Burmilla

By tvaryny
·
9 Min Read
Kurz Eine silberne Schönheit mit „umrandeten“ Augen und sanftem Herzen — gesellig und ausgeglichen: liebevoll, klug, verspielt und freundlich. Die Burmilla ist eine elegante Rasse, aus Burma-Katze und Perser-Chinchilla entstanden; sie vereint das silberne „getippte“ Fell mit den konturierten „geschminkten“ Augen und ein sanfteres, ruhigeres Wesen als die Burma und wird so zu einem liebevollen, geselligen Begleiter, gut mit Kindern und Tieren.
KinderHundeAndere KatzenAnfängerAlleinbleiben
Parameter
Gewicht3,5–7 kg
Lebenserwartung12–16 Jahre
Fellkurz oder halblang, silbern getippt
AnerkennungWCF (BMS) · FIFe (BML) · GCCF · CFA · TICA
HerkunftGroßbritannien, 1981
Größe
Gewicht 3,5–7 kg
Bewertungen · 12 · Dataset
Anhängli.KinderAnfängerIntellig.EnergieGesundhe.HaarenAufmerks.Gespräch.WohnungVerträgl.Unabhäng.
Genaue Bewertungen
Anhänglichkeit4.5
Kinder4.5
Anfänger4.0
Intelligenz4.0
Energie3.5
Gesundheit3.5
Haaren2.5
Aufmerksamkeitsbedarf3.5
Gesprächigkeit2.5
Wohnung5.0
Verträglichkeit4.5
Unabhängigkeit3.0
Häufige Krankheiten
  • Polyzystische Nierenerkrankung PKD1 (autosomal-dominant, aus der Perser-Chinchilla-Linie) – DNA-Test verfügbar
  • Hypokaliämie WNK4 (autosomal-rezessiv, aus der Burmalinie) – DNA-Test verfügbar
  • Hypertrophe Kardiomyopathie (HCM) – kein Gentest, Kontrolle per Echokardiographie
  • Zahnerkrankungen (Gingivitis, Parodontitis)
  • Übergewicht nach der Kastration
  • Insgesamt robust – entscheidend ist die getestete Zuchtlinie
Ernährung

Hochwertiges Futter mit hohem Anteil tierischen Proteins, viel Feuchtigkeit über Nassfutter, Portionen statt freier Zugang – nach der Kastration neigt die Rasse zu Übergewicht. Das kurze bzw. halblange Fell 1–2-mal pro Woche bürsten. Ein Kätzchen nur bei einer Zucht kaufen, die auf PKD1 und WNK4-Hypokaliämie testet und die Elterntiere kardiologisch untersuchen lässt.

Die Burmilla – eine elegante Katze mit einer einzigartigen, seidigen Fellzeichnung, die an einen Schleier erinnert und den luxuriösen Pelz der Perserkatze mit der Freundlichkeit der Burmakatze vereint. Sie fügt sich harmonisch in Familien jeden Lebensstils ein, passt sich leicht an das Leben in einer Wohnung an und neigt kaum zu Aggressionen. Mehr dazu auf Tvaryny. Dank ihres ausgeglichenen Wesens und des leisen Miauen ist die Burmilla sowohl für ruhige Senioren als auch für aktive Familien mit Kindern geeignet.

Dieser Text ist bewusst für den deutschsprachigen Raum geschrieben. Denn die Burmilla hat hier eine Besonderheit, die kaum jemand auf dem Schirm hat: Der größte Weltdachverband der Katzenzucht sitzt in Essen – und an seinem Rasseverzeichnis hängt die wichtigste Stolperfalle im Stammbaum dieser Rasse.

Burmilla: Ein kurzer Rasseüberblick
Burmilla Porträt
Kurzfakten zur Burmilla-Rasse
HerkunftGroßbritannien, 1981
Offizielle AnerkennungGCCF (vorläufig 1990, vollständig 2003), FIFe (Mitte der 1990er), CFA (Registrierung 2011, Championship 2014), TICA (Championship 2015)
Schulterhöhe24–28 cm
Gewicht (ausgewachsen)3,5–7,0 kg (Kater deutlich schwerer als Katzen)
Durchschnittliche Lebenserwartung12–16 Jahre
FelltypKurz / halblang, ähnlich wie bei einigen anderen beliebten Rassen wie der Britisch Kurzhaar, mit seidiger Unterwolle

Wichtig: Die Burmakatze vererbte der Burmilla ihre Energie und Geselligkeit, während die Perserkatze ihr den exquisiten silbrigen „Schleier“ des Fells schenkte.

Diese doppelte Abstammung ist der rote Faden dieses Artikels: Sie erklärt Aussehen und Wesen – und zwei erbliche Risiken, die sich in ihrer Vererbungsart grundlegend unterscheiden. Wer beides auseinanderhält, stellt beim Züchter die richtigen Fragen.

Die World Cat Federation sitzt in Essen – warum das für die Burmilla zählt

Deutschland ist in der internationalen Katzenwelt keineswegs nur Gast, sondern Gastgeber. Die World Cat Federation – nach Zahl der angeschlossenen Vereine der größte Zusammenschluss von Katzenvereinen überhaupt – wurde 1988 in Brasilien gegründet, ist aber als eingetragener Verein in Essen registriert und wird bis heute von dort aus geführt. Präsidentin ist Anneliese Hackmann aus Essen. Nach eigenen Angaben sind der WCF derzeit rund 280 Vereine weltweit angeschlossen; sie bildet und prüft internationale Richter, registriert Katterienamen und pflegt die Rassestandards.

Für deutsche Katzenhalter heißt das schlicht: Die WCF ist unser System. Ein erheblicher Teil der deutschen Katzenvereine arbeitet unter ihrem Dach, und ihre Papiere sind das, was man auf einer deutschen Katzenschau am häufigsten in die Hand bekommt.

Und hier bekommt die Burmilla ihren stärksten Auftritt. Die WCF führt eine öffentlich zugängliche Rasseverzeichnis, den sogenannten EMS-Code (Easy Mind System). Jede Rasse steht dort mit einem Kürzel, einer Kategorie und – das ist der spannende Teil – einer Spalte „RECOGNIZED BY“, die aufzählt, welche Weltverbände die Rasse anerkennen. Die kurzhaarige Burmilla trägt dort das Kürzel BMS, steht in Kategorie 3 (Shorthair) und hat in der Anerkennungsspalte den kürzestmöglichen und zugleich höchsten Eintrag: ALL.

„ALL“ bedeutet: Es gibt keinen relevanten Weltverband, der diese Katze nicht als eigenständige Rasse führt – von der WCF selbst über CFA, FIFe, TICA und GCCF bis zu den australischen, neuseeländischen, südafrikanischen und französischen Registern. In derselben Liste tragen die meisten Rassen lange Aufzählungen einzelner Kürzel; manche stehen nur mit einem einzigen Verband da. Die Burmilla gehört zu der kleinen Gruppe, bei der die Spalte einfach voll ist. Für eine Rasse, die 1981 durch eine offen gebliebene Tür entstanden ist, ist das eine bemerkenswerte Karriere.

Nebenbei zeigt dieselbe Liste, wie eigenständig die Essener Systematik ist: Rassen wie Deutsch Langhaar, Anatoli oder Arabian Mau werden dort ausschließlich von der WCF anerkannt – Katzen also, die es außerhalb des deutschen Dachverbands offiziell gar nicht gibt.

BML ist nicht gleich BML: die Codefalle im Burmilla-Stammbaum

Jetzt kommt der Punkt, an dem deutsche Halter genauer hinsehen müssen als alle anderen – weil in Deutschland beide großen Systeme nebeneinander arbeiten. Die FIFe ist über den ältesten deutschen Zuchtverband vertreten, die WCF sitzt selbst im Land. Und ausgerechnet bei der Burmilla vergeben beide dasselbe Kürzel an zwei verschiedene Katzen.

In der Rasseverzeichnis der FIFe steht die Burmilla als vollständig anerkannte Rasse der Kategorie 3 mit dem Kürzel BML. Gemeint ist die kurzhaarige Burmilla; eine halblanghaarige Variante führt die FIFe unter diesem Namen nicht. In der Rasseverzeichnis der WCF steht BML dagegen in Kategorie 2 (Semilonghair) – dort bezeichnet es die Burmilla Longhair, also die halblanghaarige Variante. Die kurzhaarige heißt bei der WCF, wie beschrieben, BMS.

KürzelBei der FIFeBei der WCF (Essen)
BMLBurmilla – die kurzhaarige Rasse, Kategorie 3, vollständig anerkanntBurmilla Longhair – die halblanghaarige Variante, Kategorie 2
BMSwird nicht verwendetBurmilla (Kurzhaar), Kategorie 3, Anerkennungsspalte „ALL“
TIFkeine geführte RasseBurmese Longhair (Tiffany), Kategorie 2
ASI / ALHkeine geführten RassenAsian bzw. Asian Longhair – geführt, aber nicht von der WCF anerkannt

Was heißt das in der Praxis? Ein Halter, der seine halblanghaarige Burmilla mit WCF-Papieren kauft, liest dort „BML“ – und findet, wenn er im Netz nachschlägt, ausgerechnet Beschreibungen der kurzhaarigen FIFe-Burmilla. Umgekehrt kann jemand mit einer kurzhaarigen FIFe-Katze und dem Eintrag „BML“ auf einer WCF-Ausstellung ins Grübeln kommen, weil dort unter diesem Kürzel die Halblanghaar-Klasse aufgerufen wird. Der Fehler ist nicht schlimm, aber er ärgert – und er lässt sich mit einer einzigen Frage vermeiden.

Die Faustregel lautet: Erst den Verband lesen, dann den Code. Auf jedem Stammbaum steht im Kopf, welcher Verein und welcher Dachverband das Papier ausgestellt hat. Diese Zeile entscheidet über die Bedeutung des Kürzels darunter. Wer das nicht beachtet, macht die Rechnung ohne den Wirt.

Ein zweiter Punkt hängt unmittelbar daran und ist für Züchter noch wichtiger: Die WCF listet die Burmilla Longhair zwar, nennt in der Anerkennungsspalte aber TICA, ACF, NZCF und SACC – nicht sich selbst. Ihr eigenes Regelwerk sagt dazu, dass anerkannte Rassen und Farben volle Stammbäume erhalten und alle übrigen sogenannte „RIEX“-Papiere. Wer im WCF-System halblanghaarige Burmillas züchtet, bewegt sich also in einer anderen Papierklasse als der Kurzhaar-Kollege, dessen Katze in derselben Liste mit „ALL“ geführt wird. Das ist kein Makel an der Katze – aber es ist etwas, das man wissen sollte, bevor man Kätzchen anmeldet.

Noch eine Kollision: Warum „BSH“ nicht überall Britisch Kurzhaar heißt

Die Burmilla ist mit diesem Problem nicht allein, und das zweite Beispiel macht die Regel erst richtig anschaulich. In der FIFe-Rasseverzeichnis steht BSH für die Britisch Kurzhaar – so kennen es die meisten deutschen Katzenfreunde. In der WCF-Liste steht BSH für die Brasilian Shorthair, während die Britisch Kurzhaar dort BRI heißt.

Drei Buchstaben, zwei völlig verschiedene Katzen, beide Systeme in Deutschland aktiv. Wer alte Farbtabellen aus dem Internet übernimmt, in denen eine Burmilla-Farbe als „BSH ns 11“ notiert ist, hat also gleich zwei Fehler auf dem Zettel: das falsche Rassekürzel und den falschen Dachverband. In diesem Artikel finden Sie deshalb weiter unten eine Farbtabelle, die mit dem korrekten FIFe-Kürzel BML arbeitet.

Merksatz für den Alltag: Ein EMS-Code ist keine internationale Vokabel, sondern eine Hausnummer innerhalb eines Systems – ohne Straßennamen, also ohne den Verband, führt sie ins Leere.

Die deutsche Vereinslandschaft: Wer hängt an der FIFe, wer an der WCF?

In Deutschland gibt es keinen einzelnen gesetzlich verankerten Dachverband für Katzen. Stattdessen existiert ein Nebeneinander, das man kennen muss, um Papiere richtig einzuordnen.

Der Zugang zur FIFe läuft in Deutschland über den 1. Deutschen Edelkatzenzüchter-Verband (1. DEKZV e. V.). Er wurde 1922 in Nürnberg als „1. Deutscher Angorakatzen Schutz- und Zuchtverein“ gegründet, ist damit der älteste Katzenzuchtverband des Landes, trat der FIFe 1951 bei und ist bis heute das einzige dort gelistete deutsche Mitglied. Er zählt rund 700 Mitglieder und führt das älteste Zuchtbuch der deutschen Katzenwelt. Regionale Vereine wie der 1. Bayerische Edelkatzen-Club, der Hessische Edelkatzen Club, die Katzenfreunde Bayern oder der Kartäuser-Zuchtverein 1. DCHA arbeiten unter diesem Dach.

Der Zugang zur WCF läuft dagegen nicht über einen einzelnen nationalen Verband, sondern über zahlreiche einzelne Vereine, die direkt Mitglied sind – die Deutsche Edelkatze e. V., Freesenkatten e. V., Thuringia Cats e. V. und weitere. Daneben sind auch TICA und CFA mit deutschen Clubs vertreten. Das erklärt, warum zwei Züchter im selben Bundesland völlig verschieden aussehende Urkunden ausstellen können, ohne dass einer von beiden unseriös wäre.

Für die Burmilla ist die Konsequenz real: Beide großen Systeme führen die Rasse und stellen Papiere aus – nur unter unterschiedlichen Kürzeln und Zuchtregeln. Wer ausstellen oder züchten möchte, entscheidet sich besser vor dem Kauf für ein System; ein Wechsel danach bedeutet Umregistrierung und Papierkram.

Was ein Stammbaum in Deutschland wirklich aussagt

Papier ist geduldig – und im deutschen Katzenwesen gilt das buchstäblich. Für Katzenstammbäume existiert keine gesetzliche Regelung, die Inhalt, Form oder Mindeststandards vorschreibt. Der Begriff selbst ist nicht geschützt. Jeder Verein kann in seine eigenen Zuchtordnung schreiben, was er für richtig hält, und jeder ausgedruckte Ahnenbaum darf sich „Stammbaum“ nennen.

Was ein Papier aussagekräftig macht, ist deshalb nicht das Wort, sondern die Kette dahinter: ein Verein, der einem anerkannten Dachverband angeschlossen ist, ein geführtes Zuchtbuch, verbindliche Zuchtregeln und nachvollziehbare Vorfahren. Bei deutschen Vereinen ist der Vier-Generationen-Stammbaum die Regel; andere Systeme arbeiten mit drei oder fünf Generationen.

Worauf Sie beim Blick auf die Urkunde achten sollten:

  • Kopfzeile: Welcher Verein stellt aus, welchem Dachverband gehört er an? Ohne diese Angabe ist der Rest schwer zu deuten.
  • Rassebezeichnung und Code: Passen Name und Kürzel zum genannten System? Bei der Burmilla ist genau das die Stelle, an der BML und BMS auseinandergehen.
  • Farbcode: Steht dort ein vollständiger EMS-Code, etwa mit den Ziffern 11 oder 12, oder nur ein Fantasiename?
  • Vermerke zu Gentests: Viele Vereine tragen Testergebnisse der Elterntiere ein. Fehlen sie, heißt das nicht automatisch, dass nicht getestet wurde – fragen Sie nach den Befunden.
  • Katteriename: Ein international registrierter Katteriename spricht für eingebundene, kontrollierte Zucht.
Geschichte der Burmilla-Rasse: der 11. September 1981

Die Entstehungsgeschichte dieser Rasse ist ein kleines Lehrstück darüber, wie aus einem Missgeschick eine Tugend wird. Schauplatz ist der Haushalt der Baronin Miranda von Kirchberg in Großbritannien. Dort lebte eine lilafarbene Burmakatze mit dem Zuchtnamen Bambino Lilac Faberge – und ein silberner Chinchilla-Perserkater namens Jemari Sanquist, der als Schmusekater für den Ehemann der Baronin angeschafft worden war und kurz vor der geplanten Kastration stand.

Beide Katzen waren für Verpaarungen mit der jeweils eigenen Rasse vorgesehen. Doch eine Reinigungskraft ließ eine Tür offen stehen, die Burmakatze war rollig, und der Kater hatte, wie es der britische Dachverband GCCF bis heute augenzwinkernd formuliert, andere Pläne. Am 11. September 1981 kam der erste Wurf zur Welt: vier Kätzchen, allesamt weiblich, allesamt kurzhaarig und in einem schwarz schattierten Silber, das die funkelnde Unterwolle des Chinchilla-Persers mit dem Körperbau der Burma verband. Die vier hießen Galatea, Gemma, Gabriela und Gisella.

Statt die Kätzchen als reine Liebhabertiere abzugeben, entschied sich die Baronin, aus dem Zufall ein Zuchtprogramm zu machen, und gründete die Burmilla Association. 1984 folgte durch die Züchterin Thérèse Clarke der Burmilla Cat Club. In den Jahren danach wurde die Verpaarung Burma × Chinchilla-Perser planvoll wiederholt, wobei konsequent auf kontrastreiche Augenumrandung, rein silbrige Unterwolle und ein ausgeglichenes Wesen selektiert wurde.

Der Name selbst ist ein Kofferwort aus Burmese und Chinchilla. Man könnte sagen: Diese Rasse existiert, weil jemand vergessen hat, eine Tür zu schließen. Das ist keine Anekdote am Rande, sondern die nüchterne Erklärung dafür, warum in ihrem Erbgut zwei sehr unterschiedliche Katzenwelten stecken – mit allen Vorzügen und allen Risiken, die daraus folgen.

Der Weg in die Rasseverzeichnisse: eine Anerkennung nach der anderen

Von der Zufallsverpaarung bis zur Spalte „ALL“ vergingen gut drei Jahrzehnte. Der Weg verlief nicht überall gleich schnell, und genau daraus entstehen die widersprüchlichen Jahreszahlen, die im Netz kursieren.

VerbandMeilensteinAnmerkung
GCCF (Großbritannien)1990 vorläufiger Championship-Status; bis 2003 alle fünf Varietäten im vollen Championship-StatusDie Burmilla gehört dort zur Gruppe Asian
FIFeAnerkennung Mitte der 1990er-JahreHeute vollständig anerkannt, Kategorie 3, Code BML
CFA (USA)Registrierung ab 2011, Championship ab 2014Zweistufiges Verfahren wie bei allen neuen Rassen
TICAChampionship-Status 2015Damit war die Rasse in allen großen Systemen angekommen
WCF (Essen)Kurzhaar als BMS geführt, Anerkennungsspalte „ALL“Halblanghaar als BML in Kategorie 2 gelistet

Ein ehrliches Wort zu den Jahreszahlen: Für das FIFe-Datum finden sich in deutschsprachigen Quellen 1994, 1995 und 1996 nebeneinander. Verlässlich ist deshalb nicht das Jahr, sondern der heutige Eintrag im Rasseverzeichnis, in dem die Burmilla als vollständig anerkannt geführt wird. Wer eine belastbare Angabe braucht, schlägt beim Verband selbst nach, nicht in Ratgeberportalen.

Für die halblanghaarige Variante gilt zusätzlich, dass sie je nach System einen anderen Namen trägt: In Großbritannien läuft sie innerhalb der Asian-Gruppe als Tiffanie, in der WCF-Liste als Burmilla Longhair, anderswo als Australian Tiffanie. Ein und dieselbe Katze, drei Namen, unterschiedliche Ausstellungskarrieren.

Genetik und Fellfarben der Burmilla
Burmilla Katze mit typischer Fellzeichnung

Die Intensität der Färbung wird durch zwei Gene reguliert: das Inhibitor-Gen I (hellt die Haarbasis auf) und das Agouti-Gen A (verantwortlich für die zonale Pigmentverteilung). Zusammen erzeugen sie den Shaded (schattiert) oder Shell (auch Chinchilla oder Tipped genannt) Effekt. Entscheidend ist, wie weit die Farbe vom Haarende in Richtung Wurzel reicht.

Genau hier passiert der häufigste Zahlendreher in Rasseartikeln. Die Codes sind eindeutig definiert: 11 = shaded – etwa zwei Drittel des Haares sind silbrig, ein Drittel ist gefärbt. 12 = shell – etwa sieben Achtel des Haares sind silbrig, nur ein Achtel ist gefärbt; das ist die klassische Chinchilla-Zeichnung. Shaded ist also die kontrastreichere, dunklere Variante, shell die hellere. Wer beides vertauscht, beschreibt die Katze falsch herum.

EMS-Code (FIFe)FarbnameFellbild
BML ns 11Black Shaded SilverRund ein Drittel der Haarlänge schwarz pigmentiert – die kontrastreichste Variante
BML ns 12Black Shell Silver (Chinchilla, Tipped)Nur rund ein Achtel der Haarlänge gefärbt, heller Gesamteindruck
BML bs 11Chocolate Shaded SilverMilchschokoladenfarbener Hauch auf silberner Basis
BML ds 12Red Shell SilverWarmer Apricot-Schleier, selten bei dieser Rasse

Zum Lesen des Codes: Der erste Kleinbuchstabe steht für die Grundfarbe – n schwarz, a blau, b chocolate, c lilac, d rot, e creme. Das angehängte s bedeutet silber, also die weiße Bänderung des Haares. Erst die Ziffer dahinter sagt, wie viel Farbe übrig bleibt. Anerkannt sind bei der Burmilla zusätzlich Cinnamon und Fawn sowie die zugehörigen Schildpatt-Varianten.

Interessant: Die Gleichmäßigkeit der Färbung wird beurteilt, indem man gegen den Strich ins Fell bläst; die Schattierung sollte sanft und ohne scharfe Flecken verlaufen.

Das Aussehen der Burmilla: Detaillierte Beschreibung des Exterieurs
  • Körper – mittelgroß, muskulös, mit breiter Brust.
  • Kopf – sanft keilförmig; bei Katern ausgeprägte Wangen, bei Katzen glatter.
  • Ohren – groß, leicht nach vorne geneigt, mit abgerundeten Spitzen.
  • Augen – groß, mandelförmig; Farbe von Gelbgrün bis Smaragdgrün.
  • Nase – mittellang, mit kaum merklichem Stop; Nasenspiegel oft rosa-korallenfarben.
  • Schwanz – mittellang, zur Spitze hin allmählich schmaler werdend.
  • Fell – seidig, am Körper anliegend; dichte Unterwolle, aber nicht so plüschig wie bei Perserkatzen.

Das unverwechselbare Markenzeichen ist die dunkle Umrandung von Augen, Nasenspiegel und Lippen – im deutschen Sprachgebrauch spricht man von „geschminkten Augen“. Beide Fellvarianten zeigen dieses Merkmal gleichermaßen; die halblanghaarige wirkt durch Schwanzfahne und Halskragen nur etwas opulenter. Wichtig: Die Rasse soll nicht in Richtung eines flachen Perser-Gesichts gehen. Ein eingedrückter Nasenrücken ist hier kein Schönheitsplus, sondern ein Rückschritt.

Charakter: Temperament und Verhalten der Burmilla

Die Burmilla ist die „goldene Mitte“ zwischen Aktivität und zurückhaltendem Aristokratismus. Sie können stundenlang mit Kindern spielen und dann den Abend leise schnurrend auf dem Schoß ihres Besitzers verbringen. Typisch für die Rasse sind:

  1. Freundlichkeit. Die Katzen knüpfen gerne Kontakte zu Fremden und verstehen sich in der Regel gut mit anderen Tieren.
  2. Hohe Anpassungsfähigkeit. Sie gewöhnen sich schnell an ein Katzengeschirr, an Autofahrten oder an einen Umzug.
  3. Spielerische Intelligenz. Sie lieben Intelligenzspielzeuge, interaktive Bahnen und Fummelbretter.
  4. Gemäßigte „Stimme“. Sie miauen leise, was an ein melodiöses Zwitschern erinnert.

Vom Burma-Erbe stammt die ausgeprägte Menschenbezogenheit: Eine Burmilla begleitet ihre Familie durch die Wohnung, sitzt beim Kochen auf dem Küchenstuhl und kontrolliert jeden Handgriff. Vom Perser-Erbe stammt der ruhigere Grundton – sie ist deutlich weniger fordernd und lautstark als eine reinrassige Burma. Das macht sie zu einer der wenigen Rassen, die sowohl in einem trubeligen Haushalt als auch in einer stillen Zweizimmerwohnung glücklich wird.

Tipp: Wenn bereits ein aktiver Hund im Haus lebt, bieten Sie der Burmilla vertikale Rückzugsorte an, um Revierkonflikte zu minimieren.

Die Burmilla in der deutschen Wohnung: Haltung und Sicherheit

Die Burmilla ist eine typische Wohnungskatze – nicht, weil sie träge wäre, sondern weil sie zu zutraulich ist. Eine Katze, die auf fremde Menschen zugeht, kommt draußen selten gut zurecht; für eine auffällig silberne Rassekatze ist Freigang zusätzlich ein Risiko.

  • Balkon und Fenster sichern. Ein vernetzter Balkon ist die beste Investition in ein Katzenleben. Gekippte Fenster sind lebensgefährlich – jedes Jahr verunglücken Katzen im Kippspalt. Kippfensterschutz gibt es fertig zu kaufen.
  • In die Höhe denken. Regalbretter, Wandparcours und ein hoher Kratzbaum vervielfachen die nutzbare Fläche einer Wohnung, ohne Quadratmeter zu kosten.
  • Zimmerpflanzen prüfen. Efeutute, Drachenbaum, Dieffenbachie und Lilien sind für Katzen giftig; Katzengras und Zyperngras sind der harmlose Ersatz.
  • Nicht allein lassen. Die Rasse verträgt lange Alleinzeiten schlecht. Wer den ganzen Tag außer Haus ist, sollte über zwei Katzen nachdenken – am besten gleich von Anfang an.

Ein Wort zur Mietwohnung: Ein pauschales Verbot der Katzenhaltung in Formularmietverträgen halten deutsche Gerichte regelmäßig für unwirksam; entschieden wird im Einzelfall. Wer auf Nummer sicher gehen will, klärt das mit der Vermieterseite schriftlich, bevor das Kätzchen einzieht.

Gesundheit I: PKD1 – das dominante Erbe der Perserlinie

Die polyzystische Nierenerkrankung (PKD) ist die bekannteste Erbkrankheit der Perserkatze und ihrer Abkömmlinge. Ursache ist eine Mutation im PKD1-Gen (c.10063C>A). Betroffene Tiere entwickeln flüssigkeitsgefüllte Zysten in der Niere, häufig zusätzlich in Leber und Bauchspeicheldrüse; im Verlauf führt das zum Nierenversagen. Erste Zysten sind oft schon im ersten Lebensjahr im Ultraschall darstellbar.

Entscheidend ist der Erbgang: PKD1 wird autosomal-dominant vererbt. Ein einziges verändertes Allel genügt, damit die Katze erkrankt. Es gibt hier keine „stillen Träger“ – wer die Mutation trägt, ist selbst betroffen und gibt sie an statistisch die Hälfte seiner Nachkommen weiter. Genau deshalb lässt sich die Krankheit in einer disziplinierten Zucht sauber ausschließen: Wird konsequent nur mit getestet negativen Tieren verpaart, ist das Thema in einer Generation vom Tisch.

Weil die Burmilla ihre silberne Zeichnung direkt vom Chinchilla-Perser bezogen hat, steht sie bei den Referenzlaboren ausdrücklich auf der Liste der Rassen, für die ein PKD1-Test empfohlen wird – das Veterinary Genetics Laboratory der UC Davis führt sie neben Britisch Kurzhaar, Britisch Langhaar, Exotic, Scottish Fold, Ragdoll und weiteren Perser-Abkömmlingen namentlich auf.

Was Sie als Käufer daraus mitnehmen: Fragen Sie nach dem PKD1-Befund beider Elterntiere. Ein negatives Elternpaar bedeutet bei einem dominanten Erbgang, dass auch das Kätzchen frei ist – hier ist die Aussage tatsächlich so einfach, wie sie klingt.

Gesundheit II: WNK4-Hypokaliämie – das rezessive Erbe der Burmalinie

Das zweite Risiko kommt von der anderen Seite des Stammbaums und funktioniert genau umgekehrt. Bei der Burma und ihren Verwandten tritt eine familiäre episodische hypokaliämische Polymyopathie auf – vereinfacht: anfallsartige Muskelschwäche durch zu niedrigen Kaliumspiegel im Blut. Typisch ist eine Katze, die den Kopf nicht mehr hochhalten kann, den Hals hängen lässt, schwankt oder nach dem Spielen plötzlich nicht mehr aufsteht. Die Episoden kommen und gehen, treten oft schon im Jungtieralter auf und lassen sich behandeln, wenn man sie erkennt.

Ursache ist eine Nonsense-Mutation im WNK4-Gen (c.2902C>T), die zu einem vorzeitigen Stoppsignal führt. Der Erbgang ist autosomal-rezessiv: Erst wenn ein Tier zwei veränderte Kopien geerbt hat, wird es krank. Ein Träger mit nur einer Kopie ist selbst kerngesund – und genau das macht die Sache tückisch. Man sieht ihm nichts an, kein Ultraschall zeigt etwas, nur ein Gentest bringt Klarheit.

Wie verbreitet ist das in der Rasse? Eine Auswertung von Malik und Kollegen aus dem Jahr 2015, die Genotypisierungen der britischen und amerikanischen Referenzlabore zusammenführte, fand unter 133 untersuchten Burmillas 17 Trägertiere – rund 13 Prozent. Bei der Burma selbst lag der Anteil noch höher. Betroffen sind neben der Burmilla auch Asian, Australian Mist, Bombay, Cornish Rex, Devon Rex, Singapura, Sphynx, Tiffanie und Tonkanese – also der gesamte Verwandtenkreis der Burma.

Der britische Dachverband hat daraus eine harte Konsequenz gezogen: Für alle Asian-Katzen, die mit Zuchtstatus registriert sind, ist der Hypokaliämie-Test seit dem 1. Januar 2018 verpflichtend. Tiere mit zwei Kopien der Mutation werden nicht zur Zucht zugelassen. Das ist der internationale Maßstab, an dem man auch einen deutschen Wurf messen darf.

Dominant oder rezessiv: warum dieser Unterschied im Kaufgespräch alles entscheidet

Die beiden Risiken der Burmilla sind ein Musterbeispiel dafür, warum man Erbgänge auseinanderhalten muss. Dieselbe Frage – „Ist das Kätzchen gesund?“ – hat je nach Erbgang eine völlig andere Antwortlogik.

MerkmalPKD1 (dominant)WNK4-Hypokaliämie (rezessiv)
Herkunft im StammbaumChinchilla-PerserBurma
Wie viele Kopien machen krank?Eine genügtZwei sind nötig
Gibt es gesunde Träger?NeinJa – und sie sind äußerlich unauffällig
Träger × TrägerFrage stellt sich nichtStatistisch ein Viertel der Kätzchen erkrankt
Träger × getestet freiFrage stellt sich nichtKein erkranktes Kätzchen, aber die Hälfte sind Träger
Was Sie erfragen müssenBefund beider Eltern: freiBefund beider Eltern und Status des Kätzchens

Der praktische Unterschied ist also dieser: Beim dominanten PKD1 reicht die Aussage „beide Eltern sind frei“ vollständig aus. Beim rezessiven WNK4 reicht sie nicht – zwei gesunde Elterntiere können beide Träger sein und trotzdem kranke Kätzchen bekommen. Deshalb muss hier der Test selbst auf den Tisch, schwarz auf weiß, mit Datum, Labornamen und Chipnummer der getesteten Katze.

Ein Satz zur Einordnung, weil er in älteren Rasseartikeln fehlt: Träger dürfen gehalten, geliebt und – bei kluger Verpaarung mit einem freien Partner – sogar in der Zucht eingesetzt werden. Ein Trägerstatus ist kein Urteil über die Katze, sondern eine Planungsinformation.

Gentests in Deutschland: welche Labore was anbieten

Man muss für beide Tests nicht ins Ausland. Das Labor Laboklin in Bad Kissingen führt beide Untersuchungen im Programm für Katzen: Die polyzystische Nierenerkrankung (PKD) ist dort mit dem ausdrücklichen Vermerk „Erbgang: autosomal-dominant“ gelistet, die Hypokaliämie mit dem Vermerk „autosomal-rezessiv“. Bei der Hypokaliämie führt Laboklin die Burmilla namentlich unter den betroffenen Rassen auf – neben Australischer Schleierkatze, Burma, Cornish Rex, Devon Rex, Singapura, Sphynx und Tonkanese. Nachgewiesen wird per TaqMan-SNP-Assay, das Ergebnis liegt üblicherweise binnen drei bis fünf Werktagen nach Probeneingang vor.

Ein Detail, das man kennen sollte: Auf der PKD-Seite von Laboklin ist die Burmilla in der Rassenliste nicht eigens aufgeführt – dort stehen Perser, Britisch Kurz- und Langhaar, Exotic, Heilige Birma, Ragdoll, Scottish Fold und weitere. Das ist kein Widerspruch, sondern eine Frage der Listenpflege: Getestet wird dieselbe Mutation, und die internationalen Referenzlabore führen die Burmilla ausdrücklich als Perser-Abkömmling mit Testempfehlung. Falls ein Anmeldeformular die Rasse nicht anbietet, genügt in der Regel ein kurzer Anruf beim Labor.

Der Ablauf ist unkompliziert: Die Tierarztpraxis nimmt Blut oder einen Backenschleimhautabstrich, dokumentiert die Chipnummer und schickt das Material ein. Wichtig ist genau diese Verknüpfung – ein Befund ohne zugeordnete Chipnummer ist im Zweifel nur ein Stück Papier.

Gesundheit III: worauf sonst noch zu achten ist
RisikogruppeWie erkennbarPräventive Maßnahmen
Polyzystische Nierenerkrankung (PKD1)Gentest; Zysten im Ultraschall oft im ersten LebensjahrGentest PKD1 vor Zuchtzulassung, nur freie Elterntiere verpaaren
Hypokaliämie (WNK4)Gentest; klinisch episodische Muskelschwäche, hängender HalsGentest beider Elterntiere, Träger nur mit freiem Partner verpaaren
Hypertrophe Kardiomyopathie (HCM)Herzultraschall durch erfahrene KardiologieRegelmäßige Kontrolle der Zuchttiere; kein Gentest für diese Rasse etabliert
ParodontitisZahnfleischrötung, MundgeruchZähneputzen mit Katzenzahnpasta 2–3 Mal/Woche
ÜbergewichtTaille von oben nicht mehr erkennbarPortionskontrolle nach der Kastration, aktive Spieleinheiten

Sie werden in diesem Abschnitt bewusst keine Prozentzahlen finden – und das hat einen Grund. In Rasseporträts kursieren für die Burmilla Angaben wie „PKD 3–5 %“ und „HCM 8–10 %“. Beide halten einer Prüfung nicht stand. Zur PKD existiert für diese Rasse genau eine veröffentlichte Messung: Eine australische Ultraschallstudie an Persern und verwandten Rassen (Barrs und Kollegen, 2001, Sydney und Brisbane) fand unter 14 untersuchten Burmillas 2 betroffene Tiere. Das sind rechnerisch 14 Prozent – bei einer Stichprobe von vierzehn Katzen jedoch eine Zahl, aus der man keine Rassehäufigkeit ableiten kann. Sie taugt als Hinweis, dass das Risiko real ist, nicht als Statistik.

Zur HCM ist die Lage noch klarer: Für die Burmilla gibt es keine veröffentlichten Häufigkeitsdaten. Der oft zitierte Wert von 8,5 Prozent stammt aus einer dänischen Reihenuntersuchung an 329 Britisch-Kurzhaar-Katzen (Granström und Kollegen, 2011) – also von einer anderen Rasse. Eine fremde Zahl auf die Burmilla zu übertragen, ist keine Information, sondern eine Verwechslung. Bekannt ist lediglich, dass die HCM bei Katzen der Burma-Verwandtschaft vorkommt; einen Gentest gibt es für diese Rasse nicht. Die einzige belastbare Antwort heißt deshalb Echokardiographie bei einer kardiologisch erfahrenen Praxis, in regelmäßigen Abständen und vor jedem Zuchteinsatz.

Damit schließt sich der Kreis zum deutschen Recht: Wer eine Katze mit bekannten, testbaren Erbrisiken ohne Untersuchung verpaart, bewegt sich genau in dem Bereich, den § 11b Tierschutzgesetz im Blick hat – Zucht in dem Wissen, dass bei den Nachkommen erblich bedingte Schäden zu erwarten sind. Untersuchen ist hier keine Kür, sondern die Pflicht, die das Gesetz voraussetzt.

Zur Einordnung: Die Burmilla gilt insgesamt als robuste Rasse mit einem breiten Genpool und einer Lebenserwartung von 12 bis 16 Jahren. Die Formulierung, sie habe „keine kritischen Erbkrankheiten“, ist allerdings falsch und findet sich leider in vielen Texten – bei zwei nachgewiesenen Mutationen mit verfügbaren Tests wäre das schlicht eine Verharmlosung. Richtig ist: Beide Risiken sind bekannt, beide sind testbar, und beide lassen sich durch verantwortungsvolle Zuchtplanung praktisch ausschließen. Und wo keine belastbare Zahl existiert, ist die ehrliche Auskunft „dazu gibt es keine Daten“ mehr wert als ein plausibel aussehender Prozentwert. Das ist die weit bessere Nachricht als jedes beschönigende Pauschalurteil.

§ 11b Tierschutzgesetz: Qualzucht – und warum die Burmilla dort nicht vorkommt

Das deutsche Tierschutzgesetz enthält mit § 11b eine Vorschrift, die für Katzenzucht unmittelbar einschlägig ist. Sie verbietet, Wirbeltiere zu züchten oder biotechnisch zu verändern, wenn nach züchterischer Erfahrung damit zu rechnen ist, dass bei den Nachkommen erblich bedingt Körperteile oder Organe fehlen oder untauglich sind, dass erblich bedingte Verhaltensstörungen auftreten oder dass die Tiere nur unter Schmerzen oder vermeidbaren Leiden gehalten werden können. Die Behörde kann zudem die Unfruchtbarmachung anordnen. Umgangssprachlich heißt das Qualzuchtverbot.

Zur Auslegung existiert ein Gutachten der Sachverständigengruppe „Tierschutz und Heimtierzucht“ des zuständigen Bundesministeriums, das den Vollzugsbehörden und Zuchtverbänden als Maßstab dient. Für Katzen nennt es eine überschaubare Zahl von Rassen und Merkmalen: schwanzlose und stummelschwänzige Katzen mit Wirbelfehlbildungen, Faltohrkatzen mit Knorpel- und Knochenschäden, haarlose Katzen ohne funktionsfähige Tasthaare, extrem kurzköpfige Zuchtformen, verkürzte Gliedmaßen und einige weitere.

Die Burmilla steht auf keiner dieser Listen. Sie hat einen normal langen Schwanz, aufrechte Ohren, ein vollständiges Fell mit intakten Vibrissen, gerade Gliedmaßen und einen mäßig keilförmigen Kopf mit funktionsfähiger Nase. Genetisch mitgebrachte Krankheitsrisiken wie PKD1 sind etwas anderes als ein Qualzuchtmerkmal: Sie liegen nicht im gewünschten Erscheinungsbild, sondern in einzelnen Genen – und lassen sich deshalb wegtesten statt wegzüchten.

Aufmerksamkeit verdient allerdings eine Praxis, vor der deutsche Tierschutzorganisationen ausdrücklich warnen: das Einkreuzen moderner, extrem kurzköpfiger Perser, um bei der Burmilla ein kleineres Köpfchen und eine stärker eingezogene Nase zu erzeugen. Damit holt man sich genau jene brachyzephalen Merkmale ins Haus, die § 11b im Blick hat. Der Rassestandard verlangt das nicht – im Gegenteil.

Zum Stand der Gesetzgebung: Eine Novelle des Tierschutzgesetzes ist im parlamentarischen Verfahren, unter anderem mit dem Vorhaben, § 11b um eine konkrete Merkmalsliste zu ergänzen. Maßgeblich ist bis zu einer Verabschiedung die geltende Fassung. Wer züchtet, sollte die Entwicklung im Auge behalten – sie zielt auf mehr Klarheit, nicht auf weniger Pflichten.

Katzenschutzverordnungen: Kastration, Chip und Registrierung

Die zweite Rechtsnorm, die deutsche Katzenhalter direkt betrifft, ist § 13b des Tierschutzgesetzes. Er ermächtigt die Landesregierungen, per Rechtsverordnung zum Schutz freilebender Katzen Gebiete festzulegen, in denen der unkontrollierte freie Auslauf fortpflanzungsfähiger Katzen beschränkt und eine Kennzeichnung und Registrierung vorgeschrieben wird. Aus dieser Ermächtigung sind die vielerorts diskutierten Katzenschutzverordnungen entstanden.

Der Flickenteppich ist beachtlich: Nach Angaben von Tierschutzorganisationen gab es Ende 2025 bundesweit über 2.000 Kommunen mit einer entsprechenden Regelung. Landesweit gelten Verordnungen unter anderem in Niedersachsen, Berlin und Bremen. Hamburg hat eine stadtweite Katzenschutzverordnung zum 1. Januar 2026 in Kraft gesetzt, Schleswig-Holstein zum 1. Juli 2026 als erstes Flächenland überhaupt.

Inhaltlich laufen die Regelungen auf drei Pflichten hinaus, wenn die Katze Freigang bekommt: kastrieren, kennzeichnen, registrieren. In Hamburg gilt die Kastrationspflicht ab einem Alter von fünf Monaten; die Kennzeichnung erfolgt per Mikrochip durch die Tierarztpraxis, die Registrierung in einem der anerkannten Haustierregister.

Und was heißt das für eine Burmilla? In aller Regel: nichts. Diese Rasse wird in Deutschland fast ausschließlich als reine Wohnungskatze gehalten, und wer seiner Katze keinen unkontrollierten Freigang gewährt, ist von den Verordnungen nicht betroffen – Hamburg stellt das ausdrücklich klar. Wer dennoch Freigang plant, muss die drei Pflichten erfüllen. Für Zuchtkatzen sehen die Verordnungen Ausnahmen vor: Die Behörde kann von einer Kastrationsanordnung absehen, insbesondere wenn eine Erlaubnis nach § 11 Absatz 1 Nummer 8 Buchstabe a des Tierschutzgesetzes vorliegt – jene Erlaubnis, die gewerbsmäßiges Züchten oder Halten von Wirbeltieren voraussetzt.

Praktischer Rat: Ein Anruf beim örtlichen Veterinäramt schafft in fünf Minuten die Klarheit, die man sich sonst stundenlang zusammensucht.

Chip, Haustierregister und Reisen innerhalb der EU

Unabhängig von jeder Verordnung ist der Mikrochip die sinnvollste Vorsorge gegen den Ernstfall. Er trägt eine fünfzehnstellige Nummer nach internationalem Standard. Der Chip allein hilft allerdings niemandem – erst die Registrierung verknüpft die Nummer mit Ihren Kontaktdaten. In Deutschland sind dafür zwei Register etabliert: Tasso und Findefix, das Haustierregister des Deutschen Tierschutzbundes; beide werden in den Katzenschutzverordnungen ausdrücklich genannt. Denken Sie nach einem Umzug an die Aktualisierung – ein Register mit veralteter Telefonnummer ist ein zahnloser Tiger.

Für Reisen innerhalb der Europäischen Union gilt die europäische Heimtierverordnung. Ihre Burmilla braucht drei Dinge: einen Mikrochip, eine gültige Tollwutimpfung und den EU-Heimtierausweis von der Tierarztpraxis. Wichtig ist die Reihenfolge – der Chip muss vor der Impfung gesetzt und im Ausweis dokumentiert sein, sonst zählt die Impfung formal nicht. Die Erstimpfung ist frühestens ab einem Alter von zwölf Wochen möglich, danach sind einundzwanzig Tage Wartezeit bis zum wirksamen Schutz einzuhalten. Ein Kätzchen darf also frühestens mit fünfzehn Wochen mitreisen. Für einzelne Zielländer kommen Sonderregeln hinzu; ein Blick auf die amtlichen Einreisebestimmungen einige Wochen vor der Abreise erspart böse Überraschungen am Schalter.

Pflege der Burmilla: Fell, Krallen, Augen

Die Pflege der Burmilla ist unkompliziert, umfasst aber dennoch:

  • Kämmen – 1 Mal pro Woche mit einem Silikonhandschuh; während des Fellwechsels 2 Mal pro Woche.
  • Baden – nicht öfter als alle 2 Monate; die Katze scheut das Wasser nicht, aber zu häufiges Baden kann den Glanz des Fells beeinträchtigen.
  • Augenreinigung – die Augenwinkel vorsichtig mit einem fusselfreien Tuch abwischen.
  • Krallen – alle 14 Tage schneiden; Kratzbäume unterschiedlicher Höhe sind ein Muss.
Nahaufnahme einer Burmilla

Die halblanghaarige Variante braucht etwas mehr Zuwendung, aber keine andere Technik: zweimal wöchentlich durchkämmen, mit Augenmerk auf die Partien hinter den Ohren, in den Achseln und an der Schwanzwurzel. Unterschätzt wird meist die Zahnpflege: Zahnstein und Zahnfleischentzündungen sind bei Hauskatzen der Klassiker unter den vermeidbaren Leiden. Wer das Kätzchen früh an eine weiche Bürste gewöhnt, hat später leichtes Spiel.

Ernährung der Burmilla: Futterplan mit Blick auf die Nieren

Die Burmilla ist ein Fleischfresser mit gutem Appetit und wenig Selbstdisziplin – eine Kombination, die nach der Kastration schnell auf die Waage schlägt. Die Grundlinie ist deshalb einfach: hochwertiges Futter mit hohem Anteil tierischen Proteins, moderatem Fettanteil und geringem Kohlenhydratanteil, dazu ein hoher Feuchtigkeitsanteil über Nassfutter. Katzen trinken von Natur aus wenig; jeder Schluck, der über die Nahrung kommt, entlastet die Nieren.

  • Portionen statt Selbstbedienung. Zwei bis vier abgemessene Mahlzeiten am Tag, das Trockenfutter nicht dauerhaft frei zugänglich.
  • Wasser attraktiv machen. Mehrere Näpfe, weit vom Futterplatz entfernt, gerne ein Trinkbrunnen.
  • Nierenwerte im Blick behalten. Bei Katzen mit Perser-Vorfahren lohnt ab dem mittleren Alter ein regelmäßiges Blutbild mit Kreatinin und SDMA sowie eine Urinuntersuchung – Ihre Tierarztpraxis legt das Intervall fest.
  • Diätfutter nur auf Anordnung. Phosphatreduzierte Nierendiäten gehören in die Hand der Tierarztpraxis und nicht vorsorglich in den Napf einer gesunden Katze.

Selbst zubereitete Rationen sind möglich, aber kein Selbstläufer: Ohne durchgerechnetes Kalzium-Phosphor-Verhältnis und ohne Taurinzusatz entsteht schnell ein Mangel, den man dem Tier lange nicht ansieht. Hier gilt: gut gemeint ist nicht gut gemacht.

Beschäftigung, Clickertraining und mentale Auslastung

Die Burmilla lernt bemerkenswert schnell über positive Verstärkung. Clickertraining funktioniert bei ihr hervorragend: Ein kurzes Geräusch markiert exakt den Moment, in dem die Katze das Richtige tut, und wird sofort mit einem Leckerbissen bestätigt. Zwei Einheiten von fünf Minuten am Tag bringen mehr als eine lange Sitzung – Katzen arbeiten in kurzen, konzentrierten Schüben.

Sinnvolle Ziele sind nicht Kunststückchen, sondern Alltagserleichterungen: freiwilliges Betreten der Transportbox, Stillhalten beim Krallenschneiden, Kommen auf Zuruf. Wer das einübt, spart sich später viel Stress in der Tierarztpraxis.

Dazu kommt die tägliche Jagdsequenz: anschleichen, hetzen, fangen, fressen. Eine Federangel, die am Ende zu einem echten Beutestück führt, befriedigt diese Kette und beugt Langeweile vor. Zwei Katzen, die miteinander toben, ersetzen keine menschliche Zuwendung – aber sie füllen die Stunden, in denen niemand zu Hause ist.

Ein Kätzchen kaufen: die Fragenliste an die Zucht

Die Burmilla ist im deutschsprachigen Raum eine Rarität – es gibt nur eine Handvoll Katterien. Das erhöht die Bereitschaft, weite Wege zu fahren und lange zu warten, und genau darin liegt die Gefahr, die Katze im Sack zu kaufen. Wer sich in die Karten schauen lässt, hat nichts zu verbergen; die folgenden Fragen sind der schnellste Test dafür.

  1. In welchem Verein und unter welchem Dachverband züchten Sie? Die Antwort entscheidet, wie der Code auf dem Papier zu lesen ist.
  2. Darf ich die PKD1-Befunde beider Elterntiere sehen? Mit Labornamen, Datum und Chipnummer.
  3. Darf ich die Hypokaliämie-Befunde (WNK4) sehen – und wie ist der Status des Kätzchens? Bei einem rezessiven Erbgang die entscheidende Frage.
  4. Wurden die Elterntiere kardiologisch untersucht? Für HCM gibt es bei dieser Rasse keinen Gentest, nur den Ultraschall.
  5. Wie alt sind die Kätzchen bei der Abgabe? Zwölf Wochen sind das absolute Minimum; seriöse Katterien geben oft später ab.
  6. Darf ich den Wurf im Haushalt sehen? Kätzchen, die in der Wohnung mit der Mutter aufwachsen, sind besser sozialisiert. Ein Treffen auf einem Parkplatz ist ein Ausschlusskriterium.
  7. Wie sieht der Kaufvertrag aus, und was steht zur Kastration von Liebhabertieren darin?

Wer bei den Gentests ins Schwimmen gerät oder zur Eile drängt, ist die falsche Adresse. Bei einer so seltenen Rasse zahlt sich Geduld doppelt aus.

Vor- und Nachteile der Rasse
Burmilla Katze entspannt
VorteileNachteile
Sozial, verträgt sich gut mit Kindern und HundenBenötigt tägliche Spielaktivität
Sanfte, leise „Stimme“, keine AggressionenNeigung zu Fettleibigkeit nach der Kastration
Pflegeleichtes FellMag es nicht, länger als 8 Stunden allein zu sein
Hohe Intelligenz – lernt leicht TricksBenötigt regelmäßige Nierengesundheitschecks
Die Burmilla im Vergleich mit verwandten Rassen
RasseWesen im VergleichFür wen geeignet
BurmillaGesellig wie die Burma, aber ruhiger und leiserFamilien, Berufstätige mit zweiter Katze, ruhige Haushalte
BurmakatzeFordernder, lauter, sehr aktiv und anhänglichMenschen, die viel zu Hause sind und Dialog wollen
Britisch KurzhaarDeutlich gelassener, distanzierter, wenig verspieltWer eine unaufgeregte, selbstgenügsame Katze sucht
Asian TabbyNaher Verwandter aus derselben Gruppe, temperamentvollWer die Burmilla-Art mag, aber getigerte Zeichnung bevorzugt
PerserkatzeRuhig bis phlegmatisch, hoher FellaufwandWer Zeit für tägliche Fellpflege mitbringt

Kurz gesagt: Wer sich in die Burma verliebt hat, aber vor ihrer Lautstärke zurückschreckt, findet in der Burmilla den passenden Kompromiss – ebenso, wer die silbrige Optik der Chinchilla-Perser mag, aber nicht täglich entfilzen möchte.

Interessante Fakten – und hartnäckige Irrtümer
  • Der erste Wurf bestand ausschließlich aus weiblichen Kätzchen – vier Schwestern, die zur Grundlage einer ganzen Rasse wurden.
  • In Großbritannien ist die Burmilla nicht allein: Sie gehört dort zur Asian-Gruppe, zu der auch Asian Self, Asian Smoke, Asian Tabby und die halblanghaarige Tiffanie zählen.
  • In der Rasseverzeichnis der WCF steht die kurzhaarige Burmilla mit dem denkbar knappsten Eintrag in der Anerkennungsspalte: „ALL“.
  • Die halblanghaarige Variante wird von der FIFe nicht als eigene Rasse geführt – dieselbe Katze hat je nach System eine völlig andere Ausstellungskarriere.

Und nun zu den Irrtümern, die sich in Rasseporträts erstaunlich hartnäckig halten:

  • „Die Burmilla ist hypoallergen.“ Nein. Hypoallergene Katzen gibt es nicht. Das Hauptallergen Fel d 1 wird von jeder Katze gebildet und über Speichel und Hautschuppen verteilt. Die individuelle Menge schwankt von Tier zu Tier, folgt aber keiner Rassegrenze. Wer allergisch reagiert, sollte vor der Anschaffung Kontakt zu erwachsenen Tieren der Rasse suchen – und die Entscheidung nicht auf ein Werbeversprechen stützen.
  • „Die Rasse hat keine kritischen Erbkrankheiten.“ Falsch, siehe PKD1 und WNK4. Beide sind gut untersucht und testbar – das ist die Entwarnung, nicht die Behauptung, es gäbe nichts.
  • „Sie haart nicht.“ Doch. Sie haart wie jede Katze, im Fellwechsel deutlich stärker; das Fell verfilzt allerdings kaum und lässt sich leicht auskämmen.
  • „Silber ist einfach eine Farbe.“ Nicht ganz: Silber ist im EMS-Code eine Zusatzangabe zur Grundfarbe – der Buchstabe s. Erst die Ziffer dahinter beschreibt, wie viel Pigment tatsächlich sichtbar bleibt.
Häufig gestellte Fragen zur Rasse

Wofür steht BML im Stammbaum meiner Burmilla?

Das hängt vom Dachverband ab, der das Papier ausgestellt hat. Bei der FIFe bezeichnet BML die kurzhaarige Burmilla, die dort in Kategorie 3 vollständig anerkannt ist. Bei der World Cat Federation mit Sitz in Essen steht BML dagegen für die Burmilla Longhair, also die halblanghaarige Variante in Kategorie 2 – die Kurzhaar-Katze heißt dort BMS. Lesen Sie deshalb immer zuerst die Kopfzeile des Stammbaums und danach den Code.

Gilt die Kastrationspflicht aus der Katzenschutzverordnung auch für meine Burmilla?

Nur dann, wenn Sie ihr unkontrollierten Freigang gewähren und Ihre Kommune oder Ihr Bundesland eine solche Verordnung erlassen hat. Reine Wohnungskatzen sind nicht betroffen – Hamburg etwa stellt das für seine seit dem 1. Januar 2026 geltende Verordnung ausdrücklich klar. Für Zuchtkatzen sind Ausnahmen vorgesehen, insbesondere bei einer Erlaubnis nach § 11 Absatz 1 Nummer 8 Buchstabe a des Tierschutzgesetzes. Da die Regelungen kommunal stark variieren, klärt ein Anruf beim örtlichen Veterinäramt die Lage am schnellsten.

Welche Gentests soll ich vom Züchter verlangen?

Zwei, und zwar konkret benannt: PKD1 (polyzystische Nierenerkrankung, aus der Perserlinie, autosomal-dominant) und WNK4 (Hypokaliämie, aus der Burmalinie, autosomal-rezessiv). Lassen Sie sich die Befunde beider Elterntiere zeigen – mit Labor, Datum und Chipnummer. Beim rezessiven WNK4 sollten Sie zusätzlich nach dem Status des Kätzchens fragen, denn zwei äußerlich gesunde Träger können erkrankte Nachkommen haben.

Ist die Burmilla eine Qualzucht im Sinne von § 11b Tierschutzgesetz?

Nein. Sie weist keines der Merkmale auf, die das Auslegungsgutachten zu § 11b für Katzen benennt: kein verkürzter oder fehlender Schwanz, keine Faltohren, keine Haarlosigkeit, keine verkürzten Gliedmaßen, kein extrem verkürzter Schädel. Vorsicht ist allerdings geboten, wenn moderne, sehr kurzköpfige Perser eingekreuzt werden, um kleinere Köpfe zu erzeugen – damit holt man sich brachyzephale Probleme ins Haus, die der Rassestandard gar nicht verlangt.

Welcher deutsche Verein passt zu mir, wenn ich Burmillas züchten möchte?

Das hängt davon ab, in welchem System Sie ausstellen wollen. Der Weg zur FIFe führt in Deutschland über den 1. Deutschen Edelkatzenzüchter-Verband und seine Regionalvereine; der Weg zur WCF über einen der direkt angeschlossenen Vereine wie die Deutsche Edelkatze oder Freesenkatten. Daneben sind TICA und CFA mit eigenen deutschen Clubs vertreten. Entscheiden Sie sich vor dem Kauf des Zuchttieres – eine spätere Umregistrierung macht Arbeit.

Ist die Burmilla hypoallergen?

Nein – hypoallergene Katzen gibt es nicht. Jede Katze produziert das Hauptallergen Fel d 1, unabhängig von Rasse und Felllänge. Die produzierte Menge schwankt zwischen einzelnen Tieren, aber nicht systematisch zwischen Rassen. Wer empfindlich reagiert, sollte vor einer Anschaffung ausgiebig Kontakt zu erwachsenen Katzen dieser Rasse suchen und ärztlichen Rat einholen.

Wie unterscheidet sich die Burmilla im Wesen von der Burmakatze?

Sie hat die Geselligkeit und ausgeprägte Menschenbezogenheit der Burma geerbt, ist dabei aber merklich ruhiger, leiser und weniger fordernd. Die Burma redet mit, die Burmilla kommentiert eher zurückhaltend. Was beide teilen: Sie mögen es nicht, lange allein zu sein.

Eignet sich die Burmilla für eine Familie mit kleinen Kindern?

Ja. Die Katze reagiert geduldig auf Kinderlärm und -bewegung; wichtig ist, ihr eine „Ruhezone“ zu bieten, zu der das Kleinkind keinen Zugang hat. Ebenso wichtig ist, Kindern beizubringen, eine schlafende Katze in Ruhe zu lassen – das erspart beiden Seiten schlechte Erfahrungen.

Welche Pflege benötigt die halblanghaarige Variante?

Es genügt, sie zweimal pro Woche gründlich durchzukämmen, mit besonderem Augenmerk auf Hals, Achseln und Schwanzwurzel. Das Fell neigt nicht zu Verfilzungen, wenn man diesen Rhythmus einhält. Beachten Sie, dass diese Variante je nach Verband Tiffanie, Burmilla Longhair oder Australian Tiffanie heißt – für die Pflege macht das keinen Unterschied, für die Ausstellungsmeldung sehr wohl.

Fazit

Die Burmilla – eine Harmonie aus eleganter Erscheinung und freundlichem Wesen. Wenn Sie einen wahren Begleiter suchen, der aktive Spiele ebenso schätzt wie ruhige Abende, ist diese Rasse eine hervorragende Wahl. Nehmen Sie aus diesem Text drei Dinge mit: Lesen Sie im Stammbaum zuerst den Verband, dann den Code – BML bedeutet bei der FIFe und bei der Essener WCF zwei verschiedene Katzen. Verlangen Sie zwei Gentests, PKD1 und WNK4, und wissen Sie, warum der dominante und der rezessive Erbgang unterschiedliche Fragen erfordern. Und prüfen Sie, ob in Ihrer Kommune eine Katzenschutzverordnung gilt, falls Sie Freigang planen. Als Dank für richtige Ernährung, regelmäßige tierärztliche Betreuung und emotionale Zuwendung wird Ihnen Ihre Burmilla-Katze jahrelang mit Zuneigung und dem unvergleichlichen silbrigen Glanz ihres Fells Freude bereiten.

Vorteile
  • Liebevoll, gesellig, ausgeglichen
  • Ruhiger als die Burma, gut mit Kindern
  • Eindrucksvolles silbern getipptes Fell
  • Klug, verspielt, zu allen freundlich
Nachteile
  • Bleibt nicht gern lange allein
  • Erbliches Risiko PKD1 aus der Perserlinie – Elterntiere müssen getestet sein
  • Erbliches Risiko WNK4-Hypokaliämie aus der Burmalinie – gesunde Träger sind unsichtbar
  • Im deutschsprachigen Raum selten, nur wenige Katterien
Vergleich mit ähnlichen Rassen
Burma-KatzeBritisch KurzhaarAsian Tabby
Gewicht3–6,5 kg4–8 kg4–7 kg
Energie42.54
Wohnung555
Anfänger44.54
Häufige Fragen
Wofür steht BML im Stammbaum meiner Burmilla?
Das hängt vom Dachverband ab, der das Papier ausgestellt hat. Bei der FIFe bezeichnet BML die kurzhaarige Burmilla, die dort in Kategorie 3 vollständig anerkannt ist. Bei der World Cat Federation mit Sitz in Essen steht BML dagegen für die Burmilla Longhair, also die halblanghaarige Variante in Kategorie 2 – die Kurzhaar-Katze heißt dort BMS. Lesen Sie deshalb immer zuerst die Kopfzeile des Stammbaums und danach den Code.
Gilt die Kastrationspflicht aus der Katzenschutzverordnung auch für meine Burmilla?
Nur dann, wenn Sie ihr unkontrollierten Freigang gewähren und Ihre Kommune oder Ihr Bundesland eine solche Verordnung erlassen hat. Reine Wohnungskatzen sind nicht betroffen – Hamburg stellt das für seine seit dem 1. Januar 2026 geltende Verordnung ausdrücklich klar. Für Zuchtkatzen sind Ausnahmen vorgesehen, insbesondere bei einer Erlaubnis nach § 11 Absatz 1 Nummer 8 Buchstabe a des Tierschutzgesetzes. Da die Regelungen kommunal stark variieren, klärt ein Anruf beim örtlichen Veterinäramt die Lage am schnellsten.
Welche Gentests soll ich vom Züchter verlangen?
Zwei, und zwar konkret benannt: PKD1 (polyzystische Nierenerkrankung, aus der Perserlinie, autosomal-dominant) und WNK4 (Hypokaliämie, aus der Burmalinie, autosomal-rezessiv). Lassen Sie sich die Befunde beider Elterntiere zeigen – mit Labor, Datum und Chipnummer. Beim rezessiven WNK4 sollten Sie zusätzlich nach dem Status des Kätzchens fragen, denn zwei äußerlich gesunde Träger können erkrankte Nachkommen haben.
Ist die Burmilla eine Qualzucht im Sinne von § 11b Tierschutzgesetz?
Nein. Sie weist keines der Merkmale auf, die das Auslegungsgutachten zu § 11b für Katzen benennt: kein verkürzter oder fehlender Schwanz, keine Faltohren, keine Haarlosigkeit, keine verkürzten Gliedmaßen, kein extrem verkürzter Schädel. Vorsicht ist allerdings geboten, wenn moderne, sehr kurzköpfige Perser eingekreuzt werden, um kleinere Köpfe zu erzeugen – damit holt man sich brachyzephale Probleme ins Haus, die der Rassestandard gar nicht verlangt.
Welcher deutsche Verein passt zu mir, wenn ich Burmillas züchten möchte?
Das hängt davon ab, in welchem System Sie ausstellen wollen. Der Weg zur FIFe führt in Deutschland über den 1. Deutschen Edelkatzenzüchter-Verband und seine Regionalvereine; der Weg zur WCF über einen der direkt angeschlossenen Vereine wie die Deutsche Edelkatze oder Freesenkatten. Daneben sind TICA und CFA mit eigenen deutschen Clubs vertreten. Entscheiden Sie sich vor dem Kauf des Zuchttieres – eine spätere Umregistrierung macht Arbeit.
Ist die Burmilla hypoallergen?
Nein – hypoallergene Katzen gibt es nicht. Jede Katze produziert das Hauptallergen Fel d 1, unabhängig von Rasse und Felllänge. Die produzierte Menge schwankt zwischen einzelnen Tieren, aber nicht systematisch zwischen Rassen. Wer empfindlich reagiert, sollte vor einer Anschaffung ausgiebig Kontakt zu erwachsenen Katzen dieser Rasse suchen und ärztlichen Rat einholen.
Wie unterscheidet sich die Burmilla im Wesen von der Burmakatze?
Sie hat die Geselligkeit und ausgeprägte Menschenbezogenheit der Burma geerbt, ist dabei aber merklich ruhiger, leiser und weniger fordernd. Die Burma redet mit, die Burmilla kommentiert eher zurückhaltend. Was beide teilen: Sie mögen es nicht, lange allein zu sein.
Eignet sich die Burmilla für eine Familie mit kleinen Kindern?
Ja. Die Katze reagiert geduldig auf Kinderlärm und -bewegung; wichtig ist, ihr eine „Ruhezone“ zu bieten, zu der das Kleinkind keinen Zugang hat. Ebenso wichtig ist, Kindern beizubringen, eine schlafende Katze in Ruhe zu lassen – das erspart beiden Seiten schlechte Erfahrungen.
Welche Pflege benötigt die halblanghaarige Variante?
Es genügt, sie zweimal pro Woche gründlich durchzukämmen, mit besonderem Augenmerk auf Hals, Achseln und Schwanzwurzel. Das Fell neigt nicht zu Verfilzungen, wenn man diesen Rhythmus einhält. Beachten Sie, dass diese Variante je nach Verband Tiffanie, Burmilla Longhair oder Australian Tiffanie heißt – für die Pflege macht das keinen Unterschied, für die Ausstellungsmeldung sehr wohl.
Quellen

WCF EMS-Code (World Cat Federation, Essen) · FIFe Rasseverzeichnis und Zucht- und Registrierungsordnung · GCCF (Asian/Burmilla) · Laboklin Bad Kissingen (PKD, Hypokaliämie) · UC Davis VGL (PKD1) · Malik et al. 2015, JFMS · Barrs et al. 2001, Aust Vet J · Granström et al. 2011, JVIM · § 11b und § 13b Tierschutzgesetz

Share This Article