Charakter: Temperament und Verhalten

Der FCI-Standard widmet dem Wesen ungewöhnlich viel Raum und formuliert streng. Der Boxer soll unerschrocken, selbstsicher, ruhig und ausgeglichen sein; das Wesen gilt als „außerordentlich wichtig“. Beschrieben wird ein Hund, der für die eigene Familie ungefährlich, Fremden gegenüber misstrauisch ist; im Spiel fröhlich und freundlich, im Ernstfall unerschrocken. Der Charakter soll zuverlässig sein, ohne Falschheit und Hinterlist, auch im Alter.
Im Alltag bleibt dieser Hund sehr lange ein Jugendlicher: verspielt, kontaktfreudig, schlecht allein zu lassen. Der Standard zählt gerade den „Mangel an Temperament“ zu den Fehlern — ein träger, erloschener Boxer ist dem Text nach ebenso falsch wie ein übermäßig scharfer. Mit Kindern ist die Rasse gewöhnlich geduldig, doch ein großer, kräftiger und bewegungsfreudiger Hund kann ein Kind schon im Spiel umwerfen; gemeinsames Spiel von Vorschulkindern mit einem Boxer gehört unter Aufsicht Erwachsener. Vom Temperament her stellt man den Boxer oft neben Rassen wie den Rottweiler oder den Dobermann: Alle drei verbinden Familienbindung mit ausgeprägtem Schutztrieb, und alle drei brauchen dringend frühe Sozialisierung.
Über das Folgende wird in Rassebeschreibungen selten geschrieben, aber es gibt Zahlen. In der britischen Untersuchung war Aggression bei 2,80 % der Boxer im Jahr in den Krankenakten vermerkt: bei Rüden 3,96 %, bei Hündinnen 1,56 % — bei Rüden damit die fünfthäufigste Diagnose überhaupt, häufiger als Durchfall oder Arthrose. Im Kontext gelesen: Beim Labrador Retriever wurde Aggression bei 1,09 % erfasst, beim Greyhound bei 1,7 %, beim Deutschen Schäferhund dagegen bei 4,76 %, beim Rottweiler bei 7,46 %. Der Boxer ist also weder die ruhigste noch die problematischste Rasse seiner Klasse. Verhaltensstörungen als Gruppe waren jedoch die vierthäufigste Todesursache bei Rüden und hatten das niedrigste mediane Sterbealter aller Ursachen — 7,00 Jahre. Das ist das ernsteste Argument für frühe Sozialisierung.
Erziehung und Sozialisierung

Der FCI-Standard nennt den Boxer leicht auszubilden — wegen Gehorsamsbereitschaft, Mut, natürlicher Schärfe und der Fähigkeit, mit der Nase zu arbeiten. In der Praxis begreift er schnell, langweilt sich aber ebenso schnell: Kurze häufige Einheiten in Spielform bringen mehr als langer Drill. Grobheit und körperliche Strafen bewirken das Gegenteil.
Die Sozialisierung ist entscheidend, und die oben genannten Daten zu Verhaltensstörungen sind das beste Argument dafür. Vom Welpenalter an macht man den Hund planmäßig mit Menschen, Geräuschen, Untergründen, Orten und Tieren bekannt. Wie bei anderen großen kräftigen Rassen, etwa dem Bullmastiff oder dem Pyrenäenberghund, bestimmt das Alter von acht Wochen bis zu einigen Monaten, wie der Hund sein Leben lang sein wird.
Der Boxer verwirklicht sich gut im Hundesport: Die FCI-Klassifikation weist die Rasse ausdrücklich als eine mit Arbeitsprüfung aus, und im deutschen System sind das Fährtenarbeit, Unterordnung und Schutzdienst. Geeignet sind ebenso Agility, Obedience, Such- und Rettungsarbeit sowie Nasenarbeit — letztere besonders nützlich für einen Hund mit viel Energie und wenig Geduld für Eintönigkeit.
