draußen mit: Kletten, Zweige, Schlamm. So einen Riesen in der Wohnung zu baden ist ein echtes Abenteuer, besser man gewöhnt ihn an Hundesalons.
Bernhardiner: Kurzhaarige Varianten sind pflegeleichter, einmal pro Woche bürsten reicht. Langhaarige erfordern die gleiche Aufmerksamkeit wie Newfies. Aber das Hauptproblem des Bernhardiners ist der Speichel. Sie werden „strategische“ Handtücher im ganzen Haus verteilen müssen, um dem Hund nach dem Fressen oder Trinken die Schnauze abzuwischen. Wenn man das nicht tut, landet der Sabber an Wänden, Decken und auf Ihren Gästen.
Die Kostenfrage: Was kostet ein Riese?
Der Kauf eines Welpen (ca. 1.200 bis 2.500 Euro bei seriösen Züchtern) ist die kleinste Ausgabe. Den Hauptschlag gegen das Budget führt der Unterhalt.
- Ernährung: Ein erwachsener Hund frisst etwa 800-1000 Gramm Super-Premium-Trockenfutter pro Tag. Das sind ungefähr 2-3 große Säcke (à 12-15 kg) pro Monat, also etwa 150-200 Euro. Oder kilogrammweise Fleisch, wenn Sie barfen.
- Tierarzt: Medikamente werden nach Gewicht berechnet. Zeckenschutz für einen 80-kg-Hund kostet viermal so viel wie für einen Yorkie. Narkose, Antibiotika – alles ist teurer.
- Zubehör: Sie brauchen alles in Größe XXL. Hundebett, Halsband, Leine, Näpfe – all das kotsen nicht wenig.
Wenn Sie festgestellt haben, dass ein Riese zu teuer oder zu kompliziert für Ihren Wohnraum ist, Sie aber dennoch jemanden wollen, der weniger Platz braucht, beachten Sie diesen Artikel: Yorkshire Terrier vs. Chihuahua: Welche Miniaturstar sollte man wählen? Vielleicht ist ein kleiner Begleiter genau das Richtige.
Vergleichstabelle: Neufundländer vs. Bernhardiner
| Merkmal | Neufundländer | Bernhardiner |
|---|---|---|
| Größe | Sehr groß | Gigantisch |
| Aktivitätslevel | Mittel (liebt Schwimmen) | Niedrig/Mittel |
| Erziehbarkeit | Lernt leicht, will gefallen | Kann stur sein, denkt nach |
| Sabbern | Mäßig/Hoch | Sehr hoch |
| Verhältnis zu Kindern | Ideal („Nanny“) | Hervorragend, geduldig |
| Wächterqualitäten | Niedrig (liebt alle) | Mittel (schüchtert durch Aussehen ein) |
| Fellpflege | Aufwendig (täglich/oft) | Mittel (je nach Typ) |
Was also wählen? Fazit
Die Wahl zwischen diesen beiden Rassen hängt oft vom Lebensstil und ästhetischen Vorlieben ab.
Wählen Sie den Neufundländer, wenn:
- Sie in der Nähe eines Gewässers wohnen oder oft Ausflüge ans Wasser planen.
- Sie einen aktiven Begleiter für Spaziergänge suchen, der nicht nur herumliegt.
- Sie bereit sind, viel Zeit in die Pflege des dichten Fells zu investieren.
- Sie einen Hund wollen, der ständig bei Ihnen ist, wie ein „Schatten“.
Wählen Sie den Bernhardiner, wenn:
- Sie ein ruhigeres Lebenstempo bevorzugen.
- Sie sich nicht vor großen Mengen Speichel fürchten (im Ernst, überschätzen Sie Ihre Kraft nicht).
- Ihnen der massivere, „schwere“ Hundetyp gefällt.
- Sie im Haus genug Platz haben, damit sich der Hund ausstrecken kann, ohne jemanden zu stören.
In beiden Fällen bekommen Sie nicht einfach nur einen Hund, sondern ein Familienmitglied mit einem riesigen Herz, das Sie bedingungslos lieben wid. Die Hauptsache ist, daran zu denken, dass ein solcher Hund eine große Verantwortung bedeutet, sowohl finanziell als auch körperlich. Aber die Emotionen, die so ein „Teddybär“ im Haus schenkt, sind mit keinem Geld der Welt zu bezahlen.
Und denken Sie daran: Unabhängig von der Rasse ist der Hund ein Spiegelbild des Besitzers. Lieben Sie Ihre Riesen, und sie werden es Ihnen hundertfach vergelten, selbst wenn sie manchmal Ihre Lieblingsschuhe fressen.
