Der Rat Terrier ist ein amerikanischer Farmterrier, der für eine ganz bestimmte Arbeit gezüchtet wurde: Nagetiere auf dem Hof zu vernichten, im Bau ebenso wie über der Erde, und abends dennoch ein bequemer Hund im Haus zu bleiben. Er gehört zu den wenigen Rassen, deren offizieller Name das Handwerk unmittelbar benennt. Heute gibt es den Rat Terrier in zwei Größenschlägen, er besitzt zwei amerikanische Standards — den des AKC und den des UKC — und taucht in der FCI-Nomenklatur nicht auf. Im Folgenden steht, was in diesen Standards tatsächlich geschrieben steht, was den Rat Terrier vom Teddy Roosevelt Terrier und vom American Hairless Terrier trennt und welche Untersuchungen der nationale Rasseklub von seinen Züchtern verlangt. Erfahren Sie mehr auf Tvaryny.
Anerkennung: UKC, AKC und warum die FCI fehlt
Der Rat Terrier wird von zwei amerikanischen Registern geführt, und jedes ging seinen eigenen Weg.
- Der UKC (United Kennel Club) erkannte den Rat Terrier am 1. Januar 1999 an. Die geltende Fassung des Standards stammt vom 1. Januar 2004, die Rasse steht in der Terriergruppe.
- Der AKC (American Kennel Club) ging schrittweise vor: Ab dem 1. Januar 2006 wurden Rat Terrier zu den Begleithundprüfungen (Gehorsam, Agility, Rally) zugelassen; ab dem 1. September 2006 zu den Earthdog-Prüfungen; ab dem 30. Juni 2010 startete die Rasse in der Klasse Miscellaneous; im Juli 2012 wurde der Rat Terrier Club of America offizieller Rasseklub; die vollständige Anerkennung in der Terriergruppe datiert der AKC auf 2013. Der Rat Terrier ist die 178. Rasse des AKC.
- Die FCI führt den Rat Terrier nicht: In der Nomenklatur der Fédération Cynologique Internationale erscheint die Rasse weder unter den endgültig noch unter den vorläufig anerkannten. Das ist kein Urteil über die Rasse, sondern eine Folge der Struktur: AKC und UKC sind keine nationalen kynologischen Mitgliedsorganisationen der FCI.
Ein aufschlussreicher Gegensatz: Andere nationale Rattenterrier stehen sehr wohl in der FCI-Nomenklatur — der Terrier Brasileiro, der Ratonero Bodeguero Andaluz (Nr. 371), der Gos Rater Valencià (Nr. 370), der Prazsky Krysarik (Nr. 363). Es geht also nicht um eine „Geringschätzung der Rattenfänger“, sondern um die Geographie der Register. Praktische Folge für Halter in Europa: Ein Rat Terrier mit AKC- oder UKC-Papieren hat keinen Zugang zu Ausstellungen des FCI-Systems, und seine Papiere sind außerhalb der in Europa gewohnten Kette zu suchen.
Farbe: was erlaubt ist und was disqualifiziert
Die Farbe der Rat Terrier ist tatsächlich vielfältig, aber nicht unbegrenzt, und genau hier erhalten Käufer die meisten Fehlinformationen. Grundforderung des AKC: jede Variante der Schecken-Zeichnung (pied), also verhältnismäßig große Flecken einer oder mehrerer Farben in Verbindung mit Weiß. Zulässige Farben — mit oder ohne Brand — sind überwiegend Schwarz sowie Schokolade, Rot, Aprikose, Blau, Falb, Loh, Zitrone und Weiß. Sprenkelung, Ticking und Marmorierung sind üblich, wobei zu starkes Ticking unerwünscht ist; Wolfsfarbenanflug und „Bleistiftstriche“ auf den Zehen sind erlaubt, ebenso Dachsabzeichen. Eine „schwarze Maske“ bei einem Hund ohne jedes Schwarz im Fell ist ein schwerer Fehler.
Das Entscheidende zum Weiß wird genauer formuliert als in der geläufigen Wendung „Weiß ist immer die Grundfarbe“. Der Standard verlangt lediglich, dass Weiß vorhanden ist, und setzt ein Minimum: ein Fleck oder Streifen mit weißer oder rosa Haut darunter, breiter als ein Zoll (2,5 cm). Weniger als ein Zoll Weiß an der breitesten Stelle ist eine Disqualifikation. Erwünscht sind 10 bis 90 Prozent Weiß am Körper, doch alle Muster — Flecken, Platten, Spritzer — gelten gleich viel und haben keinen Vorrang voreinander. Der rein weiße „extreme Schecke“ mit lediglich gesprenkelter Haut ist gesondert vorgesehen.
Und hier die vollständige Liste der Disqualifikationen. Beim AKC: Höhe unter 10 oder über 18 Zoll bei einem Hund über sechs Monate; jedes Blau im Auge; kupierte Ohren; vollständige genetische Haarlosigkeit; jeder Anflug von gebrochenem oder welligem Haar; einfarbige Farben außer Weiß; zweifarbige ohne Weiß oder mit einem weißen Fleck unter einem Zoll; gestromte oder Merle-Zeichnung. Beim UKC ist die Liste noch länger: Kryptorchismus, Bösartigkeit oder extreme Ängstlichkeit, ein- oder beidseitige Taubheit, Albinismus, Kurzläufigkeit unter Verletzung des Verhältnisses 10:9, Hängeohren, rauhes oder gebrochenes Haar, langes Haar, Stromung, Merle, fehlendes Weiß sowie eine Zweifarbigkeit, bei der keine der Farben Weiß ist.
Merle beim Rat Terrier: warum beide Register ihn disqualifizieren
Das ist für einen künftigen Käufer wohl der wichtigste Abschnitt des ganzen Artikels. Merlefarbene Rat Terrier werden angeboten — mitunter unter Bezeichnungen wie „marmoriert“ oder „Blue Merle“ — und als Seltenheit dargestellt. Tatsächlich ist Merle in beiden Registern, die die Rasse führen, disqualifiziert: beim AKC wie beim UKC. Ein solcher Hund kann in keinem ihrer Ringe vorgeführt werden.
Der Grund ist nicht ästhetisch. Merle ist nicht bloß eine Zeichnung, sondern die Wirkung eines einzelnen Gens. 2006 zeigten Forscher der Texas A&M University, dass Merle durch die Insertion eines kurzen verstreuten Elements (eines SINE-Retrotransposons) in das Gen SILV (PMEL17) verursacht wird und autosomal mit unvollständiger Dominanz vererbt wird. Dieselbe Arbeit hält fest, dass Hunde mit einer wie mit zwei Kopien des Merle-Allels ein breites Spektrum an Hör- und Augenanomalien zeigen, vergleichbar dem Waardenburg-Syndrom beim Menschen (Clark et al., PNAS, 2006).
Wie breit, wurde 2009 gemessen. Ein Team der Louisiana State University prüfte das Gehör mittels der akustisch evozierten Hirnstammpotenziale (BAER-Test) bei 153 merlefarbenen Hunden verschiedener Rassen und glich das Ergebnis mit dem Genotyp ab.
| Genotyp | Taubheit auf einem Ohr | Taubheit auf beiden Ohren |
|---|---|---|
| Alle Merle zusammen | 4,6 % | 4,6 % |
| Einfaches Merle (Mm) | 2,7 % | 0,9 % |
| Doppeltes Merle (MM) | 10 % | 15 % |
Quelle: Strain et al., Journal of Veterinary Internal Medicine, 2009. Der Unterschied zwischen den Zeilen ist statistisch signifikant: Hunde, die für das Merle-Allel homozygot waren, waren signifikant häufiger taub als heterozygote. Ein Zusammenhang mit Geschlecht oder Augenfarbe wurde in dieser Arbeit nicht gefunden.
Doppeltes Merle entsteht in einem einzigen Fall — wenn zwei merlefarbene Hunde verpaart werden. Nach der gewöhnlichen mendelschen Aufspaltung trägt ein Viertel eines solchen Wurfes zwei Kopien des Allels. Für den Käufer folgt daraus eine einfache Regel: Bietet ein Züchter einen merlefarbenen Rat Terrier an, haben Sie es mit einem Hund außerhalb des Standards beider Register zu tun; steht im Pedigree eine Verpaarung „Merle auf Merle“, sollte man für jeden Welpen das Ergebnis des BAER-Tests verlangen. Nicht zufällig führt der Rat Terrier Club of America den BAER-Test in seiner Liste der ergänzenden Untersuchungen, und der UKC geht so weit, ein- und beidseitige Taubheit den Disqualifikationen zuzuordnen.
Vergleich des Rat Terriers mit ähnlichen Rassen

Künftige Halter schwanken oft zwischen mehreren Terrierrassen. Um die Wahl zu erleichtern, lohnt es sich, die wesentlichen Unterschiede zu kennen. Vergleicht man etwa mit einem beliebten Verwandten, so ist der Jack Russell Terrier in der Regel drängender und lauter und verlangt noch mehr Erfahrung in der Erziehung, während der Rat Terrier ein etwas weicheres Wesen hat — und, anders als eine Reihe von Terriern, als Non-Sparring-Rasse gilt.
Der Teddy Roosevelt Terrier: keine „Varietät“, sondern eine eigene Rasse
Hier ist die Verwirrung am größten, und sie hat eine belegte Erklärung. Nach dem historischen Abriss des AKC war der Teddy Roosevelt Terrier zunächst eine Varietät des Rat Terriers: Die kurzläufigen Hunde nannte man „Typ B“, die hochläufigen „Typ A“. In den 1990er-Jahren arbeiteten Züchter daran, sie in zwei Rassen zu trennen, und am 1. Januar 1999 erkannte der UKC beide an — am selben Tag. Die kurzläufige Varietät wurde zu Ehren von Präsident Theodore Roosevelt benannt.
Die praktische Folge dieser Trennung steht direkt im Standard: Der UKC disqualifiziert einen kurzläufigen Rat Terrier, dessen Proportionen deutlich vom Verhältnis 10:9 abweichen. Ein „kurzläufiger Rat Terrier“ existiert im UKC-System also nicht als Variante — er ist bereits eine andere Rasse. Und die Unterschiede gehen weiter.
| Merkmal | Rat Terrier | Teddy Roosevelt Terrier |
|---|---|---|
| Format | Verhältnis Körper zu Höhe 10:9; Kurzläufigkeit ist beim UKC eine Disqualifikation | Kurzläufig, rechteckiges Format — genau das ist das Rassekennzeichen |
| Höhe nach UKC | Miniature bis 13 Zoll, Standard 13–18 Zoll | Von 8 bis 12 Zoll (20,3–30,5 cm); Fehler unter 7 oder über 13 Zoll beim erwachsenen Hund |
| Status beim AKC | Vollständige Anerkennung, Terriergruppe, 2013 | Foundation Stock Service seit August 2016, Zuordnung zur Terriergruppe; Earthdog-Prüfungen seit dem 8. August 2016 |
| Vom AKC empfohlene Tests | Knie, Hüften, Herz, DNA auf PLL | Knie, Herz, DNA auf PLL, DNA auf Chondrodystrophie |
| Merle | Disqualifikation beim AKC und beim UKC | Disqualifikation beim UKC |
Die interessanteste Zeile dieser Tabelle ist der letzte Test. Chondrodystrophie, also die Verkürzung der Gliedmaßen, wird beim Hund von einem FGF4-Retrogen auf Chromosom 12 bestimmt. In der Arbeit von Brown et al. (PNAS, 2017) liefert dasselbe Retrogen ein Chancenverhältnis von 51,23 (95-%-Konfidenzintervall 46,69–56,20) für die Bandscheibenerkrankung. Einfach gesagt: Das Merkmal, das den Teddy kurzläufig macht, und das Merkmal, das das Risiko für Rückenprobleme erhöht, sind ein und dasselbe genetische Ereignis. Beim Rat Terrier steht CDDY/IVDD auf der Klubliste „selten, aber im Auge zu behalten“; beim Teddy führt der AKC den entsprechenden DNA-Test bereits unter den Empfehlungen. Der UKC-Standard des Teddy (Fassung vom 2. Januar 2023) ergänzt zwei Angaben: Die Rasse reift langsam, bis zum zweiten oder dritten Lebensjahr, und die erwartete Lebensdauer gibt der Standard mit 15–16 Jahren an.
Der Toy Fox Terrier: ein gemeinsamer Vorfahr, keine Abstammung
Ein weiterer naher Verwandter ist der Toy Fox Terrier. Die verbreitete Behauptung, der Toy Fox Terrier habe sich „als kleinere, dekorative Version von den Rat Terriern abgespalten“, deckt sich nicht damit, wie der AKC selbst die Herkunft der Rasse beschreibt. Danach schufen amerikanische Züchter von Glatthaar-Foxterriern den Toy Fox Terrier zu Beginn des 20. Jahrhunderts, indem sie die kleinsten Welpen mit Zwergrassen kreuzten — Chihuahua, Italienisches Windspiel, Zwergpinscher; die Rasse wurde in den 1930er-Jahren gefestigt, und 2003 erkannte der AKC sie als seine 148. Rasse in der Toy-Gruppe an. Einen gemeinsamen Vorfahren haben Rat Terrier und Toy Fox Terrier tatsächlich — den Glatthaar-Foxterrier —, aber ein gemeinsamer Vorfahr ist keine Abstammung der einen Rasse von der anderen.
Was sie wirklich teilen, ist die Genetik des Auges. In der bereits genannten Arbeit von Gould et al. (2011) stehen Rat Terrier wie Toy Fox Terrier unter den Rassen, in denen homozygote, klinisch an PLL erkrankte Hunde mit derselben ADAMTS17-Mutation gefunden wurden. Und in den AKC-Empfehlungen für den Toy Fox Terrier steht der DNA-Test auf PLL ebenfalls — neben Knien und Schilddrüse.
Der American Hairless Terrier: hier ist die Abstammung unmittelbar
Erwähnenswert ist auch der American Hairless Terrier. Diese Rasse ist tatsächlich aus Rat Terriern hervorgegangen, und das Ereignis ist auf Jahr und Ortschaft genau belegt. 1972 wurde in Trout, Louisiana, in einem Wurf mittelgroßer Rat Terrier von normal behaarten Eltern ein haarloser Welpe geboren. Das Ehepaar Edwin und Willie Scott nannte die Hündin Josephine; aus ihr und ihren Nachkommen entstand eine eigene Rasse. Der AKC trug den American Hairless Terrier im Oktober 2011 in den Foundation Stock Service ein, die vollständige Anerkennung folgte im Januar 2016.
Zwei Punkte sollte man kennen, bevor man die haarlose Variante als „Rat Terrier für Allergiker“ betrachtet. Erstens kommen haarlose Welpen mit einem sogenannten Geburtsflaum zur Welt, der nach wenigen Wochen ausfällt. Zweitens ordnet der AKC die Rasse zwar den Hunden für Allergiker zu, stellt aber selbst klar: Sie haaren nicht und bekommen keine Flöhe, dafür stoßen sie Hautschuppen ab. Das Fehlen des Haarkleides beseitigt also nicht alle Allergenquellen, und die Entscheidung prüft man besser in der Praxis als anhand einer Kategorie im Nachschlagewerk. Die spiegelbildliche Einzelheit auf Seiten des Rat Terriers: Sein eigener AKC-Standard ordnet vollständige genetische Haarlosigkeit den Disqualifikationen zu — ein haarloser Welpe in einem Rat-Terrier-Wurf steht damit definitionsgemäß außerhalb des Standards seiner eigenen Rasse.
| Eigenschaft | Rat Terrier | Jack Russell Terrier | Toy Fox Terrier |
|---|---|---|---|
| Energieniveau | Hoch, aber steuerbar | Sehr hoch, explosiv | Mittel/Hoch |
| Verhalten gegenüber Fremden | Zurückhaltend | Freundlich oder aggressiv | Freundlich |
| Neigung zum Bellen | Mäßig | Hoch | Hoch |
| Trainingsbedarf | Mittel | Sehr hoch | Mittel |
| DNA-Test auf PLL in den AKC-Empfehlungen | Ja | Ja (der AKC führt ihn für den Russell Terrier; der Jack Russell ist eine der drei Rassen, in denen die ADAMTS17-Mutation zuerst beschrieben wurde) | Ja |
Interessante Fakten über die Rasse
- Prominente Halter: Neben Theodore Roosevelt zählten der Schriftsteller William Faulkner und viele Hollywoodstars des vorigen Jahrhunderts zu den Bewunderern der Rasse.
- Angeborene Stummelruten: Der AKC-Standard erkennt die von Natur aus kurze Rute gleichrangig mit der kupierten und der natürlich langen an, und die Rutenlänge spielt bei der Bewertung keine Rolle.
- Ehrenvolle Narben sind kein Fehler: Der Standard erlaubt ausdrücklich Narben und sogar ein paar abgebrochene oder fehlende Fang- oder Schneidezähne — Spuren einer Arbeitsvergangenheit.
- Stammrasse: Vom Rat Terrier stammt der American Hairless Terrier ab — die einzige haarlose Rasse, die in den USA entstanden ist.
