Geschichte und Herkunft des Deutsch Langhaar
Die Geschichte des Deutsch Langhaar ist eine Geschichte der zielgerichteten deutschen Zucht, die darauf abzielte, den idealen, vielseitigen Jagdhelfer zu schaffen. Im Gegensatz zu vielen Rassen, deren Ursprünge sich im Dunkel der Geschichte verlieren, ist der Weg des Langhaar klar dokumentiert.
Die Entstehung der Rasse fällt in das Ende des 19. Jahrhunderts. Zuvor gab es in Deutschland eine Vielzahl von langhaarigen Vorstehhunden (z.B. „Wachtelhund“, „Habichtshund“), die für verschiedene Jagdarten eingesetzt wurden. Ihr Blut bildete die Grundlage für die zukünftige Rasse. Das Hauptziel der Züchter war es, in einem Hund die Fähigkeiten für die Arbeit im Feld (Suche und Vorstehen bei Vögeln), im Wald (Schweißarbeit) und auf dem Wasser (Apportieren von Wild) zu vereinen.
Die ersten Vertreter der Rasse waren recht kräftig, robust, etwas schwerfällig und sogar bärenähnlich, mit einem scharfen und harten Charakter. Sie waren hervorragende Arbeiter, aber es mangelte ihnen an Eleganz und Geschwindigkeit.
Ein Wendepunkt in der Geschichte war die Entscheidung, die Rasse zu „veredeln“. In den 1920er Jahren begannen Züchter, die Langhaars mit englischen Rassen zu kreuzen, insbesondere mit dem Gordon Setter und dem Irish Setter. Diese „Blutauffrischung“ veränderte das Exterieur radikal: Der Hund wurde leichter, feiner, erlangte eine charakteristische Eleganz in den Bewegungen und ein edleres Aussehen. Der grobe „Bär“ verwandelte sich in einen eleganten Athleten.
Als offizielles Datum für den Beginn der Reinzucht gilt das Jahr 1879. Und 1897 stellte Baron von Schorlemer den ersten detaillierten Standard für den Deutsch Langhaar auf und legte damit den Grundstein für die moderne Zucht. Interessanterweise war die Rasse damals nach Farbe getrennt. Braun-weiße und braune Hunde wurden als Deutsch Langhaar registriert, während die schwarz-weißen Hunde die Grundlage für eine andere, wenn auch sehr nahe verwandte Rasse bildeten - den Großen Münsterländer.
Moderne Züchter legen weiterhin das Hauptaugenmerk auf die jagdlichen Qualitäten der Langhaars, um sie als vielseitige Jagdhunde zu erhalten, die sich an alle Bedingungen anpassen können.
Das Erscheinungsbild: Der Rassestandard des Deutsch Langhaar

Der Deutsch Langhaar ist ein kräftiger, muskulöser, aber dennoch eleganter Hund mit fließenden Linien. Er sollte weder zu massig noch zu leicht sein. Sein Äußeres strahlt Kraft, Ausdauer und Adel aus.
- Kopf: Edel, verlängert. Der Schädel ist leicht gewölbt. Der Übergang von der Stirn zum Fang (Stop) ist sanft, nicht abrupt. Fang und Schädel sollten etwa gleich lang sein.
- Augen: Braun, vorzugsweise so dunkel wie möglich. Die Lider liegen fest an. Der Blick ist intelligent und ruhig.
- Ohren: Hängend, nicht zu tief angesetzt, leicht nach vorne gedreht. Sie sind an der Basis breit und an den Enden abgerundet, bedeckt mit langem, gewelltem Haar (Behang), das in Fransen fällt.
- Körper: Kräftig. Der Rücken ist gerade, fest, nicht zu lang. Der Widerrist ist deutlich ausgeprägt. Der Lendenbereich ist sehr muskulös. Die Brust ist tief (reicht bis zu den Ellenbogen oder etwas darunter) und geräumig, aber nicht tonnenförmig.
- Rute: Hoch angesetzt, gerade oder leicht säbelförmig. In Ruhe wird sie horizontal oder leicht gesenkt getragen. Sie ist mit langem Haar bedeckt, das eine schöne „Fahne“ bildet.
- Gliedmaßen: Gerade, parallel, mit kräftigen Knochen und gut entwickelter Muskulatur. Die Pfoten sind kompakt, geschlossen, mit dichter Behaarung zwischen den Zehen.
Fell und Farbe
Der Hauptschmuck der Rasse ist natürlich das Fell. Es sollte glatt, fest anliegend sein, mit einer guten Unterwolle, die den Hund vor schlechtem Wetter und kaltem Wasser schützt. Das Haar sollte weder zu lockig noch zottig sein.
Auf dem Rücken und an den Seiten beträgt die Haarlänge 3–5 cm. An Hals, Brust und Bauch kann es länger sein und eine „Befederung“ bilden. Am Kopf ist das Haar deutlich kürzer, aber länger als bei kurzhaarigen Vorstehhunden. Die Ohren sind mit langen Fransen bedeckt. An der Rückseite der Gliedmaßen befindet sich ebenfalls eine „Befederung“ (Hosen) und an der Rute eine prächtige Fahne.
Der FCI-Standard erlaubt mehrere Hauptfarben:
- Einfarbig Braun: Eine satte, tiefe Farbe.
- Braun mit weißen Abzeichen: Weiße Flecken auf der Brust („Stern“) und an den Pfoten sind möglich.
- Dunkelschimmel: Die Grundfarbe ist braun, aber das Haar ist stark mit weißen Haaren durchmischt.
- Hellschimmel: Die Grundfarbe ist weiß, mit dichter brauner Tüpfelung und Platten.
- Forellenschimmel (Trout roan): Viele kleine braune Flecken auf weißem Grund.

