Die Entstehungsgeschichte des Weißen Schweizer Schäferhundes
Die Geschichte des Weißen Schweizer Schäferhundes (WSS) ist eng mit der des Deutschen Schäferhundes verbunden. Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts, als Max von Stephanitz die Grundlagen für die Rasse Deutscher Schäferhund legte, war die weiße Fellfarbe eine von mehreren Varianten, wenn auch nicht die häufigste. Der erste eingetragene Deutsche Schäferhund, „Horand von Grafrath“, hatte einen weißen Großvater. In den 1930er Jahren wurde die weiße Farbe in Deutschland jedoch als Makel angesehen, da sie fälschlicherweise mit verschiedenen Gesundheitsproblemen in Verbindung gebracht wurde (obwohl es dafür keine wissenschaftlichen Beweise gab), und Hunde dieser Farbe wurden von der Zucht ausgeschlossen. Einige Quellen behaupten, der Grund sei der Versuch gewesen, die Rasse zu „perfektionieren“, und die weiße Farbe wurde mit Albinismus assoziiert, einer genetischen Anomalie. Der WSS ist jedoch kein Albino, da er dunkle Augen und eine dunkle Pigmentierung an Nase und Lefzen hat.
Glücklicherweise überlebten die weißen Schäferhunde in den USA und Kanada, wohin sie zuvor importiert worden waren. Hier in Nordamerika wurden sie als „Weiße Deutsche Schäferhunde“ weiter gezüchtet und erfreuten sich großer Beliebtheit. Sie wurden für ihre Arbeitsqualitäten, ihre Intelligenz und ihr im Vergleich zu einigen Linien des Deutschen Schäferhundes sanfteres Wesen geschätzt. Anfang der 1970er Jahre wurden die ersten Vertreter der weißen Schäferhunde in die Schweiz importiert. Der amerikanische Rüde namens Lobo, geboren am 5. März 1966, gilt als einer der Stammväter der Rasse in Europa. Seine Nachkommen sowie andere importierte Hunde bildeten die Grundlage für die gezielte Zucht von weißen Schäferhunden als eigenständige Rasse. Die Schweiz übernahm die Verantwortung für die Standardisierung und internationale Förderung der Rasse, was zu ihrem heutigen Namen führte.
Im Juni 1991 wurde die Rasse im Schweizerischen Hundestammbuch (SHSB) als Berger Blanc Suisse (Weißer Schweizer Schäferhund) eingetragen. Nach und nach erlangte die Rasse auch in anderen europäischen Ländern Anerkennung. Die Fédération Cynologique Internationale (FCI) erkannte die Rasse 2002 vorläufig und 2011 endgültig an. Im deutschsprachigen Raum haben die Weißen Schweizer Schäferhunde relativ schnell die Herzen der Hundefreunde erobert und konkurrieren erfolgreich mit anderen beliebten Schäferhunden wie dem Australian Shepherd.
Das Erscheinungsbild des Weißen Schweizer Schäferhundes: Eine detaillierte Beschreibung

Der Weiße Schweizer Schäferhund ist ein kräftiger, muskulöser, mittelgroßer Hund mit eleganten und harmonischen Körperlinien. Er erinnert an den klassischen Deutschen Schäferhund, hat aber immer eine ausschließlich weiße Fellfarbe. Er vermittelt den Eindruck eines lebhaften, aufmerksamen und ausgeglichenen Tieres.
Der Kopf ist proportional zum Körper, keilförmig, trocken und klar geschnitten. Der Schädel ist leicht gerundet mit einer angedeuteten Mittelfurche. Der Übergang von der Stirn zum Fang (Stop) ist sanft, aber erkennbar. Der Fang ist mittellang, kräftig und verjüngt sich allmählich zur Nase hin. Der Nasenrücken ist gerade.
Die Nase ist mittelgroß und sollte schwarz sein. Eine hellere Nase oder eine „Schneenase“ (saisonale Aufhellung des Pigments) ist zulässig, aber Schwarz wird bevorzugt.
Die Lefzen sind trocken, straff anliegend und schwarz.
Das Gebiss ist ein kräftiges Scherengebiss mit einem vollständigen Satz von 42 Zähnen gemäß der Zahnformel.
Die Augen sind mittelgroß, mandelförmig und leicht schräg gestellt. Ihre Farbe reicht von dunkelbraun bis braun. Die Augenlider sind straff anliegend und haben einen schwarzen Rand. Der Ausdruck ist lebhaft, intelligent und aufmerksam. Blaue oder sehr helle Augen sind ein disqualifizierender Fehler.
Die Ohren sind Stehohren, hoch angesetzt, nach vorne gerichtet und parallel zueinander. Sie haben die Form eines länglichen Dreiecks mit leicht abgerundeten Spitzen. In der Bewegung oder im Ruhezustand kann der Hund die Ohren nach hinten anlegen.
Der Hals ist mittellang, muskulös, ohne lose Kehlhaut und geht harmonisch in den Widerrist über.
Der Körper ist kräftig, leicht gestreckt (das Verhältnis von Körperlänge zu Widerristhöhe beträgt etwa 10:8,5).
Der Widerrist ist gut ausgeprägt.
Der Rücken ist gerade und fest.
Die Lenden sind stark und muskulös.
Die Kruppe ist lang, von mittlerer Breite und fällt sanft zur Rutenbasis ab. Im Gegensatz zu einigen Linien des langstockhaarigen Deutschen Schäferhundes sollte die Kruppe beim WSS nicht übermäßig abfallend sein.
Der Brustkorb ist oval, tief (reicht bis zu den Ellenbogen), aber nicht zu breit. Die Vorbrust ist gut entwickelt.
Der Bauch ist mäßig aufgezogen.
Die Rute ist säbelförmig, buschig, tief angesetzt und reicht mindestens bis zum Sprunggelenk. Im Ruhezustand hängt sie gerade herab oder ist leicht gebogen. In der Bewegung oder bei Erregung wird sie höher, aber nicht über der Rückenlinie getragen.
Die Gliedmaßen sind kräftig, muskulös und haben starke Knochen. Die Vorderläufe sind von vorne betrachtet gerade und parallel. Die Hinterläufe sind von hinten betrachtet gerade und parallel, von der Seite gesehen gut gewinkelt. Die Pfoten sind oval, kompakt, mit eng anliegenden Zehen. Die Ballen sind fest und schwarz. Die Krallen sind dunkel, vorzugsweise schwarz.
Das Fell kann in zwei Varianten vorkommen:
- Stockhaar: Dichtes, gut anliegendes, gerades Deckhaar mit reichlich Unterwolle. Das Deckhaar ist mittellang.
- Langstockhaar: Langes, gerades Deckhaar mit reichlich Unterwolle. An den Ohren, am Fang und an der Vorderseite der Läufe ist das Fell kürzer. Am Hals bildet es eine ausgeprägte „Mähne“ und an der Rückseite der Hinterläufe „Hosen“. Die Rute ist sehr buschig. Eine leichte Wellung ist erlaubt.
Die Fellfarbe ist ausschließlich reinweiß. Die Haut ist dunkel, was unter dem weißen Fell, besonders am Bauch und an der Innenseite der Oberschenkel, gut sichtbar ist.
Die Bewegung des WSS ist rhythmisch, raumgreifend, mit gutem Schub aus der Hinterhand und freiem Vortritt. Der Trab ist leicht und fließend.
