Geschichte: eine deutsche Spur in den Bergen North Carolinas
Die Zählung beginnt 1750, als der deutsche Auswanderer Johannes Plott in Amerika ankam. Hunde begleiteten ihn — und genau hier gehen die Quellen auseinander, weshalb man sie besser nebeneinanderlegt, als sie zu einer glatten Legende zu verschmelzen.
Der American Kennel Club (AKC) schreibt es in seinem historischen Abriss unumwunden: Plott kam mit fünf „Hannoverschen Hunden" (Hanover hounds), und genau dieser Umstand macht den Plott unter den sechs Coonhound-Rassen des AKC einzigartig — alle übrigen stammen von englischen Foxhounds ab. NCpedia, die von der Staatsbibliothek North Carolinas geführte Enzyklopädie, ergänzt ein familiäres Detail: Die fünf Hunde waren ein Geschenk des Vaters, Elias Plott, eines Jägers aus der Gegend von Heidelberg, der vielseitige Gebrauchshunde züchtete — tauglich für Großwild wie für die Landwirtschaft. NCpedia formuliert dabei vorsichtiger als der AKC: Elias habe „wahrscheinlich mit dem Hannoverschen Schweißhund begonnen".
Der United Kennel Club (UKC) erzählt dieselbe Episode noch zurückhaltender: Der Auswanderer (in ihrem Text Jonathon Plott) brachte „einige Hunde für die Saujagd" mit — ohne Rassenamen und ohne Zahl. Mit anderen Worten: „fünf Hannoversche" ist die Version von AKC und NCpedia, keine gemeinsame Position der Register. Der Hannoversche Schweißhund als Vorfahr des Plott bleibt die verbreitetste und durchaus plausible Rekonstruktion, doch die Quellen geben sie mit unterschiedlicher Sicherheit wieder; ehrlicher ist es, sie als Rekonstruktion zu behandeln.
Der weitere Lebensweg stützt sich auf Urkunden der Countys. Johannes anglisierte seinen Namen zu George Plott; nach dem Schiffsregister taucht er in öffentlichen Akten erst 1759 wieder auf, als er Land im Bute County (heute Warren) kaufte. Von dort zog die Familie ins Cabarrus County und 1784 ins Lincoln County. Um 1800 siedelte der Sohn, Henry Plott, nach Buncombe (heute Haywood) über — und die Geografie bewahrte den Familiennamen für immer: Plott Valley, der Berg Plott Balsam, der Plott Creek. Nachkommen der Plotts leben bis heute in dieser Region.
Im 19. Jahrhundert reichte der Ruf der Hunde weit über das Tal hinaus: Nach Welpen ritt man bis aus Georgia ins Haywood County, mit Säcken am Sattel, um sie heimzubringen. Montraville Plott (geb. 1850) führte die Arbeit an Wesen und Leistung fort, und seine Söhne — John A. Plott und Henry Vaughn „Von" Plott — brachten die Rasse gemeinsam mit einigen anderen Jägern in den 1930er- und 1940er-Jahren zu nationaler Bekanntheit. Den formalen Schlusspunkt setzte das Register: die erste Eintragung eines Plott Hound beim UKC stammt aus dem Jahr 1946.
Diese Herkunft trennt den Plott deutlich von den übrigen Coonhounds. Der Black and Tan Coonhound etwa baute auf Bloodhounds und Foxhounds auf — also auf britischer Grundlage, mit der der Plott keinen gemeinsamen Stamm hat.
Aussehen: was die Standards tatsächlich dazu sagen

Der Plott ist ein Athlet, kein Schwergewicht. Der AKC beschreibt ihn als kräftigen, gut bemuskelten, aber schlanken Laufhund, bei dem Kraft mit Sportlichkeit einhergeht; als Fehler wird ausdrücklich „überladen" genannt — zu viel Gewicht oder zu viel Knochen, um Schnelligkeit und Wendigkeit zu zeigen. Der UKC sagt dasselbe von einer anderen Seite: quadratische oder leicht gestreckte Proportionen, wobei die Länge des Laufs vom Ellenbogen zum Boden etwa der halben Widerristhöhe entspricht.
Haarkleid und Farbe. Das Markenzeichen der Rasse ist die gestromte (Brindle-)Färbung. Der AKC listet die „Brindle-Faktoren" auf, also die Grundtöne, auf denen die dunklen Streifen liegen: Gelb, Buckskin, Tan, Braun, Schokolade, Leberfarben, Orange, Rot, Hell- und Dunkelgrau, Blau (Malteserblau), verdünntes Schwarz und Schwarz. Neben Gestromt erkennt der Standard einfarbiges Schwarz an, Gestromt mit schwarzem Sattel und Schwarz mit gestromten Abzeichen. Gesondert beschrieben ist ein seltenes Buckskin — einfarbig, ganz ohne Stromung, von rotfalb und sandrot über hellcreme und gelbocker bis dunkelfalb und goldrot. Etwas Weiß an Brust und Pfoten ist zulässig, ebenso das Ergrauen um Fang und Lefzen. Das Haar ist kurz, fein und glänzend, aber dicht genug, um vor Wind und Wasser zu schützen; der AKC erwähnt, dass seltene Exemplare ein doppeltes Haarkleid tragen — eine kurze, weiche, dichte Unterwolle unter längerem, härterem Deckhaar.
Kopf und Ohren. Der Schädel ist mäßig flach und am Oberkopf gerundet; der Fang mittellang, die Lefzen geben ihm ein leicht quadratisches Profil. Augen braun oder haselnussfarben, eher hervortretend als tief liegend; zu den Fehlern zählt der AKC hängende Lider und eine rote „Haw", also eine zu sichtbare dritte Augenlidfalte. Lider, Lefzen und Nasenschwamm sind schwarz pigmentiert. Die Kopfhaut liegt mäßig straff an, Falten und Wamme sind ein Fehler: Das hier ist kein Bloodhound.
Am unerwartetsten an der Ohrbeschreibung ist, dass der AKC die Ohrspannweite normiert, also den Abstand zwischen den Spitzen der ausgebreiteten Ohren: bei Rüden 18–20 Zoll (46–51 cm), bei Hündinnen 17–19 Zoll (43–48 cm). Ein solcher Parameter kommt in Standards selten vor. Die Länge dagegen ist streng begrenzt: Reicht das Ohr über die Nasenspitze hinaus oder hängt es „nach Bloodhound-Art" in langen, schweren Lappen, ist das ein Grund für die Disqualifikation.
Zwei Standards, eine Rasse: wo UKC und AKC auseinandergehen
Beide Standards nebeneinander zu lesen ist nicht bloß akademisch: Die Abweichungen zeigen, welche Merkmale der Rasse noch verhandelt werden statt festzustehen. Hier die auffälligsten.
- Ohren: beweglich oder nicht. Der UKC verlangt Ohren „ohne jede Aufrichtekraft". Der AKC beschreibt das Gegenteil: Manche Plotts heben die Ohren halb an, wenn sie aufmerksam oder interessiert sind, sodass am Oberkopf eine deutliche Falte entsteht — und das gilt dort als normal, nicht als Fehler. Dieselben Ohren, zwei gegensätzliche Anforderungen.
- Größe. Die Obergrenze des UKC für einen Rüden liegt bei 27 Zoll, beim AKC bei 25. Ein im UKC-Ring völlig typischer Hund kann nach AKC-Maß zu groß sein.
- Disqualifikationen. Der AKC hat nur zwei, beide „mechanisch": ein zu langes oder Bloodhound-artiges Ohr und eine gespreizte Pfote. Die Liste des UKC ist anders und breiter: Albinismus, Taubheit, Blindheit, ein- oder beidseitiger Kryptorchismus, Vor- oder Rückbiss, Bösartigkeit oder übermäßige Scheu sowie jede nicht beschriebene Farbe. Auf das Wesen disqualifiziert also der UKC.
- Pfote. Der UKC will eine runde „Katzenpfote" mit dicken Ballen; der AKC beschreibt eine feste, geschlossene Pfote und disqualifiziert die gespreizte.
- Afterkrallen. Der UKC verlangt ausdrücklich ihr Fehlen an den Hinterläufen; der AKC geht auf die Frage nicht ein.
Eine gesonderte Erwähnung verdient der allererste Satz des AKC-Standards — er steht noch vor der allgemeinen Beschreibung: Der Plott darf auf der Kruppe ein Kennzeichen tragen, an dem man den Hund auf der Jagd erkennt, und dafür darf er im Ring nicht abgewertet werden. Ein seltener Fall, in dem ein Ausstellungsdokument der Praxis im Revier den Vortritt lässt — und der kürzeste Beleg dafür, dass sich die Rasse noch immer als Gebrauchsrasse versteht.
Eine weitere jüngere Änderung: Die gültige UKC-Fassung von 2020 disqualifiziert einfarbige Plotts nicht mehr — früher verschloss ein einfarbiges Haarkleid den Ring.
Die Stimme: drei Wörter aus dem Standard, die man vor dem Kauf kennen sollte
Der UKC beschreibt die Stimme des Plott mit drei Begriffen des jagdlichen Wortschatzes: open trailing, bawl und chop. Das sind keine poetischen Bilder, sondern eine Arbeitsklassifikation.
- Open trailing — der Hund gibt schon während der Verfolgung Laut, statt bis zum Ende stumm zu bleiben. Der Jäger hört, dass die Fährte aufgenommen ist.
- Bawl — ein langgezogener, tragender Ruf, der weit durch den Wald schallt.
- Chop — ein kurzes, abgehacktes Bellen, mit dem der Hund „meldet", dass das Wild gestellt oder verbaumt ist.
Der UKC hält gesondert fest, dass die Stimme heutiger Plotts klar ist und weit trägt. Der Gesetzgeber North Carolinas hat es seinerzeit noch bildhafter beschrieben: In der Präambel des Gesetzes über den Staatshund heißt es, der Laut gehe durch Mark und Bein und gleiche einem Hornsignal.
Der praktische Schluss klingt nüchterner: All das wurde entworfen, damit man den Hund im Bergwald kilometerweit hört. In der Wohnung und in dichter Bebauung arbeitet diese Konstruktion gegen den Halter, und keine Erziehung macht aus einem Laufhund eine leise Rasse. Das ist kein Grund, auf einen Plott zu verzichten — aber ein Grund, ehrlich zu prüfen, wo man wohnt und wie die Nachbarn reagieren.


