Geschichte: das Jahr 391, die irischen Gesetze und das Ende der Jagd

Der FCI-Standard datiert die erste schriftliche Erwähnung der Rasse auf das Jahr 391 n. Chr. Gemeint ist der Brief des römischen Konsuls Quintus Aurelius Symmachus, der sich für ein Geschenk bedankte — sieben irische Hunde (im lateinischen Text canes Scotici, also Hunde der Scoti, der Iren), die in Rom für Aufsehen sorgten: ganz Rom, schreibt er, betrachte sie mit Staunen. Man hielt sie für Kämpfe gegen großes Wild in den Arenen. Eine Einschränkung gehört sofort dazu: Der Brief belegt, dass außergewöhnlich große Hunde aus Irland nach Rom gebracht wurden. Er belegt nicht, dass es sich um Wolfshunde im heutigen Sinne handelte — die Gleichsetzung der alten irischen cú mit der heutigen Rasse gehört zur Rassetradition, nicht zu einer dokumentierten Abstammung.
Aus den irischen Gesetzen, die der Christianisierung der Insel vorausgehen, stammt ein anderes und bemerkenswert konkretes Detail. Den großen irischen Hund durften nur Könige und der Adel halten, und die Zahl der Hunde hing unmittelbar vom Rang des Besitzers ab. Die filid — der Berufsstand der Sagendichter, der zum niederen Adel zählte — hatten Anspruch auf zwei Hunde. An Besitzern dieses Ranges herrschte in Irland kein Mangel: Die Insel war in Fünftel geteilt, jedes mit eigenem König, und darin zählte man rund einhundertfünfzig kleinere Königreiche. Der Hund war hier keine Laune, sondern ein normiertes Standesmerkmal — wie Waffen oder Land.
Ebenso konkret war ihre Arbeit. Der FCI-Standard formuliert es nüchtern: Bis zum Ende des 17. Jahrhunderts wurden Irische Wolfshunde in Irland zur Jagd auf Wolf, Wildschwein und Hirsch eingesetzt. Was danach kam, hat die Rasse ruiniert. Der Wolf verschwand im Lauf des 18. Jahrhunderts aus Irland, die großen Wälder wurden gerodet, und die Jagd mit schweren Windhunden verlor ihren Sinn. Eine Rasse, die man jahrhundertelang der Arbeit wegen gehalten hatte, stand ohne Arbeit da — und begann sich aufzulösen. Schon 1652 hatte Oliver Cromwell die Ausfuhr dieser Hunde aus Irland durch eine eigene Verfügung verboten, und zwar gerade deshalb, weil sie seltener wurden, während die Wölfe noch da waren: Das Verbot sollte genügend Hunde im Land halten. Anderthalb Jahrhunderte später gab es weder Wölfe noch genügend Hunde.
Was Captain Graham tatsächlich getan hat
George Augustus Graham war Schotte, 1833 geboren, und lebte in Rednock House bei Dursley in Gloucestershire. Zum Irischen Wolfshund kam er über den schottischen Deerhound: Er sammelte Deerhound-Ahnentafeln (über achthundert, veröffentlicht 1894) und interessierte sich über sie für den alten irischen Wolfshund. 1859, mit sechsundzwanzig, kaufte er seinen ersten Irish Wolfhound namens Faust — und widmete der Rasse fortan sein Leben. Er starb an einem 21. Oktober, mit sechsundsiebzig, ebendort in Rednock.
Das Wertvollste an dieser Geschichte sind Grahams eigene Worte. In seiner im August 1879 verfassten Monographie formuliert er seine Position ohne jede Romantik: Er erhebe nicht den Anspruch, die Rasse in ihrer ursprünglichen Unversehrtheit zu besitzen. Und weiter, ganz direkt zur Methode: Es sei nach seiner Überzeugung genug echtes Blut übrig, um die alte Rasse — mit Hilfe analoger Kreuzungen — in ihrer richtigen Form wieder aufzubauen. 1885 beschrieb er das Vorhaben noch offener: Die Mitglieder des Irish Wolfhound Club hofften, einen Hund zu erhalten, der Größe und Kraft der Deutschen Dogge mit Erscheinung und Schönheit des Deerhounds verbinde. Die Wiederherstellung der Rasse war also ein bewusstes Ingenieursprojekt, und ihr Urheber machte daraus kein Geheimnis.
Grundlage des Programms war der Deerhound, überwiegend der Glengarry-Linien: Graham hielt ihn für den Irischen Wolfshund in allem außer Größe und Substanz. Größe und Knochenstärke steuerte die Deutsche Dogge bei — bemerkenswerterweise verpaarte Graham selbst nie eine Dogge, nahm aber die Nachkommen solcher Kreuzungen, vor allem vom Earl of Caledon, der eine Harlekindogge namens Earl of Warwick einsetzte; außerdem führte er seine Hündinnen dem Rüden Scythian zu, einem Sohn der Dogge Cedric the Saxon. Es gab weitere Einkreuzungen, die Graham nie verschwieg: den Barsoi (die Mutter seines eigenen Rüden Keildar, geboren 1863, war teilweise Barsoi) und einen Tibet-Mastiff namens Wolf. Von diesem Tibeter und der Hündin Tara wurden am 16. Juni 1892 zwei Hündinnen geboren — Vandal und Nookoo —, die in der Ahnentafel aller heutigen Wolfshunde stehen.
Danach ging es schnell. 1879 vergab der Irish Kennel Club der Rasse auf seiner Dubliner Ausstellung erstmals eigene Klassen. 1885 wurde der Irish Wolfhound Club gegründet — die Kennel Chronicle meldete es Ende März. Im Jahr darauf verfassten Graham und Colonel J. R. Garnier den Standard of Points, den der Club annahm und der Kennel Club anerkannte. Wie dünn die Grenze zwischen den Rassen damals war, zeigen die Ausstellungskataloge: Ein Teil der Hunde, die erstmals als Irische Wolfshunde in den Ring gingen, war zuvor als Deerhound gemeldet worden, und bei einigen blieben Wurfgeschwister zeitlebens Deerhounds.
Was ändert das für den Halter? Praktisch wenig, aber Wesentliches. Der moderne Wolfshund ist eine Rasse mit sehr schmaler Basis, aus wenigen Linien innerhalb einer einzigen Züchtergeneration zusammengesetzt. Daher rühren sowohl sein Erscheinungsbild als auch ein Teil seiner medizinischen Probleme, von denen weiter unten die Rede ist.
Erscheinungsbild und Standard: Zahlen, die man für Rüde und Hündin getrennt liest

Die geltende Fassung des FCI-Standards Nr. 160 trägt das Datum 17. April 2026 und ordnet die Rasse der Gruppe 10 Windhunde, Sektion 2 Rauhaarige Windhunde, ohne Arbeitsprüfung zu. Die Beschreibung beginnt mit der Formel der größte und höchste aller Windhunde: ein rauhaariger Laufhund von großer Statur und gebieterischem Aussehen, sehr kräftig und muskulös, dabei graziös gebaut. Der Kopf ist lang und gerade und wird hoch getragen; die Ohren sind klein, rosenförmig, hoch angesetzt; die Brust sehr tief, der Bauch gut aufgezogen; der Rücken eher lang als kurz und länger als die Widerristhöhe. Die Bewegung soll leicht und aktiv sein — das ist ein Windhund, kein Schwergewicht.
| Merkmal (FCI-Standard Nr. 160) | Rüden | Hündinnen |
|---|---|---|
| Erwünschte Mindesthöhe | 79 cm | 71 cm |
| Erwartetes Mindestgewicht | 54,5 kg bei 79 cm | 40,5 kg bei 71 cm |
| Zuchtziel | mittlere Mindesthöhe von 86 cm | nicht gesondert festgelegt |
| Haar | Rau und hart an Körper, Läufen und Kopf; über den Augen und im Bart besonders drahtig | Ebenso |
| Ohren | Klein, rosenförmig, hoch angesetzt | Ebenso |
Zwei Dinge verdienen Aufmerksamkeit. Erstens: Das Gewicht ist im Standard an die Größe gebunden, und der Text hält ausdrücklich fest, dass es mit zunehmender Größe proportional steigen soll — mindestens 54,5 kg beschreibt also nicht einen ausgewachsenen Rüden von 86 cm, sondern setzt nur die Untergrenze für den kleinsten zulässigen. Zweitens: 86 cm ist kein Ideal für den einzelnen Hund, sondern ein im Standard formuliertes Zuchtziel — eine mittlere Mindesthöhe bei Rüden.
Die Farbe ist der Punkt, an dem die Standards auseinandergehen und an dem Rassetexte am häufigsten irren. Die FCI anerkennt sieben Farben: grau, gestromt, rot, schwarz, reinweiß, falb und weizenfarben. Der britische Kennel Club führt dieselben auf und ergänzt eine achte — stahlgrau — mit dem Hinweis, jede andere Farbe oder Kombination sei nicht zulässig. Weiße Abzeichen sind nach FCI nur an der Vorbrust, an den Zehen (nicht an der ganzen Pfote) und an der Rutenspitze erlaubt.
Auch die Mindestmaße gehen auseinander. Der American Kennel Club verlangt für Rüden mindestens 32 Zoll (rund 81 cm) und 120 Pfund (rund 54,4 kg), für Hündinnen 30 Zoll (rund 76 cm) und 105 Pfund (rund 47,6 kg) — er legt die Latte für Hündinnen also höher als FCI und britischer Standard. Der Satz ein Wolfshund misst ab 71 cm stimmt daher nur mit dem Zusatz, nach welchem Standard.
Ein eigener Punkt der geltenden Fassung verdient die Aufmerksamkeit derer, die einen Welpen auswählen. Der Standard sagt es ausdrücklich: Ein kleinerer und leichterer paralleler Typ, der sogenannte sportliche, wird nicht akzeptiert und entspricht dem Rassestandard nicht. Als Fehler genannt werden unter anderem eine zu schmale oder zu breite Brust, eine schwache Hinterhand und allgemeiner Mangel an Muskulatur, ein kurzer Körper, nach außen gedrehte Pfoten, große, am Kopf anliegende Ohren sowie Nase oder Lefzen in einer anderen Farbe als Schwarz. Disqualifiziert werden aggressive oder übermäßig ängstliche Hunde.


