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Clumber Spaniel — Geschichte und Standard

Der schwerste und langsamste der englischen Spaniels: zu Hause ruhig, leise und würdevoll, im Feld schweigsam und methodisch. Der Kennel Club führt den Clumber unter den gefährdeten heimischen Rassen Großbritanniens — 2025 wurden 160 Hunde registriert. Er braucht maßvolle Bewegung, Gewichtskontrolle und aufmerksame Pflege von Augen, Ohren und Gelenken.
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Clumber Spaniel
Inhalt
1Geschichte und Herkunft: was belegt ist und was Überlieferung bleibt 2Rassestandard: zwei Register — zwei verschiedene Zahlenreihen

Geschichte und Herkunft: was belegt ist und was Überlieferung bleibt

Eines steht außer Frage: Der Name stammt vom Anwesen Clumber Park in Nottinghamshire, dem Sitz der Herzöge von Newcastle. Alles Übrige ist Gebiet der Überlieferung — und genau hier weichen Rasseseiten am weitesten von den Quellen ab.

Die verbreitetste Version geht so: Der französische Herzog de Noailles habe seine Meute vor der Französischen Revolution retten wollen und die besten Hunde nach England geschickt. Dutzende Publikationen wiederholen das, zuletzt sogar die Einleitung eines begutachteten genetischen Fachartikels. Das Problem daran ist, dass die früheste gedruckte Quelle etwas anderes sagt.

In William Barker Daniels Supplement to the Rural Sports (London, 1813) heißt es auf Seite 684, ein Vorfahr des Herzogs habe die Spaniels geschenkt bekommen, als er sich in Frankreich aufhielt (when in France) — und zwar vom Herzog de Noailles. Die Bewegungsrichtung ist damit genau umgekehrt zur geläufigen Erzählung: Nicht eine Meute wurde nach England gerettet, sondern ein englischer Aristokrat erhielt die Hunde während eines Aufenthalts in Frankreich. Von einer Revolution oder einem Datum steht in diesem Satz überhaupt nichts. Spätere Autoren des 19. Jahrhunderts berufen sich genau auf Daniel: Vero Shaw (1881) tut das ausdrücklich, und Rawdon Lee (1893) datiert die Episode auf «probably about the middle of the eighteenth century», also auf die Mitte des 18. Jahrhunderts und damit vor die Revolution — und fügt hinzu, dass sich in Frankreich selbst keine Spuren von Clumbern hätten auffinden lassen.

Am bemerkenswertesten ist, dass die schärfste Skepsis gegenüber dieser Geschichte nicht von außen kommt, sondern vom britischen Rasseclub. In seinem historischen Abriss nennt der Club die Erzählung von der Flucht vor der Revolution eine «wonderful (but fanciful) story» — eine wunderbare, aber erfundene Geschichte — und ergänzt eine überprüfbare Aussage: «There is no mention in either of the Dukes' papers to any gift or sale being made», in den Papieren beider Herzöge findet sich also weder ein Hinweis auf ein Geschenk noch auf einen Verkauf. Gesichert ist nach Darstellung des Clubs nur, dass in den 1760er Jahren Hunde vom Kontinent nach Clumber Park gebracht wurden, wobei Frankreich dabei nicht eigens genannt wird.

Die Chronologie liefert ein weiteres Argument. Der am häufigsten zitierte bildliche Beleg ist das Gemälde The Return from Shooting von Francis Wheatley, datiert auf 1788 und damit entstanden, bevor die Französische Revolution begann. Der Rasseclub merkt dazu an, dass die drei darauf abgebildeten Spaniels als «Springers or Cock-flushers» beschrieben wurden und nicht als Clumber — das Bild spricht also eher für eine lange Anwesenheit schwerer Spaniels auf diesen Gütern als für eine bestimmte Rasse.

Der FCI-Standard selbst formuliert die Herkunft betont vorsichtig: Clumber Spaniels seien, wie es heißt (are said to), vor über zweihundert Jahren zuerst aus Frankreich gekommen, und nach Großbritannien habe sie der Herzog von Newcastle gebracht, der sie in Clumber Park züchtete. Das Register gibt die Sache damit als Überlieferung wieder und nicht als gesicherte Tatsache — und das ist die ehrlichste der verfügbaren Formulierungen.

Was die königliche Gunst angeht: Der Clumber wird mit Prinz Albert und mit Edward VII. in Verbindung gebracht. Club und Register wiederholen diese Angaben übereinstimmend, doch jede von ihnen steht ohne Verweis auf eine Archivquelle. Zurückhaltung ist hier also angebracht: Es handelt sich um eine feste Traditionslinie der Rassebeschreibung und nicht um eine belegte Episode.

Rassestandard: zwei Register — zwei verschiedene Zahlenreihen

Porträt eines Clumber Spaniels

Das ist die wichtigste Stelle dieser Seite, denn von hier gelangen die unsinnigen «verschmolzenen» Bereiche in die Nachschlagewerke. Der Grund dafür: FCI und AKC beschreiben den Clumber unterschiedlich — und zwar nicht nur in den Zahlen, sondern schon im Satz der Maße, die sie überhaupt angeben.

Der FCI-Standard Nr. 109 (Gruppe 8, Sektion 2 — Stöberhunde; gültige Fassung vom 13.10.2010) legt ausschließlich das Gewicht fest und nennt überhaupt keine Widerristhöhe. Als ideal gelten: Rüden 29,5–34 kg, Hündinnen 25–29,5 kg. Der britische Kennel Club, dessen Standard dem FCI-Dokument zugrunde liegt, nennt dasselbe Gewicht mit imperialer Entsprechung und führt ebenfalls keine Höhe auf.

Der amerikanische AKC gibt umgekehrt beides an, Höhe und Gewicht, und seine obere Gewichtsgrenze liegt merklich höher: Rüden 70–85 Pfund, Hündinnen 55–70 Pfund; die ideale Widerristhöhe beträgt bei Rüden 18–20 Zoll, bei Hündinnen 17–19 Zoll.

MerkmalFCI Nr. 109 / Kennel ClubAKC
Gewicht, Rüden29,5–34 kg70–85 Pfund (ca. 32–39 kg)
Gewicht, Hündinnen25–29,5 kg55–70 Pfund (ca. 25–32 kg)
Widerristhöhe, Rüdennicht festgelegt18–20 Zoll (ca. 46–51 cm)
Widerristhöhe, Hündinnennicht festgelegt17–19 Zoll (ca. 43–48 cm)
Die Umrechnung in metrische Einheiten stammt von uns; die Register veröffentlichen genau jene Einheiten, die in den Spalten stehen.

Die praktische Schlussfolgerung für den Leser ist einfach. Bereiche wie «25–39 kg» oder «43–51 cm» gehören zu keinem einzigen Standard: Sie entstehen, wenn man die Untergrenze aus der Hündinnen-Zeile des einen Registers nimmt und die Obergrenze aus der Rüden-Zeile des anderen. Höhe und Gewicht von Rüde und Hündin unterscheiden sich beim Clumber deutlich, und beides in eine einzige Zahl zu ziehen, ist sachlich falsch.

Gesondert erwähnenswert ist, dass der FCI-Standard selbst eine historische Veränderung festhält: Die Rasse ist etwa seit den 1950er Jahren schwerer geworden, und obwohl die Obergrenze für Rüden bei 34 kg liegt, übertreffen einzelne Hunde sie. Die Differenz zwischen den britischen und den amerikanischen Zahlen ist also kein Fehler eines der beiden Register, sondern das Abbild einer realen Typverschiebung.

Beim Farbschlag hat der Standard eine klare Rangfolge, die häufig eingeebnet wird: Bevorzugt ist ein durchgehend weißer Körper mit zitronengelben Abzeichen, orangefarbene Abzeichen sind zulässig. Zitronengelb ist also die vorzuziehende Variante und keine gleichrangige Alternative. Geringe Abzeichen am Kopf und ein gesprenkelter Fang sind erlaubt. Der Kennel Club führt als standardgemäße Kombinationen «Zitrone und Weiß», «Orange und Weiß» sowie die spiegelbildlichen Varianten dazu auf.

Gesamterscheinung · 6
GesamterscheinungAusgewogen, mit kräftigem Knochenbau, aktiv, mit nachdenklichem Ausdruck; der Gesamteindruck ist Kraft.
KopfGroß, quadratisch, von mittlerer Länge, ohne Übertreibungen.
OhrenGroß, in Form eines Weinblattes, nach vorn hängend.
KörperLang, schwer, tief angesetzt; die Hinterhand sehr kräftig.
FellReichlich, dicht anliegend, seidig und gerade; an Läufen und Brust gute Befederung.
GangwerkVorn und hinten geradlinig, mit müheloser Schubkraft.
Nach dem Wortlaut des FCI-Standards Nr. 109.

Äußerlich ist der Clumber merklich massiger und niedriger als der leichtere Field Spaniel, und gerade dieses Rassenpaar wird in Nachschlagewerken zusammen mit dem Sussex Spaniel am häufigsten verwechselt.

Vollständiges Rasseprofil → Clumber Spaniel: Gesundheit und Risiken, Ernährung, Fotos
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