Russischer Toy (Glatthaar)

By tvaryny
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Der glatthaarige Russische Toy (Smooth Haired Russian Toy) ist nicht einfach nur ein „Taschenhund“, sondern eine echte Persönlichkeit mit großem Herz und dem typischen Terrier-Charakter. Er stellt gewisse Ansprüche an seine Haltung, dafür sparen Sie mit ihm Zeit bei den Spaziergängen. Dieser lustige, großohrige Knirps kann extrem quirlig sein und wird liebend gern mit Ihnen spielen. Gewöhnen Sie ihn konsequent an die Regeln in Ihrem Haus – dem Toy-Terrier mangelt es nicht an Intelligenz und er versteht seinen Besitzer bestens. Mehr dazu erfahren Sie auf Tvaryny.

Russischer Toy (Glatthaar): Ein kurzer Rasseüberblick

HerkunftslandRussland
Erste Erwähnung / Standard1920er Jahre (Wiederaufbau in den 1950ern, FCI-Anerkennung 2006/2017)
FCI-GruppeGruppe 9 (Gesellschafts- und Begleithunde), Sektion 9 (Kontinentale Zwergspaniel und Russische Toys)
Lebenserwartung12-15 Jahre (manche werden 17-18)
Widerristhöhe20-28 cm (Toleranz +/- 1 cm)
GewichtVon 0,9 kg bis 3 kg (Idealggewicht – 2,3 kg)
FelltypKurz, eng anliegend, ohne Unterwolle

Die Geschichte der Rasse: Vom englischen Aristokraten zum sowjetischen Phänomen

Die Geschichte dieser Rasse liest sich wie ein spannender Krimi, in dem sich Politik, Mode und der Enthusiasmus einzelner Kynologen verflechten. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war der English Toy Terrier eine der beliebtesten Zierhunderassen im Russischen Kaiserreich. Diese winzigen Hunde schmückten die Salons des Adels und galten als Symbol für Wohlstand. Nach der Oktoberrevolution änderte sich die Lage jedoch drastisch. Hunde der „Bourgeoisie“ waren unerwünscht, ihre Zucht wurde eingestellt und der Bestand schrumpfte kritisch. Die meisten reinrassigen Exemplare starben oder vermischten sich mit Straßenhunden.

Die Wiedergeburt begann erst Mitte der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts. Eine Gruppe sowjetischer Kynologen in Moskau beschloss, die Population der Toy-Terrier wiederherzustellen. Doch durch den „Eisernen Vorhang“ war der Zugang zu reinrassigen Zuchttieren aus England versperrt. Man musste mit dem arbeiten, was vorhanden war – Hunde, die dem originalen English Toy nur phänotypisch ähnelten. Als Ergebnis der Selektion, die oft den Standards des englischen „Urvaters“ widersprach, formte sich ein völlig neuer Hundetyp. Die spezifischen Unterschiede im Erscheinungsbild verfestigten sich über die Jahre.

Im Jahr 1958 wurde aus der Kreuzung zweier glatthaariger Hunde ein Welpe mit langen Fransen an Ohren und Gliedmaßen geboren. Dies markierte den Beginn des Zweigs des Russischen Toy-Terriers (Langhaar), der sich heute parallel zur glatthaarigen Varietät entwickelt. Beide Typen wurden unter dem gemeinsamen Namen „Russischer Toy“ vereint und erhielten erst 2006 die offizielle, wenn auch vorläufige, Anerkennung der Fédération Cynologique Internationale (FCI). Die volle Anerkennung folgte 2017, was der Rasse die Türen zu den größten Weltausstellungen öffnete.

Wie sieht der Russische Toy (Glatthaar) aus: Detaillierte Beschreibung

Der glatthaarige Russische Toy ist ein eleganter, hochbeiniger Hund mit feinem Knochenbau und trockener Muskulatur. Im Gegensatz zum stämmigeren Boston Terrier wirkt der Russische Toy wie eine filigrane Porzellanfigur. Es ist wichtig zu verstehen, dass diese Zierlichkeit ein Rassemerkmal und kein Mangel ist, sie bringt jedoch gewisse Einschränkungen für den Lebensstil mit sich.

Kopf und Schnauze

Der Kopf ist im Vergleich zum Körper klein. Der Schädel ist hoch, aber nicht zu breit, mit einem deutlich ausgeprägten Übergang von der Stirn zur Schnauze (Stop). Die Schnauze ist trocken, spitz zulaufend und etwas kürzer als der Schädelteil. Die Lippen sind dünn, liegen eng an und sind dunkel oder passend zur Fellfarbe pigmentiert.

Die Augen sind der Spiegel der Seele des Toys. Sie sind recht groß, rund, leicht gewölbt, weit auseinanderliegend und blicken geradeaus. Die Augenfarbe ist meist dunkel, obwohl bei Hunden mit brauner oder blauer Fellfarbe hellere Nuancen zulässig sind. Die Ohren sind das Markenzeichen der Rasse: groß, dünn, hoch angesetzt und stehend, in der Form einem gleichschenkligen Dreieck ähnelnd. Bei Erregung sind sie nach vorne gerichtet wie Radarschirme.

Körper und Gliedmaßen

Der Hals ist lang, trocken, hoch getragen und schön geschwungen, was dem Hund ein stolzes Aussehen verleiht. Der Rücken ist kräftig und gerade, die Lenden kurz und leicht gewölbt. Der Brustkorb ist tief, aber nicht breit, oval geformt und reicht bis zu den Ellbogen. Der Bauch ist aufgezogen und bildet eine schöne Leistenlinie.

Die Gliedmaßen sind hoch, gerade und parallel. Genau diese langen Beine unterscheiden den Russischen Toy von vielen anderen Zierrassen, etwa vom bodenständigeren Kromfohrländer (obwohl dies Rassen unterschiedlicher Gewichtsklassen sind, ist der Proportionsvergleich interessant). Die Pfoten sind klein, oval, die Zehen eng geschlossen („Katzenpfote“). Die Rute kann kupiert (man lässt 2-3 Wirbel stehen) oder natürlich belassen sein (säbelförmig), wobei der Hund sie hoch trägt.

Fell und Farbe

Bei der glatthaarigen Varietät ist das Fell kurz, eng anliegend, glänzend, ohne Unterwolle und kahle Stellen. Es fühlt sich an wie Satin. Der Standart sieht vielfältige Farben vor, was die Welpenwahl noch interessanter macht:

  • Schwarz mit Loh (am häufigsten und klassisch);
  • Braun mit Loh (Schokolade);
  • Blau mit Loh (selten und effektvoll);
  • Lilac mit Loh;
  • Rot in jeder Nuance (mit oder ohne schwarzem oder braunem Anflug);
  • Falbfarben (Creme).

Charakter: Temperament und Verhalten

Lassen Sie sich nicht von der Größe täuschen – in diesem Winzling lebt der Geist eines großen Wachhundes. Der glatthaarige Russische Toy besitzt ein extrem aktives Temperament. Er ist ein Choleriker in Reinform: Die Reaktionen sind blitzschnell, die Aufmerksamkeit wechselt rasant. Vergleicht man ihn mit seinem populären Verwandten, so ist der Russische Toy oft emotionaler und „lautstarker“ als der Chihuahua, der sich mitunter etwas gesetzter verhalten kann.

Die wichtigsten Charaktereigenschaften:

  • Treue: Sie wählen sich einen Hauptbesitzer aus, lieben aber alle Familienmitglieder. Der Hund wird Ihnen wie ein „Schatten“ durch die ganze Wohnung folgen.
  • Mut: Der Toy ist sich seiner Größe nicht bewusst. Er zögert nicht, sein Herrchen selbst vor einem Schäferhund zu verteidigen, daher ist bei Spaziergängen Wachsamkeit geboten.
  • Verspieltheit: Die Energie sprudelt nur so über. Sie sind bereit, Bällen hinterherzujagen, Laserpointer zu fangen (Vorsicht mit den Augen!) oder einfach im Kreis durchs Zimmer zu flitzen („Zoomies“).
  • Ängstlichkeit: Aufgrund ihrer feinen seelischen Organisation können diese Hunde anfällig für Stress sein. Laute Geräusche, Schreie oder Feuerwerk können das Tier stark erschrecken und Zittern auslösen.

Dieser Hund eignet sich ideal für aktive Menschen, die einen Begleiter suchen, aber keinen Platz für einen großen Hund haben. Vom Temperament her ähnelt er auch dem Prager Rattler, mit dem er aufgrund der ähnlichen Farbe und des Körperbaus oft verwechselt wird, obwohl der Rattler meist eine etwas andere Kopfform und Herkunft hat.

Erziehung und Sozialisierung

Es gibt den gefährlichen Mythos, dass kleine Hunde nicht erzogen werden müssen. Das ist ein fataler Irrtum! Ein unerzogener Russischer Toy verwandelt sich in einen Haustyrannen: Er kläfft jedes Rascheln an, beißt Gäste in die Fersen und markiert Ecken. Die hohe Intelligenz der Rasse ermöglicht es ihnen, schnell zu lernen, aber genau diese Intelligenz hilft ihnen auch, ihr Herrchen meisterhaft zu manipulieren.

Es ist sinnvoll, mit der Erziehung des Russischen Toy-Terriers ab den ersten Tagen im Haus zu beginnen. Lassen Sie den Welpen zunächst nur in einem Raum der Wohnung, wo Sie vorab eine Welpentoilette oder eine Unterlage platziert haben. Gewöhnen Sie den Hund konsequent an die Stubenreinheit. Das ist einer der Vorteile der Rasse – die Möglichkeit, das „Geschäft“ zu Hause zu erledigen, was bei eisiger Kälte rettend sein kann.

Sozialisierung ist entscheidend. Tragen Sie den Welpen nach draußen (anfangs auf dem Arm bis zum Abschluss des Impfschutzes), machen Sie ihn mit verschiedenen Geräuschen, Menschen und anderen Hunden bekannt. Wenn der Kleine ohne Grund knurrt oder bellt – unterbinden Sie das sanft, aber bestimmt. Nehmen Sie ihn nicht jedes Mal auf den Arm, wenn er sich vor etwas erschreckt, sonst verfestigen Sie die Angstreaktion.

Gesundheit: Typische Krankheiten und Vorbeugung

Trotz ihrer Zierlichkeit sind Russische Toys eine recht gesunde und langlebige Rasse. Die anatomischen Besonderheiten diktieren jedoch spezifische Risiken. Es ist unschwer zu erraten, dass bei diesem beweglichen Hund leicht mechanische Verletzungen des feinen Knochenbaus auftreten können. Die häufigste Verletzung ist der Bruch der Vorderbeine beim Sprung vom Sofa oder Fall aus den Armen. Bei Welpen sind die Knochen besonders zerbrechlich.

KörpersystemTypische ProblemeVorbeugung
BewegungsapparatKnochenbrüche, Patellaluxation (Kniescheibe), Legg-Calvé-Perthes-KrankheitSprünge aus über 40 cm Höhe verbieten, Bänder stärken, Vorsicht beim Spielen.
GebissPersistierende Milchzähne (Polyodontie), früher ZahnsteinEntfernung der Milch-Eckzähne durch den Tierarzt, regelmäßiges Zähneputzen.
NervensystemHydrozephalus, portosystemischer Shunt, atlantoaxiale InstabilitätKauf nur bei geprüften Züchtern, MRT bei Verdacht.
AugenKatarakt, progressive RetinaatrophieJährliche Kontrolle beim Augenarzt.

Erwähnt werden sollte auch die Hypoglykämie (starker Abfall des Blutzuckerspiegels), die bei Welpen von Mini-Rassen oft durch Stress oder lange Fresspausen auftritt. Haben Sie immer süßen Sirup oder Glukose griffbereit.

Pflege und allgemeine Hygiene

Der Russische Toy-Terrier ist ein reines Wohnungstier. Die Pflege seines glatten Fells ist minimal: Es reicht, den Hund einmal pro Woche mit einem Gummihandschuh oder Ledertuch abzureiben, um abgestorbene Haare zu entfernen und für Glanz zu sorgen. Häufiges Baden ist nicht nötig – einmal im Monat oder bei starker Verschmutzung.

Wichtige Aspekte der Pflege:

  • Krallen: Wegen des geringen Gewichts nutzen sich die Krallen nicht auf natürliche Weise am Asphalt ab. Sie müssen alle 10-14 Tage geschnitten werden. Zu lange Krallen verformen die Zehen und verändern die Haltung des Hundes.
  • Ohren: Die großen offenen Ohrmuscheln sind anfällig für Staub. Kontrollieren Sie sie regelmäßig und reinigen Sie sie mit einer speziellen Lotion.
  • Analdrüsen: Bei Toys verstopfen diese oft, was zu Entzündungen führt. Wenn der Hund auf dem Po „schlittenfährt“, ist es Zeit für eine Reinigung beim Tierarzt.
  • Kleidung: Das ist keine Marotte, sondern Notwendigkeit. Das Fehlen von Unterwolle macht den Toy schutzlos gegen Kälte. Im Winter ist ein warmer Overall nötig, im Herbst ein Regenmantel. Zu Hause sollten Sie den Hund jedoch nicht einpacken, um die Thermoregulation nicht zu stören.

Ernährung: Die wichtigsten Empfehlungen

Diese Hunde haben einen beschleunigten Stoffwechsel. Sie verbrennen Kalorien schnell, können aber bei bewegungsarmem Lebensstil genauso schnell Übergewicht ansetzen. Ein erwachsener Terrier dieser Miniaturrasse wird zweimal täglich gefüttert, wobei der Zeitplan strikt einzuhalten ist. Der Russische Toy neigt zum Betteln („Syndrom des armen Verwandten“), daher ist Standhaftigkeit gefragt.

Bei natürlicher Fütterung (Barf/Selbstgekocht) sollte die Basis der Ration (ca. 50-60%) aus magerem Fleisch bestehen (Rind, Pute, Kaninchen). Huhn kann Allergien auslösen. Den Rest bilden Gemüse (Zucchini, Karotte), etwas Getreide (Reis, Buchweizen) und fermentierte Milchprodukte. Füttern vom Tisch ist streng verboten: Geräuchertes, Süßes und Fettiges ruinieren die Leber des Winzlings.

Wenn Sie Trockenfutter wählen, sollte es Super Premium oder Holistic Klasse für kleine Rassen sein. Die Kroketten müssen sehr klein sein, damit der Hund sie zerbeißen kann.

Vor- und Nachteile der Rasse

Vorteile (+)Nachteile (-)
Kompaktheit: Ideal für jede Wohnung.Zerbrechlicher Knochenbau: Hohes Verletzungsrisiko.
Leicht zu transportieren (darf in die Flugzeugkabine).Übermäßiges Kläffen ohne Erziehung.
Braucht keine langen Märsche, nutzt auch mal die Matte.Erregbares Nervensystem (Zittern, Stress).
Minimale Fellpflege, kaum „Hundegeruch“.Benötigt Kleidung in der kalten Jahreszeit.
Hohe Intelligenz und Lernfähigkeit.Neigung zu Zahnproblemen.

Interessante Fakten über den Russischen Toy

  • Lange Zeit war die Rasse nur innerhalb der UdSSR/GUS bekannt. Der Export der Hunde wurde streng kontrolliert.
  • Der Russische Toy ist eine der kleinsten Rassen der Welt und kann in Sachen Miniaturgröße mit dem Chihuahua konkurrieren.
  • Trotz des spielzeugartigen Aussehens ist der Jagdinstinkt der Terrier erhalten geblieben – sie können Mäuse oder Käfer fangen.
  • Der Zusatz „Terrier“ wurde auf Verlangen der FCI aus dem offiziellen Rassennamen gestrichen, da sie der Gruppe der Gesellschaftshunde zugeordnet sind und nicht den Terriern (Gruppe 3). Jetzt heißt er einfach „Russischer Toy“.

Häufige Fragen zur Rasse (FAQ)

Haart der glatthaarige Toy stark?

Der Fellwechsel findet zweimal jährlich statt (Frühling/Herbst), aber aufgrund der fehlenden Unterwolle und der geringen Größe des Hundes ist die Menge an Haaren im Haus minimal. Sie werden keine Wollmäuse in den Ecken finden wie bei großen Hunden. Feuchtes Wischen reicht völlig aus.

Verstehen sie sich mit Kindern?

Das ist eine schwierige Frage. Der Russische Toy wird für Familien mit sehr kleinen Kindern (unter 6-7 Jahren) nicht empfohlen. Der Grund ist nicht Aggression des Hundes, sondern die Gefahr für ihn selbst. Ein Kind könnte versehentlich auf den Hund fallen, ihn zu fest drücken oder fallen lassen, was zu fatalen Folgen führt. Mit älteren Kindern werden Toys zu besten Spielkameraden.

Wie viel kostet ein Welpe?

Der Preis hängt von der Klasse (Liebhabertier, Zucht, Show) und der Farbe ab. Seltene Farben (Blau, Lilac) kosten mehr. In Deutschland liegen die Preise für einen Welpen mit Papieren oft zwischen 1.000 € und 1.800 €. Es ist wichtig, nicht zu sparen und keine Welpen auf dubiosen Märkten oder aus dem Kofferraum zu kaufen, wo oft kranke Tiere oder Mischlinge mit instabiler Psyche angeboten werden.

Video über die Rasse

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