Charakter und Temperament: eine Ruhe, die man nicht mit Faulheit verwechseln sollte
Der Standard beschreibt das Wesen des Clumbers konsequent: ausgeglichen, zuverlässig, gutmütig und würdevoll, «more aloof than other Spaniels» — zurückhaltender als andere Spaniels — und ohne jede Neigung zu Aggression. Es ist ein seltener Fall, in dem ein amtliches Dokument genau die Eigenschaft festhält, die auch Besitzer nennen: Zurückhaltung gegenüber Fremden, ohne Misstrauen und ohne Nervosität.
Zu Hause ist er tatsächlich ein sehr leiser Hund. Der Clumber schläft viel, schnarcht oft, rennt nicht ziellos herum und bellt kaum ohne Anlass. Deshalb wird er manchmal als «Sofahund» beschrieben, was ungenau ist: Im Feld schaltet er in einen anderen Modus — konzentriert, beharrlich, methodisch. Anders als der temperamentvollere Welsh Springer Spaniel arbeitet der Clumber langsamer, dafür aber außerordentlich gründlich im dichten Bewuchs.
Mit Kindern sind Clumber in der Regel geduldig und sanft, mit anderen Hunden und mit Katzen kommen sie gut aus, besonders wenn sie zusammen aufgewachsen sind. Wachhundeigenschaften hat die Rasse praktisch keine: Sie ist für diese Rolle zu freundlich, auch wenn Größe und tiefe Stimme abschreckend wirken können.
Eine wichtige Alltagseigenschaft ist die Angewohnheit, etwas im Maul zu tragen. Clumber sammeln Spielzeug, Stöcke und Hausschuhe ein und «schenken» sie ihren Menschen und den Gästen. Das ist kein Verhaltensproblem, sondern eine rassetypische Marotte, mit der man sich leichter arrangiert, als dass man sie bekämpft.
Vor- und Nachteile der Rasse Clumber Spaniel
Ob ein Clumber ins Haus passt, entscheidet sich weniger an einer Aufzählung von Eigenschaften als an der Frage, welches Tempo eine Familie erwartet. Wer einen Hund sucht, der zwei Stunden am Stück neben dem Rad herläuft, wird enttäuscht sein; wer einen ruhigen, anhänglichen und im Alltag unaufdringlichen Begleiter möchte, findet in dieser Rasse eine der gelassensten Antworten unter den Jagdhundrassen. Der Clumber verlangt Anwesenheit statt Bewegung — er will dabei sein und nicht bespaßt werden.
Die Schattenseiten sind ebenso gut vorhersehbar, und sie lassen sich nicht wegtrainieren, weil sie im Bau der Rasse liegen. Das dichte Fell haart das ganze Jahr über, die schweren Lefzen bedeuten Sabber, die schweren Ohren und die Lidstruktur machen die Pflege zu einer festen täglichen Aufgabe, und die dokumentierte Liste rassetypischer Zustände verlangt, dass man beim Züchter nicht nur nach Untersuchungen fragt, sondern nach deren Ergebnissen. Dazu kommt die Seltenheit: An den Registrierungszahlen weiter unten wird deutlich, dass die Suche nach einem verantwortungsvoll geplanten Wurf Geduld und Wartezeit bedeutet.
Unterm Strich ist der Clumber ein Hund für Menschen, die Beständigkeit über Vielseitigkeit stellen und bereit sind, Pflege und Gesundheitsvorsorge als selbstverständlichen Teil des Alltags zu betrachten und nicht als gelegentliche Pflicht.
Erziehung und Sozialisierung des Clumber Spaniels
Clumber sind klug und haben ein gutes Gedächtnis, aber sie gehören nicht zu den Hunden, die ein Kommando um des Ausführens willen befolgen. Sie wägen zuerst ab, was für sie dabei herausspringt — deshalb funktioniert ausschließlich positive Verstärkung: Lob, Leckerlis, Spiel. Harte Methoden zerstören den Kontakt und bringen kein Ergebnis.
Die Einheiten sollten kurz und konsequent sein. Die Rasse entscheidet selbstständiger als etwa der glatthaarige Pyrenäen-Schäferhund, der an eine enge Zusammenarbeit mit dem Menschen gewöhnt ist. Frühe Sozialisierung ist von entscheidender Bedeutung: Machen Sie den Clumber vom Welpenalter an mit verschiedenen Menschen, Geräuschen, Untergründen und Tieren vertraut.
Zur Auslastung nennt der Kennel Club als Richtwert etwa eine Stunde Bewegung am Tag. Hier gibt es allerdings eine rassetypische Einschränkung, die den meisten Rassen fehlt: Beim Clumber sind zwei erbliche Zustände dokumentiert, die sich gerade unter Belastung zeigen (dazu ausführlich weiter unten). Intensive Trainingseinheiten «bis zur Erschöpfung» sind deshalb unangebracht, und jede Episode plötzlicher Schwäche, Koordinationsstörung oder eines Zusammenbruchs nach Belastung ist ein Grund, sofort zum Tierarzt zu gehen — und nicht, «den Hund einfach ausruhen zu lassen».


