Die Geschichte des Puli
Die Geschichte der Rasse Puli reicht Jahrhunderte zurück und ist eng mit der nomadischen Vergangenheit der ungarischen Stämme verwoben. Man geht davon aus, dass die Vorfahren der heutigen Pulis vor über tausend Jahren, etwa im 9. Jahrhundert, mit den Magyaren auf das Gebiet des heutigen Ungarns kamen. Diese Hunde waren unersetzliche Helfer der Hirten und halfen ihnen, große Schafherden in den endlosen Ebenen der Puszta zu hüten. Ihr kompakter Körperbau, ihre unglaubliche Wendigkeit und ihr lautes Bellen machten sie ideal für diese Arbeit – sie konnten leicht zwischen den Schafen manövrieren, sie lenken und vor Gefahren warnen.
Es gibt mehrere Theorien über die noch ältere Herkunft des Puli. Eine davon bringt sie mit alten asiatischen Hirtenhunden in Verbindung, vielleicht sogar mit den Vorfahren des Tibet-Terriers. Archäologische Funde belegen die Existenz von Hunden mit ähnlichem Schnürenfell in der Region schon vor der Ankunft der Magyaren. Das einzigartige Fell des Puli, das zu Schnüren verfilzt, bot hervorragenden Schutz vor rauen Wetterbedingungen – sowohl vor Kälte im Winter als auch vor Hitze im Sommer – sowie vor den Bissen von Raubtieren wie Wölfen.
Über viele Jahrhunderte hinweg arbeiteten Pulis Seite an Seite mit einer anderen berühmten ungarischen Hirtenhunderasse – dem Komondor. Die beiden Rassen hatten oft unterschiedliche Aufgaben: Der größere und kräftigere Komondor bewachte die Herde meist nachts, während der kleinere und wendigere Puli tagsüber aktiv die Herde lenkte. Manchmal nutzten die Pulis sogar die Rücken der Schafe als Brücken, um sich schnell durch die Herde zu bewegen. Interessanterweise schätzten die Hirten ihre Pulis sehr, und der Wert eines guten Arbeitshundes konnte dem Jahresgehalt eines Hirten entsprechen.
Anfang des 20. Jahrhunderts, mit dem Wandel der traditionellen Landwirtschaft und dem sinkenden Bedarf an Hirtenhunden, war die Rasse vom Aussterben bedroht. Doch dank der Bemühungen von Enthusiasten, insbesondere von Dr. Emil Raitsits, der in den 1910er Jahren ein Programm zur Wiederbelebung der Rasse startete, konnte der Puli gerettet werden. Der erste Rassestandard wurde 1915 entwickelt und 1925 vom ungarischen Hundezüchterverband offiziell anerkannt. Die Fédération Cynologique Internationale (FCI) erkannte die Rasse 1935 an. In die USA gelangten die Pulis in den 1930er Jahren, wo sie ebenfalls aufgrund ihres einzigartigen Aussehens und ihrer hervorragenden Arbeitsqualitäten an Popularität gewannen. Die Rasse wurde 1936 vom American Kennel Club (AKC) anerkannt.
In Ungarn gilt der Puli als nationales Kulturgut. Es gibt auch andere ungarische Hirtenhunde, wie den energiegeladenen Pumi, von dem angenommen wird, dass er Anteile von Puli sowie von französischen und deutschen terrierartigen Hirtenhunden in sich trägt.
Das Aussehen des Puli: Eine detaillierte Beschreibung

Der Puli ist ein mittelgroßer Hund von quadratischem Körperbau, der trotz seines relativ geringen Gewichts einen Eindruck von Kraft und Wendigkeit vermittelt. Das charakteristischste Merkmal der Rasse ist ihr einzigartiges Fell, das von Natur aus zu langen Schnüren oder Bändern verfilzt, die an Dreadlocks erinnern.
Der Kopf des Puli ist proportional zum Körper und wirkt durch das üppige Fell rund. Der Fang ist etwas kürzer als der Schädelteil und gerade. Der Stop (der Übergang von der Stirn zum Fang) ist kaum ausgeprägt. Die Nase ist schwarz. Die Augen sind mittelgroß, mandelförmig, von dunkelbrauner Farbe und haben einen lebhaften und intelligenten Ausdruck. Das Fell am Kopf ist so dicht, dass es oft die Augen vollständig verdeckt und eine Art „Vorhang“ bildet, der den Hund jedoch nicht beim Sehen behindert. Die Ohren sind V-förmig, mittelgroß, hängend und mittelhoch angesetzt.
Der Körper ist kompakt und kräftig mit einer geraden Rückenlinie. Die Brust ist tief und mäßig breit. Der Bauch ist leicht aufgezogen. Die Gliedmaßen sind gerade, parallel und gut bemuskelt. Die Pfoten sind rund, geschlossen, mit kräftigen Ballen und dunklen Krallen. Die Rute ist hoch angesetzt, normalerweise über den Rücken gerollt oder leicht gekringelt und dicht behaart, wodurch sie oft mit der allgemeinen Fellmasse auf der Kruppe verschmilzt.
Das Fell ist das Aushängeschild des Puli. Es besteht aus einer dichten, weichen Unterwolle und einem festeren, gewellten oder lockigen Deckhaar. Diese beiden Haartypen verflechten sich zu den charakteristischen Schnüren. Der Prozess der Schnürenbildung beginnt bei Welpen im Alter von etwa 6–10 Monaten und kann bis zu 2–3 Jahre dauern, bis das Fell seine volle Länge und Reife erreicht hat. Die Schnüre können dünn oder dick, flach oder rund sein. Die Felllänge kann bei erwachsenen Hunden bis zum Boden reichen. Wichtig ist, dass dieses Fell nicht im herkömmlichen Sinne haart; abgestorbene Haare bleiben in den Schnüren. Aus diesem Grund wird der Puli oft für Allergiker empfohlen, obwohl es keine hundertprozentige Hypoallergenität gibt.
Die Fellfarbe des Puli kann vielfältig sein:
- Schwarz: Die klassische und häufigste Farbe. Kann tiefschwarz sein oder durch die Sonne einen rostigen Schimmer bekommen.
- Weiß: Reinweiß, ohne Gelbstich.
- Grau (Maskos fakó): Verschiedene Grautöne, von silbrig bis dunkel. Die Welpen werden schwarz geboren und hellen mit dem Alter auf.
- Fahl (Fakó): Von cremefarben bis aprikosenfarben, oft mit einer schwarzen „Maske“ im Gesicht.
Die Haut unter dem Fell ist normalerweise dunkel, auch bei weißen Hunden. Ein ähnliches Schnürenfell hat auch der Bergamasker Hirtenhund, obwohl seine Zotten (oder genauer gesagt, Platten) eine etwas andere Struktur aufweisen.



