Detaillierte Geschichte der Rasse Landseer
Die Geschichte des Landseers ist eng mit der des Neufundländers verknüpft, doch ihre Wege trennten sich vor über einem Jahrhundert. Die Vorfahren dieser Hunde stammen von der Insel Neufundland vor der Küste Kanadas. Sie waren unentbehrliche Helfer der lokalen Fischer: Sie halfen beim Herausziehen von Netzen aus dem Wasser, beim Transport von Lasten und bei der Rettung ertrinkender Menschen. Europäer, die auf die Insel kamen, waren beeindruckt von der Kraft, Intelligenz und der unglaublichen Liebe dieser Hunde zum Wasser.
Ab dem Ende des 18. Jahrhunderts wurden diese Hunde nach England gebracht, wo sie schnell Popularität unter der Aristokratie gewannen. Besonders geschätzt wurden Exemplare mit einer auffälligen schwarz-weißen Fellzeichnung. Ein solcher Hund wurde zum Helden des berühmten Gemäldes des Malers Sir Edwin Landseer „Ein würdiges Mitglied der humanen Gesellschaft“ (1838). Das Gemälde zeigt einen schwarz-weißen Hund, der ein Kind aus dem Wasser gerettet hat. Das Bild war ein großer Erfolg, und die Hunde dieser Farbgebung erhielten den Namen „Landseer-Hund“ oder einfach „Landseer“.
Auf dem Kontinent, insbesondere in Deutschland und der Schweiz, gingen die Züchter jedoch einen anderen Weg. Sie strebten danach, genau den schwarz-weißen Typ zu erhalten und weiterzuentwickeln, wobei sie den Schwerpunkt auf höhere Läufe, eine leichtere Körperstruktur und ein energischeres Temperament im Vergleich zu den überwiegend schwarzen Neufundländern legten. Während in England und Nordamerika die schwarz-weiße Farbe weiterhin nur als eine der Farbvarianten des Neufundländers galt, bildete sich in Kontinentaleuropa eine neue, eigenständige Rasse heraus.
Eine enorme Rolle bei der Etablierung der Rasse spielte der deutsche Kynologe Otto Waltersspiel. Dank der Bemühungen deutscher und schweizerischer Enthusiasten erkannte die Fédération Cynologique Internationale (FCI) den Landseer (europäisch-kontinentaler Typ) im Jahr 1960 offiziell als eigenständige Rasse an, die sich vom Neufundländer unterscheidet, und übertrug das Patronat an Deutschland und die Schweiz. Seitdem entwickeln sich diese beiden Rassen parallel.
Wie der Landseer aussieht: Rassestandard und Erscheinungsbild

Der Landseer ist ein großer, harmonisch gebauter Hund, der den Eindruck von Kraft und Adel vermittelt. Im Gegensatz zum massiveren Neufundländer wirkt er „hochbeiniger“ und athletischer.
- Kopf: Massiv, mit breitem Schädel, aber ohne den Eindruck von Schwere. Die Haut am Kopf ist trocken, ohne Falten. Der Übergang von der Stirn zum Fang ist deutlich ausgeprägt. Der Fang ist tief und breit, in etwa so lang wie tief. Die Lefzen sind trocken, fest anliegend, schwarz.
- Augen: Mittelgroß, mandelförmig, braun oder dunkelbraun. Der Blick ist ruhig und freundlich.
- Ohren: Mittelgroß, dreieckig mit abgerundeten Spitzen, hoch angesetzt, eng an den Wangen anliegend.
- Körper: Sehr breit und kräftig von den Schultern bis zur Kruppe. Der Rücken ist gerade und eben. Die Lenden sind muskulös. Die Brust ist tief und breit, mit gut entwickelten Rippen.
- Gliedmaßen: Kräftig, gerade, mit starker Muskulatur. Die Pfoten sind groß, rund, sogenannte „Katzenpfoten“. Ein charakteristisches Merkmal sind die gut entwickelten Schwimmhäute zwischen den Zehen, die sie zu ausgezeichneten Schwimmern machen.
- Rute: Lang, dick, mit dichtem Fell bedeckt. Im Ruhezustand hängt sie herab, in der Bewegung trägt der Hund sie waagerecht mit einer leichten Biegung am Ende.
- Fell: Sehr dicht, mit weicher, wasserundurchlässiger Unterwolle. Das Deckhaar ist lang, glatt und angenehm anzufassen. Das Fell fühlt sich eher rau als weich an.
- Färbung: Die Grundfarbe ist reinweiß. Auf diesem Hintergrund befinden sich klar abgegrenzte schwarze Platten auf dem Rücken und der Kruppe. Hals, Brust, Bauch, Läufe und Rute müssen weiß sein. Der Kopf ist schwarz, wobei ein weißer Streifen vom Fang bis zum Nacken als erwünschtes Merkmal gilt.