Geschichte der Hovawart-Rasse
Die Geschichte der Hovawart-Rasse reicht tief ins Mittelalter zurück. Der Name „Hovawart“ stammt aus dem Mittelhochdeutschen, wobei „hova“ „Hof“ (modernes Deutsch: „Hof“) und „wart“ „Wächter“ oder „Hüter“ (modernes Deutsch: „Wächter“) bedeutet. Somit ist der Hovawart ein „Hüter des Hofes“. Erste schriftliche Erwähnungen von Hunden mit diesem Namen und diesen Funktionen finden sich in deutschen Rechtstexten, wie dem „Sachsenspiegel“ (um 1274). In diesen Dokumenten wurden Verantwortlichkeiten und Strafen für den Diebstahl oder die Tötung eines solchen Hundes festgelegt, was auf ihren hohen Wert hinweist.
Im Laufe der Zeit jedoch, mit dem Aufkommen anderer Rassen, verschwanden die ursprünglichen Hovawarte praktisch. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts beschloss eine Gruppe von Enthusiasten unter der Leitung des renommierten Zoologen Kurt König, diese legendäre Rasse wiederzubeleben. Sie züchteten sie nicht einfach von Grund auf neu, sondern suchten in den ländlichen Gebieten Deutschlands nach Hunden, die in Typ und Charakter den historischen „Hofwächtern“ ähnelten. Diese Hunde, bekannt als „Typ-Hunde“, bildeten die Grundlage für die Zuchtarbeit. Ihnen wurde Blut von Deutschen Schäferhunden, Neufundländern, Kuvasz und möglicherweise Rassen wie dem Leonberger zugeführt, um die gewünschten Merkmale zu erhalten.
Die erste offizielle Hovawart-Zuchtstätte „Hovawarthof“ wurde 1922 registriert. Die Arbeit war langwierig und mühsam. Die Züchter legten großen Wert nicht nur auf das Exterieur, sondern auch auf die Arbeitsqualitäten: Ausgeglichenheit, Intelligenz und den natürlichen Schutzinstinkt. Nach dem Zweiten Weltkrieg, der erhebliche Schäden am Bestand verursachte, wurde die Wiederherstellung der Rasse mit neuer Kraft fortgesetzt. Im Jahr 1964 wurde der Hovawart offiziell vom Internationalen Kynologischen Verband (FCI) anerkannt, was die erfolgreiche Wiederbelebung eines der ältesten deutschen Arbeitshunde bestätigte.
Standard und Erscheinungsbild des Hovawarts

Der Hovawart ist ein kräftiger, muskulöser Hund mittlerer Größe mit einem leicht gestreckten Körperbau und einer edlen Haltung. Ein ausgeprägter Geschlechtsdimorphismus ist ein charakteristisches Merkmal der Rasse: Rüden sind deutlich größer und massiger als Hündinnen. Sein Erscheinungsbild vereint Kraft und Eleganz, und seine Bewegungen sind leicht und raumgreifend.
Kopf und Fang
Der Kopf des Hovawarts ist kräftig, mit einer breiten, gewölbten Stirn. Der Übergang von der Stirn zum Fang ist deutlich erkennbar. Der Fang ist kräftig, verjüngt sich leicht zur Nase hin, ist aber nicht spitz. Die Länge des Fangs entspricht ungefähr der Länge des Oberkopfes. Der Nasenrücken ist gerade. Die Lippen liegen straff an. Die Augen sind oval, mittelgroß, dunkelbraun, mit einem wachen und intelligenten Ausdruck. Die Ohren sind dreieckig, hängend, hoch angesetzt und verbreitern den Kopf optisch.
Körper und Gliedmaßen
Der Hals ist kräftig, mittellang, ohne lose Haut. Der Rücken ist gerade und kräftig. Der Brustkorb ist breit, tief und kräftig und bietet ausreichend Platz für Herz und Lunge. Die Gliedmaßen sind stark, gerade, mit gut entwickelter Muskulatur. Die Pfoten sind kompakt, rundlich, mit eng aneinanderliegenden Zehen. Der Schwanz ist lang, reicht bis zum Sprunggelenk und ist mit dichtem Haar bedeckt. Im Ruhezustand ist er herabgesenkt, bei Erregung wird er über die Rückenlinie gehoben und bildet eine schöne Biegung.
Fell und Fellfarben des Hovawarts
Das Fell des Hovawarts ist lang, leicht gewellt, dicht anliegend am Körper, mit wenig Unterwolle. An Brust, Bauch, der Rückseite der Gliedmaßen und am Schwanz ist das Fell länger und bildet „Befederung“ und „Hosen“. Diese Fellstruktur schützt den Hund hervorragend vor schlechtem Wetter.
Der Rassestandard erkennt drei Farbvarianten an:
- Schwarzmarken: Die Grundfarbe ist tiefschwarz, glänzend. Die Marken sind von einem satten, mittelroten Farbton, klar abgegrenzt und befinden sich über den Augen, an den Backen, am Hals, an der Brust (zwei Flecken), an den Vorder- und Hinterläufen sowie unter dem Rutenansatz.
- Blond: Eine satte, glänzende rötlich-blonde Farbe, die zu den Gliedmaßen und zum Bauch hin heller wird. Kann von hellsandfarben bis leuchtend rot variieren.
- Schwarz: Vollständig schwarze, glänzende Farbe am ganzen Körper.
Kleine weiße Flecken an der Brust sowie einzelne weiße Haare an den Zehen und der Rutenspitze sind laut Standard zulässig.

