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Englischer Mastiff — Geschichte und Standard

Ein riesiger britischer Molosser mit schwarzer Maske: ruhig, tief auf Menschen bezogen, er bewacht durch Präsenz und Masse und nicht durch Aggression. Das Wichtigste vor dem Kauf ist nicht die Größe, sondern die Zeit: Der Median der Lebenserwartung liegt bei 9 Jahren — weniger als der Durchschnitt großer Rassen. Kein Zuchtbuch schreibt dem Mastiff ein Gewicht vor, und eine Größe nur als Mindestmaß, ohne Obergrenze.
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Englischer Mastiff
Inhalt
1Geschichte: was tatsächlich belegt ist 2Scheu: worin Standard und Klub nicht übereinstimmen

Geschichte: was tatsächlich belegt ist

Die zuverlässig belegte Geschichte der Rasse ist kürzer, als man gemeinhin annimmt, und sie beginnt spät. Das Wort mastivus taucht erstmals in einem Rechtstext auf — der Waldassise von Woodstock aus dem Jahr 1184, von der weiter unten die Rede sein wird. Hunde dieses Typs, also große Wachhunde, sind auf den Britischen Inseln seit langem bezeugt; eine Rasse im heutigen Sinn — mit Zuchtbuch, Standard und Registrierung — entsteht jedoch erst in den 1870er und 80er Jahren mit dem Kennel Club.

Eine Episode ist tatsächlich belegt und verdient ihren Platz. In «Mourt's Relation», einer 1622 in London gedruckten Schilderung der ersten Monate der Plymouth-Kolonie, wird unter dem Eintrag zum Freitag, dem 12. Januar, erzählt, wie zwei Siedler Schilf schneiden gingen und «eine große Mastiff-Hündin und einen Spaniel» mitnahmen; die Hunde jagten einem Hirsch nach, und die Männer verirrten sich. Das ist eine echte Primärquelle und keine Nacherzählung. Doch auch hier gehört ein Vorbehalt dazu: «Mastiff» ist im Englisch des 17. Jahrhunderts eine Typbezeichnung — ein großer Wachhund —, nicht der Name einer eingetragenen Rasse. Der Hund auf der «Mayflower» ist belegt; ein «Englischer Mastiff im heutigen Sinn» ist es nicht.

Auch der dramatischste Teil der Geschichte lässt sich belegen: der Zustand der Rasse nach dem Zweiten Weltkrieg. Der FCI-Standard hält fest, dass die Rasse in Großbritannien damals fast ausgestorben war und danach Zuchtmaterial eingeführt wurde. Die Klubarchive erlauben es, genauer zu werden. Der Old English Mastiff Club beschreibt in seiner eigenen Chronik eine offene Versammlung im Jahr 1946 in London, bei der fünfzehn Menschen sich vornahmen, die Rasse zu retten; im ganzen Land ließen sich damals zwischen 20 und 30 Mastiffs auffinden, und die meisten davon waren für die Zucht bereits zu alt. Nach Darstellung der Mastiff Association blieb im Grunde eine einzige Hündin im zuchtfähigen Alter übrig: Sally of Coldblow, aus dem einzigen während des Krieges gefallenen Wurf.

Sie wurde mit einem Rüden namens Templecomb Taurus verpaart, über den die Klubchronik mit seltener Offenheit schreibt: Ob er ein Mastiff oder ein Bullmastiff war, lasse sich nicht mit Sicherheit sagen, denn sein Besitzer war bei den Bombenangriffen ums Leben gekommen und Papiere existierten nicht. Aus dieser Verpaarung fielen siebzehn Welpen, von denen einer überlebte — die Hündin Nydia of Frithend, geboren 1947. Danach wurde die Rasse mit eingeführten Hunden aufgebaut: Das Ehepaar Mellish aus Vancouver schenkte den Briten drei eng miteinander verwandte Welpen, gesondert wurde der gestromte Rüde Valient Diadem erworben, und mehrere Hunde kamen aus dem kanadischen Zwinger Heatherbelle.

Daran lässt sich ablesen, wie die Formel «zwei Hunde haben die Rasse gerettet» entsteht. Sie ist nicht erfunden, aber verkürzt: Lebende Mastiffs gab es zwanzig bis dreißig, zuchtfähig war eine einzige Hündin. Und noch etwas sollte ein Halter wissen: Die heutige Population ist aus einem sehr engen Flaschenhals hervorgegangen, weshalb die Frage der Verwandtschaft bei dieser Rasse keine theoretische ist.

Scheu: worin Standard und Klub nicht übereinstimmen

Hier liegt eine Abweichung, die man vor dem Welpenkauf kennen sollte. Der FCI-Standard formuliert streng: Ängstlichkeit ist nicht akzeptabel. Das ist eine Anforderung an den Ring — ein Hund, der sich fürchtet, soll keine Bewertung erhalten.

Der britische Rasseklub spricht in seinen Auskünften an Halter anders und offener: Scheu kommt in der Rasse vor. Und er fügt die praktische Folge hinzu — wenn ein scheuer Mastiff dort über seine Belastungsgrenze gedrängt wird, wo ein Ausweichen nicht möglich ist, kann sein Verhalten problematisch werden.

Diese beiden Aussagen widersprechen einander nicht: Der Standard beschreibt das Erwünschte, der Klub das, was in der realen Population vorkommt. Für den Käufer bedeutet das etwas sehr Konkretes: Man sollte nicht nur den Welpen kennenlernen, sondern seine Mutter — und dabei genau darauf achten, wie sie sich einem fremden Menschen gegenüber in ihrem eigenen Zuhause verhält. Ein Riese, der sich fürchtet, ist eine weit schwierigere Lage als ein ängstlicher Hund mittlerer Größe, und genau deshalb ist frühe, geduldige Sozialisierung bei dieser Rasse kein Wunsch, sondern eine Notwendigkeit.

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