Geschichte: von portugiesischen Schiffen bis zu den Einträgen im Zuchtbuch
Katzen kamen zusammen mit den Europäern nach Südamerika. An Bord hielt man sie nicht ihrer Schönheit wegen: Ladung und Schiffsvorräte mussten vor Nagern geschützt werden, und eine Katze gehörte zur Schiffsausrüstung wie ein Wasserfass. In den Häfen an Land gegangen, verschwanden diese Tiere keineswegs — sie verteilten sich über die Städte und lebten dort selbstständig weiter, ohne jede menschliche Auslese. So entstand in Brasilien im Lauf einiger Jahrhunderte eine große frei lebende Population, im Erscheinungsbild sehr einheitlich: kurzhaarig, mittelgroß, mit keilförmigem Kopf und langem Körper.
Genau diese Einheitlichkeit fiel in den 1980er-Jahren dem brasilianischen Ingenieur Paulo Samuel Ruschi auf. Der Gedanke war für die Felinologie untypisch: nicht eine neue Rasse durch Kreuzungen zu schaffen, sondern einen bereits vorhandenen natürlichen Typ zu beschreiben und schriftlich festzuhalten — so, wie es die Briten seinerzeit mit der Straßenkatze der Britischen Inseln getan hatten und die Amerikaner mit der ihren. Ruschi begann 1985 damit und gründete die erste Katzenföderation des Landes sowie den ersten Katzenklub in Rio de Janeiro; von dieser Struktur aus nahm die Geschichte der Rasse als registrierte Rasse ihren Anfang.
Der entscheidende Schritt kam 1998: Die World Cat Federation — eine internationale felinologische Organisation mit Sitz in Deutschland — verlieh der Brasilianischen Kurzhaar den Status einer anerkannten Rasse. Damit wurde sie zur ersten brasilianischen Katzenrasse mit internationaler Anerkennung. Die Fassung des Standards, die die WCF auf ihrer eigenen Seite veröffentlicht, trägt das Datum 1. Januar 2010 und den Code BSH.
Man sollte die Reichweite dieser Anerkennung richtig einschätzen. Die Rasse steht im Register der WCF — und damit endet die internationale Liste: In der Rasseliste der FIFe (37 Rassen) fehlt sie, in der von TICA (über 80 Einträge) fehlt sie, in der der CFA ebenfalls. Wenn Sie also eine Anzeige über ein Kätzchen „Brazilian Shorthair mit Papieren“ sehen, dann ist das einzige System, in dem diese Papiere echte Rassepapiere sein können, die WCF samt den mit ihr arbeitenden Klubs. In Brasilien selbst sind zwei Organisationen Vollmitglieder der WCF: CFB — Confederação de Felinos do Brasil (Magé, Bundesstaat Rio de Janeiro) und Tropicats — Federação Felina Sul-Americana (Rio de Janeiro).
Noch ein Detail, das man beim Lesen von Unterlagen im Kopf behalten sollte. Die Buchstaben BSH stehen im System der WCF für Brazilian Shorthair, während die WCF die Britisch Kurzhaar als BRI führt. Bei der FIFe ist es umgekehrt: Dort bezeichnet BSH gerade die British Shorthair. Drei identische Buchstaben im Stammbaum können also je nach ausstellender Organisation zwei verschiedene Rassen bedeuten — man muss daher auf den Namen der Organisation im Kopf des Dokuments schauen, nicht nur auf den Code.
So sieht die Brasilianische Kurzhaarkatze aus: der Standard Zeile für Zeile

Es folgt die Wiedergabe des geltenden WCF-Standards (Fassung vom 1. Januar 2010). Es ist ein kurzes Dokument von einer Seite, und fast jede Zeile lässt sich an einer lebenden Katze überprüfen.
Körper, Gliedmaßen, Hals
Der Körper ist mittelgroß und muskulös — dabei aber schlank und elegant. Dieses Wortpaar ist wichtig: Der Standard hält die Rasse bewusst in der Mitte zwischen den massigen und den gestreckten Typen, sodass weder die Gedrungenheit der Britisch Kurzhaar noch der feine Knochenbau des Orientalen hier das Ziel sind. Die Beine sind mittellang, die Ballen leicht gerundet. Der Hals ist kräftig, aber ohne ausgeprägte Muskulatur — das hält der Standard in einem eigenen Satz fest. Dunkle Ballen sorgen im Zusammenspiel mit leuchtenden Fellfarben für zusätzlichen Kontrast, wie etwa bei der Bombay Katze oder der Australian Mist.
Schwanz
Mittellang bis lang, an der Wurzel nicht verbreitert, zur Spitze hin leicht auslaufend. Darauf lohnt ein Blick, denn populäre Rassebeschreibungen behaupten oft das Gegenteil — „an der Wurzel dick“. Im Standard selbst steht es anders.
Kopf und Ohren
Der Kopf ist klein bis mittelgroß, von mäßiger Keilform, länger als breit. Das Profil ist leicht gebogen — nicht gerade und ohne scharfen Stopp. Kinn und Unterkiefer sind kräftig. Die Ohren sind groß: Ihre Höhe übertrifft die Breite des Ansatzes, sie stehen hoch und tragen Pinsel. Ohrpinsel bei einer Kurzhaarrasse sind ein Detail, das die meisten Beschreibungen einfach auslassen, obwohl es im Standard ausdrücklich steht.
Augen
Hier steckt der häufigste Fehler in Rassebeschreibungen. Der Standard verlangt große und runde Augen, weit auseinanderstehend: Zwischen ihnen soll anderthalb Augenbreiten Platz haben. Die mandelförmige Form, die dem „Brasilianer“ oft zugeschrieben wird, entspricht dem Standard nicht. Die Augenfarbe muss zur Fellfarbe passen.
Fell
Kurz, glänzend, eng am Körper anliegend, seidig im Griff, ohne Unterwolle. Das Fehlen der Unterwolle ist kein kosmetisches Detail: Genau daraus ergeben sich sowohl die minimale Pflege als auch die Tatsache, dass eine solche Katze Wärme schlechter hält als eine doppelt behaarte Rasse.
Farben
Anerkannt sind alle Farben und Zeichnungen außer den Point-Varianten. Weiß ist in beliebigem Anteil zugelassen — vom einzelnen Fleck bis zur nahezu vollständig weißen Katze. Die einzige wirkliche Einschränkung ist also die siamesische Farbverteilung mit dunkler Maske und dunklen Extremitäten; Schokolade, Lilac, Cinnamon und andere Varianten fallen unter kein Verbot des Standards und werden nach der allgemeinen WCF-Farbliste beschrieben. Sollte Ihnen ein Text begegnen, der das Gegenteil behauptet — Point sei erlaubt, Cinnamon dagegen nicht —, dann ist das eine fehlerhafte Wiedergabe und nicht der Standard.
Punkteskala
Die Richter verteilen 100 Punkte so: Körper — 30, Kopf und Schwanz zusammen — 35, Augen — 5, Fellstruktur — 10, Farbe und Zeichnung — 15, Kondition — 5. Das größte Gewicht liegt auf Kopf und Schwanz sowie auf dem Körper, also auf den Proportionen; Farbe und Zeichnung wiegen trotz der ganzen Vielfalt der Rasse halb so viel wie der Körper.
Ein Wort gesondert zur Körpermasse. Nachschlagewerke geben für eine erwachsene Katze meist einen Richtwert von 4–7 kg an, und im Alltag ist das eine vernünftige Spanne. Man sollte allerdings wissen, dass der WCF-Standard selbst überhaupt keine Kilogramm nennt: Er beschreibt die Größe mit Worten. Eine „Rassenorm für das Gewicht“ existiert im dokumentarischen Sinne also nicht — es gibt die Norm des einzelnen Tieres, die die Tierärztin oder der Tierarzt anhand der Kondition bestimmt.
Der Kopf dieser Rasse hat es sogar in die anatomische Fachliteratur geschafft: 2016 veröffentlichte eine Gruppe der Föderalen Ländlichen Universität von Rio de Janeiro eine vergleichende Kraniometrie des „Pelo Curto Brasileiro“ und der Siamkatze (Rocha et al., Revista Brasileira de Medicina Veterinária, 38, Beiheft 2). Vermessen wurden 30 Schädel, je 15 pro Gruppe. Von den Geschlechtsunterschieden erwies sich jener bei den Siamesen als statistisch signifikant: Dort hatten die Kater eine größere Schädellänge und Gesichtsbreite als die Katzen.


