Geschichte der Europäisch Kurzhaar Katze
Die Geschichte der Europäisch Kurzhaar ist ein einzigartiger Fall in der Katzenzucht. Anstatt eine neue Rasse durch die Kreuzung verschiedener Typen zu schaffen, setzten sich Züchter das Ziel, jenen Typ von kurzhaarigen Hauskatzen zu erhalten und zu standardisieren, der sich über Jahrhunderte auf natürliche Weise in Europa entwickelt hatte und dort existierte. Diese Katzen waren Nachkommen antiker Katzen, die sich bereits zur Zeit des Römischen Reiches über den Kontinent verbreitet hatten, sich an die lokalen Bedingungen anpassten und eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung von Nagetieren spielten.
Lange Zeit wurden diese Katzen nicht als eigenständige Rasse angesehen. Mitte des 20. Jahrhunderts, insbesondere in Skandinavien (Schweden spielte hier eine Schlüsselrolle), begann eine Bewegung zur Anerkennung dieser „ursprünglichen“ europäischen Katze. Zuvor wurden ähnliche Katzen oft als Britisch Kurzhaar registriert oder ausgestellt. Skandinavische Züchter waren jedoch der Meinung, dass die britische Rasse zunehmend massiger, vom „Cobby“-Typ und mit zu plüschigem Fell wurde und dabei die Merkmale einer natürlichen, arbeitenden Katze verlor.
Ziel war es, einen Standard zu schaffen, der eine harmonische, robuste, aber nicht übermäßig schwere Katze mittlerer Größe ohne extreme Merkmale beschreibt – im Grunde den „idealen“ Vertreter der gewöhnlichen europäischen Hauskatze. Nach Jahren der Arbeit und Diskussionen erkannte die Fédération Internationale Féline (FIFe) die Europäisch Kurzhaar (European Shorthair) 1982 (einige Quellen nennen 1983) offiziell als eigenständige Rasse an.
Es ist wichtig zu unterscheiden zwischen einer reinrassigen Europäisch Kurzhaar (mit Stammbaum, der dem FIFe-Standard entspricht) und einer gewöhnlichen Hauskatze ohne Stammbaum. Obwohl sie äußerlich sehr ähnlich sein können, ist die Europäisch Kurzhaar das Ergebnis einer gezielten Auswahl zur Erhaltung eines bestimmten Phänotyps.
Bis heute ist die Rasse vor allem in den skandinavischen Ländern und Kontinentaleuropa unter der Schirmherrschaft der FIFe am beliebtesten und anerkanntesten. Große britische (GCCF) und amerikanische (CFA, TICA) Organisationen erkennen sie nicht als eigenständige Rasse an.
Das Aussehen der Europäisch Kurzhaar: Eine Beschreibung des äußeren Erscheinungsbildes
Der Standard der Europäisch Kurzhaar beschreibt ein harmonisches, kräftiges, muskulöses Tier von mittlerer bis großer Größe, ohne jegliche übertriebene Merkmale. Sie ist die Verkörperung des „goldenen Mittelwegs“ in der Katzenwelt.

- Körper: Kräftig, muskulös, mit gut entwickelter, breiter Brust. Nicht gedrungen (nicht „cobby“), aber auch nicht zierlich. Körperlänge mittel bis groß.
- Beine: Kräftig, mittellang, stabil, enden in runden, festen Pfoten.
- Schwanz: Mittellang, am Ansatz ziemlich dick, verjüngt sich allmählich zu einer abgerundeten Spitze.
- Kopf: Ziemlich groß, die Form ähnelt einem abgerundeten Dreieck, etwas länger als breit. Stirn und Schädel sind leicht gerundet. Wangen gut entwickelt (besonders bei erwachsenen Katern). Nase gerade, mittellang, ohne Stop. Kinn kräftig, abgerundet.
- Ohren: Mittelgroß, an den Spitzen leicht abgerundet, können Pinsel aufweisen. Ziemlich weit auseinander und fast senkrecht gestellt. Die Höhe der Ohren entspricht etwa der Breite am Ansatz.
- Augen: Groß, rund, weit auseinanderstehend, leicht schräg gesetzt. Die Augenfarbe sollte rein, leuchtend und mit der Fellfarbe harmonieren (gelb, orange, grün). Bei weißen Katzen können die Augen blau oder verschiedenfarbig sein (ein blaues, ein gelbes/oranges/grünes Auge).
- Fell: Kurz, dicht, federnd, glänzend. Liegt gut am Körper an. Die Textur sollte fest sein, nicht zu weich oder „plüschig“.
Zugelassene Fellfarben
Der FIFe-Standard für die Europäisch Kurzhaar erlaubt ein breites Spektrum traditioneller „natürlicher“ Fellfarben, mit Ausnahme solcher, die auf eine Hybridisierung mit anderen Rassen hinweisen (z.B. Colourpoint). Erlaubt sind:
- Einfarbig: Schwarz, Weiß, Blau, Rot, Creme.
- Tortie (Schildpatt): Schwarz-Tortie, Blau-Tortie.
- Tabby (alle traditionellen Farben): Gestromt (classic), getigert (mackerel), getupft (spotted).
- Silber-Varianten: Silber-Tabby, Smoke.
- Mit Weiß (Bicolor): Jede der oben genannten Farben in Kombination mit Weiß (der Weißanteil kann variieren).
Unterschiede zur Britisch Kurzhaar
| Merkmal | Europäisch Kurzhaar Katze | Britisch Kurzhaar Katze |
|---|---|---|
| Körpertyp | Kräftig, muskulös, gut proportioniert, nicht cobby | Massiv, stämmig, Cobby-Typ, breite Brust |
| Kopf | Etwas länger als breit; abgerundete Konturen | Groß, rund, breiter Schädel, massive Wangen |
| Fell | Kurz, dicht, federnd, glänzend, anliegend | Kurz, sehr dicht, „plüschig“, griffige Textur, steht leicht ab |
| Gesamteindruck | Natürliche, harmonische, „arbeitende“ Katze | „Teddybär“, massiv, ruhig |

