Die Burmilla – eine elegante Katze mit einer einzigartigen, seidigen Fellzeichnung, die an einen Schleier erinnert und den luxuriösen Pelz der Perserkatze mit der Freundlichkeit der Burmakatze vereint. Sie fügt sich harmonisch in Familien jeden Lebensstils ein, passt sich leicht an das Leben in einer Wohnung an und neigt kaum zu Aggressionen. Mehr dazu auf Tvaryny. Dank ihres ausgeglichenen Wesens und des leisen Miauen ist die Burmilla sowohl für ruhige Senioren als auch für aktive Familien mit Kindern geeignet.
Dieser Text ist bewusst für den deutschsprachigen Raum geschrieben. Denn die Burmilla hat hier eine Besonderheit, die kaum jemand auf dem Schirm hat: Der größte Weltdachverband der Katzenzucht sitzt in Essen – und an seinem Rasseverzeichnis hängt die wichtigste Stolperfalle im Stammbaum dieser Rasse.
Burmilla: Ein kurzer Rasseüberblick

Burmilla: Ein kurzer Rasseüberblick · 6
| Kurzfakten zur Burmilla-Rasse | |
|---|---|
| Herkunft | Großbritannien, 1981 |
| Offizielle Anerkennung | GCCF (vorläufig 1990, vollständig 2003), FIFe (Mitte der 1990er), CFA (Registrierung 2011, Championship 2014), TICA (Championship 2015) |
| Schulterhöhe | 24–28 cm |
| Gewicht (ausgewachsen) | 3,5–7,0 kg (Kater deutlich schwerer als Katzen) |
| Durchschnittliche Lebenserwartung | 12–16 Jahre |
| Felltyp | Kurz / halblang, ähnlich wie bei einigen anderen beliebten Rassen wie der Britisch Kurzhaar, mit seidiger Unterwolle |
Wichtig: Die Burmakatze vererbte der Burmilla ihre Energie und Geselligkeit, während die Perserkatze ihr den exquisiten silbrigen „Schleier“ des Fells schenkte.
Diese doppelte Abstammung ist der rote Faden dieses Artikels: Sie erklärt Aussehen und Wesen – und zwei erbliche Risiken, die sich in ihrer Vererbungsart grundlegend unterscheiden. Wer beides auseinanderhält, stellt beim Züchter die richtigen Fragen.
Die World Cat Federation sitzt in Essen – warum das für die Burmilla zählt
Deutschland ist in der internationalen Katzenwelt keineswegs nur Gast, sondern Gastgeber. Die World Cat Federation – nach Zahl der angeschlossenen Vereine der größte Zusammenschluss von Katzenvereinen überhaupt – wurde 1988 in Brasilien gegründet, ist aber als eingetragener Verein in Essen registriert und wird bis heute von dort aus geführt. Präsidentin ist Anneliese Hackmann aus Essen. Nach eigenen Angaben sind der WCF derzeit rund 280 Vereine weltweit angeschlossen; sie bildet und prüft internationale Richter, registriert Katterienamen und pflegt die Rassestandards.
Für deutsche Katzenhalter heißt das schlicht: Die WCF ist unser System. Ein erheblicher Teil der deutschen Katzenvereine arbeitet unter ihrem Dach, und ihre Papiere sind das, was man auf einer deutschen Katzenschau am häufigsten in die Hand bekommt.
Und hier bekommt die Burmilla ihren stärksten Auftritt. Die WCF führt eine öffentlich zugängliche Rasseverzeichnis, den sogenannten EMS-Code (Easy Mind System). Jede Rasse steht dort mit einem Kürzel, einer Kategorie und – das ist der spannende Teil – einer Spalte „RECOGNIZED BY“, die aufzählt, welche Weltverbände die Rasse anerkennen. Die kurzhaarige Burmilla trägt dort das Kürzel BMS, steht in Kategorie 3 (Shorthair) und hat in der Anerkennungsspalte den kürzestmöglichen und zugleich höchsten Eintrag: ALL.
„ALL“ bedeutet: Es gibt keinen relevanten Weltverband, der diese Katze nicht als eigenständige Rasse führt – von der WCF selbst über CFA, FIFe, TICA und GCCF bis zu den australischen, neuseeländischen, südafrikanischen und französischen Registern. In derselben Liste tragen die meisten Rassen lange Aufzählungen einzelner Kürzel; manche stehen nur mit einem einzigen Verband da. Die Burmilla gehört zu der kleinen Gruppe, bei der die Spalte einfach voll ist. Für eine Rasse, die 1981 durch eine offen gebliebene Tür entstanden ist, ist das eine bemerkenswerte Karriere.
Nebenbei zeigt dieselbe Liste, wie eigenständig die Essener Systematik ist: Rassen wie Deutsch Langhaar, Anatoli oder Arabian Mau werden dort ausschließlich von der WCF anerkannt – Katzen also, die es außerhalb des deutschen Dachverbands offiziell gar nicht gibt.
BML ist nicht gleich BML: die Codefalle im Burmilla-Stammbaum
Jetzt kommt der Punkt, an dem deutsche Halter genauer hinsehen müssen als alle anderen – weil in Deutschland beide großen Systeme nebeneinander arbeiten. Die FIFe ist über den ältesten deutschen Zuchtverband vertreten, die WCF sitzt selbst im Land. Und ausgerechnet bei der Burmilla vergeben beide dasselbe Kürzel an zwei verschiedene Katzen.
In der Rasseverzeichnis der FIFe steht die Burmilla als vollständig anerkannte Rasse der Kategorie 3 mit dem Kürzel BML. Gemeint ist die kurzhaarige Burmilla; eine halblanghaarige Variante führt die FIFe unter diesem Namen nicht. In der Rasseverzeichnis der WCF steht BML dagegen in Kategorie 2 (Semilonghair) – dort bezeichnet es die Burmilla Longhair, also die halblanghaarige Variante. Die kurzhaarige heißt bei der WCF, wie beschrieben, BMS.
| Kürzel | Bei der FIFe | Bei der WCF (Essen) |
|---|---|---|
| BML | Burmilla – die kurzhaarige Rasse, Kategorie 3, vollständig anerkannt | Burmilla Longhair – die halblanghaarige Variante, Kategorie 2 |
| BMS | wird nicht verwendet | Burmilla (Kurzhaar), Kategorie 3, Anerkennungsspalte „ALL“ |
| TIF | keine geführte Rasse | Burmese Longhair (Tiffany), Kategorie 2 |
| ASI / ALH | keine geführten Rassen | Asian bzw. Asian Longhair – geführt, aber nicht von der WCF anerkannt |
Was heißt das in der Praxis? Ein Halter, der seine halblanghaarige Burmilla mit WCF-Papieren kauft, liest dort „BML“ – und findet, wenn er im Netz nachschlägt, ausgerechnet Beschreibungen der kurzhaarigen FIFe-Burmilla. Umgekehrt kann jemand mit einer kurzhaarigen FIFe-Katze und dem Eintrag „BML“ auf einer WCF-Ausstellung ins Grübeln kommen, weil dort unter diesem Kürzel die Halblanghaar-Klasse aufgerufen wird. Der Fehler ist nicht schlimm, aber er ärgert – und er lässt sich mit einer einzigen Frage vermeiden.
Die Faustregel lautet: Erst den Verband lesen, dann den Code. Auf jedem Stammbaum steht im Kopf, welcher Verein und welcher Dachverband das Papier ausgestellt hat. Diese Zeile entscheidet über die Bedeutung des Kürzels darunter. Wer das nicht beachtet, macht die Rechnung ohne den Wirt.
Ein zweiter Punkt hängt unmittelbar daran und ist für Züchter noch wichtiger: Die WCF listet die Burmilla Longhair zwar, nennt in der Anerkennungsspalte aber TICA, ACF, NZCF und SACC – nicht sich selbst. Ihr eigenes Regelwerk sagt dazu, dass anerkannte Rassen und Farben volle Stammbäume erhalten und alle übrigen sogenannte „RIEX“-Papiere. Wer im WCF-System halblanghaarige Burmillas züchtet, bewegt sich also in einer anderen Papierklasse als der Kurzhaar-Kollege, dessen Katze in derselben Liste mit „ALL“ geführt wird. Das ist kein Makel an der Katze – aber es ist etwas, das man wissen sollte, bevor man Kätzchen anmeldet.
Noch eine Kollision: Warum „BSH“ nicht überall Britisch Kurzhaar heißt
Die Burmilla ist mit diesem Problem nicht allein, und das zweite Beispiel macht die Regel erst richtig anschaulich. In der FIFe-Rasseverzeichnis steht BSH für die Britisch Kurzhaar – so kennen es die meisten deutschen Katzenfreunde. In der WCF-Liste steht BSH für die Brasilian Shorthair, während die Britisch Kurzhaar dort BRI heißt.
Drei Buchstaben, zwei völlig verschiedene Katzen, beide Systeme in Deutschland aktiv. Wer alte Farbtabellen aus dem Internet übernimmt, in denen eine Burmilla-Farbe als „BSH ns 11“ notiert ist, hat also gleich zwei Fehler auf dem Zettel: das falsche Rassekürzel und den falschen Dachverband. In diesem Artikel finden Sie deshalb weiter unten eine Farbtabelle, die mit dem korrekten FIFe-Kürzel BML arbeitet.
Merksatz für den Alltag: Ein EMS-Code ist keine internationale Vokabel, sondern eine Hausnummer innerhalb eines Systems – ohne Straßennamen, also ohne den Verband, führt sie ins Leere.
Die deutsche Vereinslandschaft: Wer hängt an der FIFe, wer an der WCF?
In Deutschland gibt es keinen einzelnen gesetzlich verankerten Dachverband für Katzen. Stattdessen existiert ein Nebeneinander, das man kennen muss, um Papiere richtig einzuordnen.
Der Zugang zur FIFe läuft in Deutschland über den 1. Deutschen Edelkatzenzüchter-Verband (1. DEKZV e. V.). Er wurde 1922 in Nürnberg als „1. Deutscher Angorakatzen Schutz- und Zuchtverein“ gegründet, ist damit der älteste Katzenzuchtverband des Landes, trat der FIFe 1951 bei und ist bis heute das einzige dort gelistete deutsche Mitglied. Er zählt rund 700 Mitglieder und führt das älteste Zuchtbuch der deutschen Katzenwelt. Regionale Vereine wie der 1. Bayerische Edelkatzen-Club, der Hessische Edelkatzen Club, die Katzenfreunde Bayern oder der Kartäuser-Zuchtverein 1. DCHA arbeiten unter diesem Dach.
Der Zugang zur WCF läuft dagegen nicht über einen einzelnen nationalen Verband, sondern über zahlreiche einzelne Vereine, die direkt Mitglied sind – die Deutsche Edelkatze e. V., Freesenkatten e. V., Thuringia Cats e. V. und weitere. Daneben sind auch TICA und CFA mit deutschen Clubs vertreten. Das erklärt, warum zwei Züchter im selben Bundesland völlig verschieden aussehende Urkunden ausstellen können, ohne dass einer von beiden unseriös wäre.
Für die Burmilla ist die Konsequenz real: Beide großen Systeme führen die Rasse und stellen Papiere aus – nur unter unterschiedlichen Kürzeln und Zuchtregeln. Wer ausstellen oder züchten möchte, entscheidet sich besser vor dem Kauf für ein System; ein Wechsel danach bedeutet Umregistrierung und Papierkram.
Was ein Stammbaum in Deutschland wirklich aussagt
Papier ist geduldig – und im deutschen Katzenwesen gilt das buchstäblich. Für Katzenstammbäume existiert keine gesetzliche Regelung, die Inhalt, Form oder Mindeststandards vorschreibt. Der Begriff selbst ist nicht geschützt. Jeder Verein kann in seine eigenen Zuchtordnung schreiben, was er für richtig hält, und jeder ausgedruckte Ahnenbaum darf sich „Stammbaum“ nennen.
Was ein Papier aussagekräftig macht, ist deshalb nicht das Wort, sondern die Kette dahinter: ein Verein, der einem anerkannten Dachverband angeschlossen ist, ein geführtes Zuchtbuch, verbindliche Zuchtregeln und nachvollziehbare Vorfahren. Bei deutschen Vereinen ist der Vier-Generationen-Stammbaum die Regel; andere Systeme arbeiten mit drei oder fünf Generationen.
Worauf Sie beim Blick auf die Urkunde achten sollten:
- Kopfzeile: Welcher Verein stellt aus, welchem Dachverband gehört er an? Ohne diese Angabe ist der Rest schwer zu deuten.
- Rassebezeichnung und Code: Passen Name und Kürzel zum genannten System? Bei der Burmilla ist genau das die Stelle, an der BML und BMS auseinandergehen.
- Farbcode: Steht dort ein vollständiger EMS-Code, etwa mit den Ziffern 11 oder 12, oder nur ein Fantasiename?
- Vermerke zu Gentests: Viele Vereine tragen Testergebnisse der Elterntiere ein. Fehlen sie, heißt das nicht automatisch, dass nicht getestet wurde – fragen Sie nach den Befunden.
- Katteriename: Ein international registrierter Katteriename spricht für eingebundene, kontrollierte Zucht.
Der Weg in die Rasseverzeichnisse: eine Anerkennung nach der anderen
Von der Zufallsverpaarung bis zur Spalte „ALL“ vergingen gut drei Jahrzehnte. Der Weg verlief nicht überall gleich schnell, und genau daraus entstehen die widersprüchlichen Jahreszahlen, die im Netz kursieren.
| Verband | Meilenstein | Anmerkung |
|---|---|---|
| GCCF (Großbritannien) | 1990 vorläufiger Championship-Status; bis 2003 alle fünf Varietäten im vollen Championship-Status | Die Burmilla gehört dort zur Gruppe Asian |
| FIFe | Anerkennung Mitte der 1990er-Jahre | Heute vollständig anerkannt, Kategorie 3, Code BML |
| CFA (USA) | Registrierung ab 2011, Championship ab 2014 | Zweistufiges Verfahren wie bei allen neuen Rassen |
| TICA | Championship-Status 2015 | Damit war die Rasse in allen großen Systemen angekommen |
| WCF (Essen) | Kurzhaar als BMS geführt, Anerkennungsspalte „ALL“ | Halblanghaar als BML in Kategorie 2 gelistet |
Ein ehrliches Wort zu den Jahreszahlen: Für das FIFe-Datum finden sich in deutschsprachigen Quellen 1994, 1995 und 1996 nebeneinander. Verlässlich ist deshalb nicht das Jahr, sondern der heutige Eintrag im Rasseverzeichnis, in dem die Burmilla als vollständig anerkannt geführt wird. Wer eine belastbare Angabe braucht, schlägt beim Verband selbst nach, nicht in Ratgeberportalen.
Für die halblanghaarige Variante gilt zusätzlich, dass sie je nach System einen anderen Namen trägt: In Großbritannien läuft sie innerhalb der Asian-Gruppe als Tiffanie, in der WCF-Liste als Burmilla Longhair, anderswo als Australian Tiffanie. Ein und dieselbe Katze, drei Namen, unterschiedliche Ausstellungskarrieren.
Dominant oder rezessiv: warum dieser Unterschied im Kaufgespräch alles entscheidet
Die beiden Risiken der Burmilla sind ein Musterbeispiel dafür, warum man Erbgänge auseinanderhalten muss. Dieselbe Frage – „Ist das Kätzchen gesund?“ – hat je nach Erbgang eine völlig andere Antwortlogik.
Dominant oder rezessiv: warum dieser Unterschied im Kaufgespräch alle… · 6
| Merkmal | PKD1 (dominant) | WNK4-Hypokaliämie (rezessiv) |
|---|---|---|
| Herkunft im Stammbaum | Chinchilla-Perser | Burma |
| Wie viele Kopien machen krank? | Eine genügt | Zwei sind nötig |
| Gibt es gesunde Träger? | Nein | Ja – und sie sind äußerlich unauffällig |
| Träger × Träger | Frage stellt sich nicht | Statistisch ein Viertel der Kätzchen erkrankt |
| Träger × getestet frei | Frage stellt sich nicht | Kein erkranktes Kätzchen, aber die Hälfte sind Träger |
| Was Sie erfragen müssen | Befund beider Eltern: frei | Befund beider Eltern und Status des Kätzchens |
Der praktische Unterschied ist also dieser: Beim dominanten PKD1 reicht die Aussage „beide Eltern sind frei“ vollständig aus. Beim rezessiven WNK4 reicht sie nicht – zwei gesunde Elterntiere können beide Träger sein und trotzdem kranke Kätzchen bekommen. Deshalb muss hier der Test selbst auf den Tisch, schwarz auf weiß, mit Datum, Labornamen und Chipnummer der getesteten Katze.
Ein Satz zur Einordnung, weil er in älteren Rasseartikeln fehlt: Träger dürfen gehalten, geliebt und – bei kluger Verpaarung mit einem freien Partner – sogar in der Zucht eingesetzt werden. Ein Trägerstatus ist kein Urteil über die Katze, sondern eine Planungsinformation.
Gentests in Deutschland: welche Labore was anbieten
Man muss für beide Tests nicht ins Ausland. Das Labor Laboklin in Bad Kissingen führt beide Untersuchungen im Programm für Katzen: Die polyzystische Nierenerkrankung (PKD) ist dort mit dem ausdrücklichen Vermerk „Erbgang: autosomal-dominant“ gelistet, die Hypokaliämie mit dem Vermerk „autosomal-rezessiv“. Bei der Hypokaliämie führt Laboklin die Burmilla namentlich unter den betroffenen Rassen auf – neben Australischer Schleierkatze, Burma, Cornish Rex, Devon Rex, Singapura, Sphynx und Tonkanese. Nachgewiesen wird per TaqMan-SNP-Assay, das Ergebnis liegt üblicherweise binnen drei bis fünf Werktagen nach Probeneingang vor.
Ein Detail, das man kennen sollte: Auf der PKD-Seite von Laboklin ist die Burmilla in der Rassenliste nicht eigens aufgeführt – dort stehen Perser, Britisch Kurz- und Langhaar, Exotic, Heilige Birma, Ragdoll, Scottish Fold und weitere. Das ist kein Widerspruch, sondern eine Frage der Listenpflege: Getestet wird dieselbe Mutation, und die internationalen Referenzlabore führen die Burmilla ausdrücklich als Perser-Abkömmling mit Testempfehlung. Falls ein Anmeldeformular die Rasse nicht anbietet, genügt in der Regel ein kurzer Anruf beim Labor.
Der Ablauf ist unkompliziert: Die Tierarztpraxis nimmt Blut oder einen Backenschleimhautabstrich, dokumentiert die Chipnummer und schickt das Material ein. Wichtig ist genau diese Verknüpfung – ein Befund ohne zugeordnete Chipnummer ist im Zweifel nur ein Stück Papier.
§ 11b Tierschutzgesetz: Qualzucht – und warum die Burmilla dort nicht vorkommt
Katzenschutzverordnungen: Kastration, Chip und Registrierung
Die zweite Rechtsnorm, die deutsche Katzenhalter direkt betrifft, ist § 13b des Tierschutzgesetzes. Er ermächtigt die Landesregierungen, per Rechtsverordnung zum Schutz freilebender Katzen Gebiete festzulegen, in denen der unkontrollierte freie Auslauf fortpflanzungsfähiger Katzen beschränkt und eine Kennzeichnung und Registrierung vorgeschrieben wird. Aus dieser Ermächtigung sind die vielerorts diskutierten Katzenschutzverordnungen entstanden.
Der Flickenteppich ist beachtlich: Nach Angaben von Tierschutzorganisationen gab es Ende 2025 bundesweit über 2.000 Kommunen mit einer entsprechenden Regelung. Landesweit gelten Verordnungen unter anderem in Niedersachsen, Berlin und Bremen. Hamburg hat eine stadtweite Katzenschutzverordnung zum 1. Januar 2026 in Kraft gesetzt, Schleswig-Holstein zum 1. Juli 2026 als erstes Flächenland überhaupt.
Inhaltlich laufen die Regelungen auf drei Pflichten hinaus, wenn die Katze Freigang bekommt: kastrieren, kennzeichnen, registrieren. In Hamburg gilt die Kastrationspflicht ab einem Alter von fünf Monaten; die Kennzeichnung erfolgt per Mikrochip durch die Tierarztpraxis, die Registrierung in einem der anerkannten Haustierregister.
Und was heißt das für eine Burmilla? In aller Regel: nichts. Diese Rasse wird in Deutschland fast ausschließlich als reine Wohnungskatze gehalten, und wer seiner Katze keinen unkontrollierten Freigang gewährt, ist von den Verordnungen nicht betroffen – Hamburg stellt das ausdrücklich klar. Wer dennoch Freigang plant, muss die drei Pflichten erfüllen. Für Zuchtkatzen sehen die Verordnungen Ausnahmen vor: Die Behörde kann von einer Kastrationsanordnung absehen, insbesondere wenn eine Erlaubnis nach § 11 Absatz 1 Nummer 8 Buchstabe a des Tierschutzgesetzes vorliegt – jene Erlaubnis, die gewerbsmäßiges Züchten oder Halten von Wirbeltieren voraussetzt.
Praktischer Rat: Ein Anruf beim örtlichen Veterinäramt schafft in fünf Minuten die Klarheit, die man sich sonst stundenlang zusammensucht.
Chip, Haustierregister und Reisen innerhalb der EU
Unabhängig von jeder Verordnung ist der Mikrochip die sinnvollste Vorsorge gegen den Ernstfall. Er trägt eine fünfzehnstellige Nummer nach internationalem Standard. Der Chip allein hilft allerdings niemandem – erst die Registrierung verknüpft die Nummer mit Ihren Kontaktdaten. In Deutschland sind dafür zwei Register etabliert: Tasso und Findefix, das Haustierregister des Deutschen Tierschutzbundes; beide werden in den Katzenschutzverordnungen ausdrücklich genannt. Denken Sie nach einem Umzug an die Aktualisierung – ein Register mit veralteter Telefonnummer ist ein zahnloser Tiger.
Für Reisen innerhalb der Europäischen Union gilt die europäische Heimtierverordnung. Ihre Burmilla braucht drei Dinge: einen Mikrochip, eine gültige Tollwutimpfung und den EU-Heimtierausweis von der Tierarztpraxis. Wichtig ist die Reihenfolge – der Chip muss vor der Impfung gesetzt und im Ausweis dokumentiert sein, sonst zählt die Impfung formal nicht. Die Erstimpfung ist frühestens ab einem Alter von zwölf Wochen möglich, danach sind einundzwanzig Tage Wartezeit bis zum wirksamen Schutz einzuhalten. Ein Kätzchen darf also frühestens mit fünfzehn Wochen mitreisen. Für einzelne Zielländer kommen Sonderregeln hinzu; ein Blick auf die amtlichen Einreisebestimmungen einige Wochen vor der Abreise erspart böse Überraschungen am Schalter.
Ein Kätzchen kaufen: die Fragenliste an die Zucht · 7
Die Burmilla ist im deutschsprachigen Raum eine Rarität – es gibt nur eine Handvoll Katterien. Das erhöht die Bereitschaft, weite Wege zu fahren und lange zu warten, und genau darin liegt die Gefahr, die Katze im Sack zu kaufen. Wer sich in die Karten schauen lässt, hat nichts zu verbergen; die folgenden Fragen sind der schnellste Test dafür.
- In welchem Verein und unter welchem Dachverband züchten Sie? Die Antwort entscheidet, wie der Code auf dem Papier zu lesen ist.
- Darf ich die PKD1-Befunde beider Elterntiere sehen? Mit Labornamen, Datum und Chipnummer.
- Darf ich die Hypokaliämie-Befunde (WNK4) sehen – und wie ist der Status des Kätzchens? Bei einem rezessiven Erbgang die entscheidende Frage.
- Wurden die Elterntiere kardiologisch untersucht? Für HCM gibt es bei dieser Rasse keinen Gentest, nur den Ultraschall.
- Wie alt sind die Kätzchen bei der Abgabe? Zwölf Wochen sind das absolute Minimum; seriöse Katterien geben oft später ab.
- Darf ich den Wurf im Haushalt sehen? Kätzchen, die in der Wohnung mit der Mutter aufwachsen, sind besser sozialisiert. Ein Treffen auf einem Parkplatz ist ein Ausschlusskriterium.
- Wie sieht der Kaufvertrag aus, und was steht zur Kastration von Liebhabertieren darin?
Wer bei den Gentests ins Schwimmen gerät oder zur Eile drängt, ist die falsche Adresse. Bei einer so seltenen Rasse zahlt sich Geduld doppelt aus.
Die Burmilla im Vergleich mit verwandten Rassen
| Rasse | Wesen im Vergleich | Für wen geeignet |
|---|---|---|
| Burmilla | Gesellig wie die Burma, aber ruhiger und leiser | Familien, Berufstätige mit zweiter Katze, ruhige Haushalte |
| Burmakatze | Fordernder, lauter, sehr aktiv und anhänglich | Menschen, die viel zu Hause sind und Dialog wollen |
| Britisch Kurzhaar | Deutlich gelassener, distanzierter, wenig verspielt | Wer eine unaufgeregte, selbstgenügsame Katze sucht |
| Asian Tabby | Naher Verwandter aus derselben Gruppe, temperamentvoll | Wer die Burmilla-Art mag, aber getigerte Zeichnung bevorzugt |
| Perserkatze | Ruhig bis phlegmatisch, hoher Fellaufwand | Wer Zeit für tägliche Fellpflege mitbringt |
Kurz gesagt: Wer sich in die Burma verliebt hat, aber vor ihrer Lautstärke zurückschreckt, findet in der Burmilla den passenden Kompromiss – ebenso, wer die silbrige Optik der Chinchilla-Perser mag, aber nicht täglich entfilzen möchte.
Interessante Fakten – und hartnäckige Irrtümer
- Der erste Wurf bestand ausschließlich aus weiblichen Kätzchen – vier Schwestern, die zur Grundlage einer ganzen Rasse wurden.
- In Großbritannien ist die Burmilla nicht allein: Sie gehört dort zur Asian-Gruppe, zu der auch Asian Self, Asian Smoke, Asian Tabby und die halblanghaarige Tiffanie zählen.
- In der Rasseverzeichnis der WCF steht die kurzhaarige Burmilla mit dem denkbar knappsten Eintrag in der Anerkennungsspalte: „ALL“.
- Die halblanghaarige Variante wird von der FIFe nicht als eigene Rasse geführt – dieselbe Katze hat je nach System eine völlig andere Ausstellungskarriere.
Und nun zu den Irrtümern, die sich in Rasseporträts erstaunlich hartnäckig halten:
- „Die Burmilla ist hypoallergen.“ Nein. Hypoallergene Katzen gibt es nicht. Das Hauptallergen Fel d 1 wird von jeder Katze gebildet und über Speichel und Hautschuppen verteilt. Die individuelle Menge schwankt von Tier zu Tier, folgt aber keiner Rassegrenze. Wer allergisch reagiert, sollte vor der Anschaffung Kontakt zu erwachsenen Tieren der Rasse suchen – und die Entscheidung nicht auf ein Werbeversprechen stützen.
- „Die Rasse hat keine kritischen Erbkrankheiten.“ Falsch, siehe PKD1 und WNK4. Beide sind gut untersucht und testbar – das ist die Entwarnung, nicht die Behauptung, es gäbe nichts.
- „Sie haart nicht.“ Doch. Sie haart wie jede Katze, im Fellwechsel deutlich stärker; das Fell verfilzt allerdings kaum und lässt sich leicht auskämmen.
- „Silber ist einfach eine Farbe.“ Nicht ganz: Silber ist im EMS-Code eine Zusatzangabe zur Grundfarbe – der Buchstabe s. Erst die Ziffer dahinter beschreibt, wie viel Pigment tatsächlich sichtbar bleibt.

