Ein „in Fell gewickeltes Herz“: treu, klug, feinfühlig und unermüdlich. Der Briard ist ein alter französischer Hütehund mit prachtvollem welligem Fell und doppelten Afterkrallen; er bindet sich tief an die Familie, lernt gut, braucht aber Arbeit, Grooming und einen sicheren Halter.
Der Briard, auch Berger de Brie genannt, ist ein französischer Hütehund, den der FCI-Standard Nr. 113 betont nüchtern beschreibt: «chien de berger et de garde», Hüte- und Wachhund, Gruppe 1, Sektion 1, mit Arbeitsprüfung. Alles Übrige — das lange gewellte Haar, der Bart, die Augenbrauen, der Stirnschopf — sitzt auf dem Gerüst eines Bauernhundes. Zwei Eigenheiten teilt diese Rasse mit fast keiner anderen: eine anatomische Forderung, deren Fehlen einen Hund von der Zucht ausschließt, und eine Rolle in der Medizingeschichte, die ihren Namen in die Literaturverzeichnisse der Augenärzte gebracht hat. Beides — und alles Weitere — sehen wir uns hier auf Tvaryny an.
Der Briard: Ein kurzer Überblick über die Rasse
Der Briard: Ein kurzer Überblick über die Rasse · 10
Merkmal
Angabe
Herkunft
Frankreich
FCI-Klassifikation
Standard Nr. 113, Gruppe 1 (Hütehunde und Treibhunde, ausgenommen Schweizer Sennenhunde), Sektion 1 (Schäferhunde), mit Arbeitsprüfung
Gültige Fassung des Standards
Veröffentlicht am 04.11.2008; FCI-Ausgabe vom 23.01.2009
Verwendung laut Standard
Hüte- und Wachhund
Widerristhöhe (FCI Nr. 113)
Rüden 62–68 cm, Hündinnen 56–64 cm. Abweichung über die Toleranz von +2 cm bzw. −1 cm hinaus: ausschließender Fehler
Gewicht
Der FCI-Standard Nr. 113 normiert die Höhe, nicht die Masse: Gewichtsangaben enthält er überhaupt nicht
Haar (FCI Nr. 113)
Geschmeidig, lang, trocken («Ziegenhaar»), mit leichter Unterwolle; kürzer als 7 cm, weich oder wollig: schwerer Fehler
Farben (FCI Nr. 113)
Schwarz, falb, falb mit Kohlenanflug (leicht bis mittelstark), oft mit Maske, grau, blau
Hinterhand
Doppelte Afterkralle vorgeschrieben; einfache Afterkralle oder deren völliges Fehlen: Disqualifikation
Wesen laut Standard
Ausgeglichen, «weder aggressiv noch ängstlich»; Charakter «klug und mutig»
Was hinter dieser Tabelle steckt, entfaltet der folgende Text: woher die Rasse kommt, wozu sie eine sechste Zehe braucht, was Zuchtvereine in den einzelnen Ländern tatsächlich verlangen — und wie der Briard in die Medizingeschichte geraten ist.
Was man den Züchter fragt: Was die Regeln nicht verlangen
Interessante Fakten über Briards
Die Rasse kam über die Agronomie in die Schrift. Der Name «chien de Brie» ist erstmals 1809 im Cours complet d'agriculture des Abbé Rozier belegt — darauf verweist der FCI-Standard Nr. 113 selbst.
Die militärische Vergangenheit steht im gültigen Standard. Die FCI hält fest, dass die französische Armee die Rasse in beiden Weltkriegen einsetzte — als Wachhund und als Sanitätshund, der Verwundete suchte.
Die doppelte Afterkralle ist eine mit Ausschluss bewehrte Forderung. Eine einfache Afterkralle oder ihr völliges Fehlen an der Hinterhand nimmt den Hund aus der Zucht; der Standard führt die Regel auf die Tradition der Schäfer zurück.
Der Briard ist die Modellrasse der Gentherapie am Auge. Die RPE65-Mutation wurde 1999 bei Briards beschrieben, die Wiederherstellung des Sehvermögens an diesem Modell 2001 in Nature Genetics veröffentlicht, und 2017 ließ die FDA eine Gentherapie für Menschen mit biallelischen RPE65-Mutationen zu.
Eine Hündin bei Jefferson. Im Oktober 1789 erwarb Thomas Jefferson in Le Havre die tragende Hündin Bergère; die Welpen kamen an Bord zur Welt, und Anfang 1790 waren die Hunde in Monticello. Lafayette schickte ihm später ein weiteres Paar.
Das Haar ist nach Textur normiert, nicht nur nach Länge. Weiches oder wolliges Haar ist ein schwerer Fehler — gleichrangig mit Haar unter 7 cm.
«Ein Herz, in Fell gewickelt» — der traditionelle Beiname der Rasse, ein Hinweis auf ihre Anhänglichkeit.
Kein Anfängerhund. Selbstständiger Charakter, Arbeitsbedarf und aufwendige Fellpflege machen den Briard zur Rasse für Halter mit Zeit und Erfahrung.
Die doppelte Afterkralle: Anatomie, ins Reglement geschrieben
Rassestandards verlangen sonst Proportionen, Winkelungen, Farbe und Typ. Der Briard ist einer der seltenen Fälle, in denen der Standard das Vorhandensein einer bestimmten anatomischen Struktur fordert und ihr Fehlen nicht mit einer schlechteren Note, sondern mit dem Ausschluss ahndet.
Die Formulierung des FCI-Standards Nr. 113 im Abschnitt Hinterhand lautet: «Afterkrallen: Aus Tradition haben die Schäfer auf der Erhaltung der doppelten Afterkralle bestanden. Die Afterkrallen bilden gut getrennte „Daumen“ mit Krallen, ziemlich nahe an der Pfote.» Und unter den ausschließenden Fehlern steht eine unmissverständliche Zeile: «einfache Afterkralle oder völliges Fehlen der Afterkrallen an der Hinterhand».
Bemerkenswert ist, wie der Standard die Forderung sich selbst erklärt. Er beruft sich nicht auf die Biomechanik, sondern schreibt «par tradition» — aus Tradition, weil die Schäfer an diesem Merkmal festhielten. Die verbreitete Deutung, die doppelte Afterkralle habe dem Hund geholfen, sich an Hängen im Boden festzukrallen, kursiert in der Rasseliteratur und in älteren französischen Fassungen des Standards; der gültige FCI-Text nennt als Grund ausdrücklich die Zuchttradition. Das ist ehrlicher und, bei Licht besehen, interessanter: ein Merkmal, das eine Züchtergemeinschaft bewusst als Erkennungszeichen bewahrt hat — und so streng verankert, dass ein Hund ohne dieses Merkmal aus der Zucht fällt.
Was heißt das in der Praxis?
Der Welpe wird darauf schon in den ersten Tagen untersucht. Doppelte Afterkrallen müssen an beiden Hinterläufen vorhanden sein, gut getrennt, mit Krallen. Ein Züchter kennt den Zustand der Afterkrallen jedes Wurfwelpen — das ist die erste Frage, die er ohne Zögern beantworten muss.
Sie werden nicht entfernt. Bei Rassen, in denen die Afterkralle als Rudiment gilt, nimmt man sie mitunter in den ersten Lebenstagen ab. Beim Briard bedeutet die Entfernung, dass der Hund dem Standard nicht mehr entspricht.
Die Krallen brauchen gesonderte Aufmerksamkeit. Die Afterkralle berührt den Boden nicht, ihre Krallen nutzen sich in der Bewegung also nicht ab — sie wachsen im Kreis und können in die Haut einwachsen. Praktische Pflegeanleitungen zur Rasse warnen ausdrücklich davor: Die Krallen der Afterzehen wachsen ringförmig und müssen regelmäßig gekürzt werden. Hinzu kommt, dass das lange Haar sowohl die Zehe als auch das Problem verdeckt; beim Auskämmen der Hinterhand sucht man sie gezielt mit der Hand.
Es ist eine empfindliche Stelle. Eine abstehende Zehe mit langer Kralle bleibt hängen — am Teppich, im hohen Gras, im Maschendraht. Nach einem Ausflug ins Unterholz die Hinterhand zu kontrollieren, ist eine vernünftige Gewohnheit.
Fellpflege beim Briard: Wie es tatsächlich gemacht wird
Der Schlüssel zur Pflege liegt im Aufbau des Haares. Es ist lang, trocken, vom «Ziegen»-Typ, die Unterwolle ist leicht, und das Haar wächst ständig nach wie Menschenhaar. Totes Haar fällt nicht zu Boden — es bleibt im Fell. Daher das Paradox der Rasse: Regelmäßig gebürstet, hinterlässt ein Briard kaum Haare in der Wohnung; vernachlässigt, verfilzt er zu einer dichten Platte, die nur noch die Schermaschine löst.
Die Grundtechnik heißt Line Brushing, Bürsten in Linien. Man arbeitet nicht an der Oberfläche, sondern in Schichten: Auf einem Abschnitt wird das Haar hochgenommen und festgehalten, dann mit der Bürste in feinen Strähnen nach unten gelegt — von unten beginnend, vom Fuß her, und die Trennlinie wandert allmählich höher. Jeder Durchgang gibt eine neue Strähne frei. So sieht man den Scheitel bis auf die Haut und weiß, dass eine ganze Schicht wirklich durchgearbeitet und nicht nur oben geglättet wurde.
Die Reihenfolge der Werkzeuge zählt mehr als die Werkzeuge selbst. Zuerst die Bürste, dann der Kamm — und nie umgekehrt: Über ungebürstetes Haar gezogen, reißt und bricht der Kamm das Haar. Der Kamm ist hier der Prüfer: Läuft er frei bis auf die Haut, ist die Stelle fertig. Grundausstattung: ein Pin Brush mit langen Stiften, ein Metallkamm mit grober und feiner Seite und ein separater langzinkiger Kamm zur Kontrolle.
Die Regel, die das Fell rettet: einen verfilzten Hund nicht baden. Wasser zieht einen beginnenden Knoten zu einem festen Klumpen zusammen, der sich danach kaum noch öffnen lässt. Die Reihenfolge ist immer dieselbe: erst vollständig auskämmen, dann baden.
Häufigkeit: beim erwachsenen Hund 2–3 Mal pro Woche, jeweils eine gute Stunde bis anderthalb, am ganzen Körper. Den Welpen gewöhnt man von den ersten Wochen an in kurzen Einheiten daran: Ruhig auf der Seite zu liegen spart später Hunderte Stunden.
Zuerst verfilzende Stellen: hinter den Ohren, die Krause unter dem Halsband, die Achseln, Leiste und Innenschenkel, die «Hosen» und der Bereich um die Afterkrallen. Das sind die Zonen von Reibung und Feuchtigkeit.
Baden: nach Verschmutzung, mit Shampoo für langes Haar, unbedingt mit Spülung und gründlichem Ausspülen. Mit kühler Luft föhnen und dabei durchbürsten: Trocknet langes Haar unter dem eigenen Gewicht von allein, entstehen neue Knoten.
Schur: Ein Briard wird in der Regel nicht geschoren — die Haarlänge ist im Standard normiert. Hygienisch gekürzt wird zwischen den Ballen, um Genitalien und After; die Pfote wird rund ausgeschnitten, damit sie nicht zum «Schneeschuh» wird.
Stirnschopf: Der Standard sieht Kopfhaar vor, das die Augen leicht verschleiert. Manche Halter kürzen das Haar zwischen den Augen etwas oder nehmen den Schopf bei Hitze und bei der Arbeit mit einer Klammer hoch.
Krallen: gesondert und unbedingt die der Afterzehen, die sich nicht abnutzen und ringförmig wachsen.
Die beim Kämmen anfallende Unterwolle lässt sich übrigens verspinnen: Man gewinnt daraus Garn — das gab es sowohl in Rassekreisen als auch im häuslichen Handwerk. Ein Haarkleid mit vergleichbarem Aufwand trägt der Bearded Collie, und die Pflegelogik ist dort dieselbe: in Schichten, Bürste vor Kamm, regelmäßig.
Ernährung
Fütterung von Briards: Wichtige Empfehlungen
Gesundheit und Risiken
Gesundheit des Briards: Was in der Literatur steht
Häufig gestellte Fragen zur Rasse Briard (FAQ) · 8
Was sind doppelte Afterkrallen, und darf man sie entfernen? Es sind zwei gut getrennte «Daumen» mit Krallen an der Hinterhand. Der FCI-Standard Nr. 113 verlangt ihr Vorhandensein und zählt eine einfache Afterkralle oder das völlige Fehlen der Afterkrallen zu den ausschließenden Fehlern. Beim Briard werden sie nicht entfernt: Der Hund entspräche dem Standard dann nicht mehr.
Welche Untersuchungen sollten die Eltern eines Welpen haben? Mindestens: den CSNB-/RPE65-DNA-Status beider Elterntiere mit Laborbefund, eine Hüftbeurteilung nach einem der anerkannten Verfahren (A/B nach FCI, BVA/KC, OFA, PennHIP) und eine aktuelle Augenuntersuchung. Beachten Sie: In verschiedenen Ländern können diese Untersuchungen Empfehlungen und keine Bedingung für die Verpaarung sein — die Unterlagen müssen Sie selbst erfragen.
Haaren Briards stark? Totes Haar bleibt im Fell, statt auszufallen; bei Bürsten 2–3 Mal pro Woche liegt daher wenig Haar in der Wohnung. Die Kehrseite: Ohne regelmäßige Pflege verfilzt eben dieses Haar.
Stimmt es, dass die «stationäre Nachtblindheit» nicht fortschreitet? Der Name ist historisch. Die Originalpublikation von 1999 beschreibt die Netzhautdystrophie beim Briard als früh beginnend und fortschreitend, und die spätere Literatur verwendet den Begriff «erbliche Netzhautdystrophie». Das Wort «stationär» stammt aus den ersten klinischen Beschreibungen.
Eignet sich ein Briard für die Wohnung? Ja, sofern der Hund täglich mehrere Stunden körperliche und geistige Arbeit bekommt und nicht lange allein bleibt. Begrenzend ist nicht die Wohnfläche, sondern die Lebensweise des Halters.
Versteht sich der Briard mit Kindern? In der Regel ja, besonders wenn er mit ihnen aufgewachsen ist. Wegen seiner Größe und des Hüteinstinkts — er kann ein laufendes Kind mit dem Körper schieben — finden Spiele unter Aufsicht Erwachsener statt.
Ist der Briard aggressiv gegenüber Fremden? Der Standard verlangt ein ausgeglichenes Wesen, «weder aggressiv noch ängstlich», und zählt Aggressivität wie Ängstlichkeit zu den ausschließenden Fehlern. Die normale Reaktion eines Briards auf einen Fremden ist zurückhaltende Einschätzung — weder Angriff noch Flucht.
Wie viel Auslastung braucht ein Briard? Lange Spaziergänge, freies Laufen und regelmäßige Beschäftigung — Agility, Obedience, Sucharbeit oder Herdenarbeit. Die Rasse ist bei der FCI als Arbeitsrasse mit Arbeitsprüfung geführt, und das schlägt sich in ihren Ansprüchen nieder.
Video über die Rasse
Häufige Fragen
Warum wird der Briard „ein in Fell gewickeltes Herz“ genannt?
Ein bekannter Ausspruch über die Rasse — unter dem prachtvollen Fell verbirgt sich ein außerordentlich treues, feinfühliges und menschenbezogenes Wesen.
Braucht das Fell des Briards viel Pflege?
Ja — das lange wellige Fell braucht häufiges und gründliches Kämmen, damit es nicht verfilzt.
Was sind die doppelten Afterkrallen des Briards?
Ein Rassemerkmal — doppelte Wolfskrallen an den Hinterläufen, eine Standardforderung; eine historische Spur der Arbeitsvergangenheit der Rasse.