Die Geschichte der Rasse: Vom „Terrier“ zum „Toy“

Die Entstehungsgeschichte dieser Rasse liest sich wie ein spannender Krimi. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war der English Toy Terrier eine der beliebtesten Zierhunderassen im Russischen Kaiserreich. Doch die Oktoberrevolution und die folgenden sozialen Umwälzungen führten fast zum völligen Aussterben dieser Hunde, da sie als Relikt der „bürgerlichen Vergangenheit“ galten. Erst Mitte der 50er Jahre begann eine Gruppe von Kynologen-Enthusiasten in Moskau mit der Wiederherstellung des Bestands.
Durch den „Eisernen Vorhang“ hatten die sowjetischen Züchter keinen Zugang zu reinrassigen Zuchttieren aus England. Daher mussten sie mit den verbliebenen Hunden arbeiten, oft unbekannter Herkunft, und selektierten diese lediglich nach dem Phänotyp (äußere Merkmale). Dies führte dazu, dass sich die gezüchteten Hunde deutlich vom klassischen English Toy Terrier zu unterscheiden begannen. So formte sich eine neue Rasse.
Es mag seltsam klingen, aber der erste Welpe, der zum Stammvater der langhaarigen Varietät wurde, kam 1958 in einer Familie von zwei Elternteilen zur Welt, die eigentlich als Russischer Toy Kurzhaar klassifiziert waren. Der Welpe namens Chikki hatte für die damalige Zeit ungewöhnlich lange Haarsträhnen an Ohren und Gliedmaßen. Die Moskauer Kynologin Jewgenija Scharowa bemerkte diese Mutation und beschloss, sie zu festigen. Durch die Kreuzung von Chikki mit einer Hündin, die ebenfalls längeres Fell hatte, erhielt man Nachkommen mit einzigartigem Aussehen. Lange Zeit hieß die Rasse „Moskauer Langhaar-Toy-Terrier“.
Erst im Jahr 2006 erkannte die Fédération Cynologique Internationale (FCI) die Rasse vorläufig und später endgültig unter dem Namen „Russischer Toy“ an, wobei die kurzhaarigen und langhaarigen Varietäten vereint wurden. Das Wort „Terrier“ wurde aus dem Namen gestrichen, da diese Hunde genetisch und vom Verhalten her eher Gesellschaftshunden ähneln, auch wenn sie sich einen Funken des Terrier-Temperaments bewahrt haben.


