Geschichte der Rasse Norwich Terrier
Die Geschichte des Norwich Terriers ist eng mit der seines engsten Verwandten, dem Norfolk Terrier, verbunden. Über viele Jahrzehnte galten sie als eine einzige Rasse, die man nur anhand der Ohrenform unterschied. Ihre Heimat ist die Grafschaft Norfolk im Osten Englands, genauer gesagt die Stadt Norwich, die der Rasse ihren Namen gab. Die Ursprünge dieser kleinen Jäger reichen bis ins 19. Jahrhundert zurück, als sie unentbehrliche Helfer für Bauern im Kampf gegen Nagetiere waren.
In den 1880er Jahren wurden diese kleinen, rötlichen Terrier bei Studenten der Universität Cambridge unglaublich beliebt. Es galt als schick und prestigeträchtig, einen solchen Hund zu besitzen. Die Studenten nannten sie „Canterbury Terrier“ oder „Trumpington Terrier“ (nach der Straße, in der viele von ihnen lebten). Einer der wichtigsten Züchter jener Zeit war Frank „Rough“ Jones, der Welpen an Studenten verkaufte und so maßgeblich zur Popularisierung der Rasse beitrug.
Es ist wichtig zu verstehen, dass der Norwich nicht nur ein niedlicher Schoßhund ist. In seinen Adern fließt das Blut von ernsthaften Jagd- und Kampfhunden. Zur Schaffung der Rasse wurden verschiedene kleine Terrier verwendet, darunter der Irish Terrier und möglicherweise der Glen of Imaal Terrier. Es gibt auch eine Theorie, dass sie mit dem Blut des gestromten Staffordshire Bull Terriers gekreuzt wurden, was ihre Furchtlosigkeit und robuste Statur erklären würde. Dank dieser Gene sind Norwich Terrier nicht nur wunderbare Begleiter, sondern auch effektive Jäger von Kleinwild wie Füchsen und Ratten. Sie teilen sich die Jagdpassion mit Rassen wie dem Deutschen Jagdterrier.
Die offizielle Anerkennung der Rasse erfolgte nicht sofort. Zuerst, im Jahr 1932, erkannte der Englische Kennel Club (The Kennel Club) sie als eine einzige Rasse unter dem Namen „Norwich Terrier“ an. Es gab jedoch zwei Varianten: mit Stehohren (prick ears) und mit Hängeohren (drop ears). Dies schuf gewisse Schwierigkeiten bei der Zucht und auf Ausstellungen. Erst 1964 wurde beschlossen, sie in zwei separate Rassen zu unterteilen: Der Hund mit den Stehohren behielt den Namen Norwich Terrier, und der Hund mit den Hängeohren wurde Norfolk Terrier genannt. Heute sind beide Rassen weltweit beliebt, obwohl der Norwich Terrier etwas seltener anzutreffen ist.
Wie sieht ein Norwich Terrier aus: Standard und Aussehen

Der Norwich Terrier ist ein kleiner, gedrungener, aber sehr harmonisch gebauter Hund. Er ist einer der kleinsten Vertreter der Terriergruppe, aber seine kompakte Größe täuscht — unter dem rauen Fell verbirgt sich ein starkes Skelett und eine gut entwickelte Muskulatur. Sein Aussehen strahlt Energie, Selbstvertrauen und Lebensfreude aus.
Die wichtigsten Rassemerkmale gemäß FCI-Standard Nr. 72:
- Gesamterscheinung: Ein tief gestellter, kompakter, kräftiger Hund mit kurzem Rücken und einem kräftigen Knochenbau.
- Kopf: Der Schädel ist breit, leicht gerundet. Der Fang ist keilförmig und kräftig, seine Länge ist etwa ein Drittel kürzer als die Länge des Schädels. Der Übergang von der Stirn zum Fang (Stop) ist gut ausgeprägt.
- Augen: Klein, oval, von dunkler Farbe, mit einem durchdringenden und intelligenten Ausdruck.
- Ohren: Dies ist das entscheidende Unterscheidungsmerkmal der Rasse. Die Ohren sind von mittlerer Größe, aufrecht, an den Spitzen zugespitzt und weit auseinander am Kopf angesetzt. Im erregten Zustand werden sie senkrecht getragen.
- Kiefer und Zähne: Die Kiefer sind kräftig, mit einem idealen Scherengebiss (die oberen Zähne überlappen die unteren fest). Die Lefzen sind eng anliegend.
- Hals: Kräftig, von mittlerer Länge, geht harmonisch in die Schultern über.
- Körper: Kompakt, mit einem kurzen, geraden Rücken und einem gut entwickelten, tiefen Brustkorb.
- Gliedmaßen: Kurz, gerade und kräftig, mit gut entwickelter Muskulatur, die für einen starken Schub sorgt.
- Rute: Früher wurde die Rute auf etwa die Hälfte der Länge kupiert, um auf einer Höhe mit dem Rücken zu sein. Heute ist das Kupieren in vielen Ländern verboten. Die unkupierte Rute ist von mittlerer Länge, dick an der Basis und verjüngt sich zum Ende hin. Der Hund trägt sie fröhlich, aber nicht über den Rücken gerollt.
- Fell: Gerade, hart, drahtig, dicht anliegend am Körper. Es gibt eine dichte, weiche Unterwolle, die vor Witterungseinflüssen schützt. Am Hals und an den Schultern ist das Fell länger und bildet eine Art „Kragen“. Am Kopf, an den Ohren und am Fang ist das Fell kurz und glatt, mit Ausnahme kleiner Augenbrauen und Schnurrhaare.
- Farbgebung: Alle Rottöne (von hellem Weizen bis zu sattem Rot), „Grizzle“ (ein Gemisch aus roten, schwarzen und grauen Haaren) und Schwarz mit Loh sind erlaubt. Kleine weiße Abzeichen sind unerwünscht, aber zulässig.
- Größe: Die ideale Widerristhöhe beträgt 25–26 cm, das Gewicht liegt bei etwa 5–5,5 kg.
