Geschichte des Deutschen Schäferhundes Langstockhaar
Die Geschichte des Langstockhaar-Schäferhundes ist eng mit der des klassischen, stockhaarigen Deutschen Schäferhundes verwoben. Als Begründer der Rasse gilt Rittmeister Max von Stephanitz, der sich Ende des 19. Jahrhunderts das Ziel setzte, den idealen deutschen Gebrauchshund zu schaffen. Er wählte die besten Vertreter lokaler Hütehunde aus Deutschland aus, wobei er sich auf deren Arbeitsqualitäten, Intelligenz und Ausdauer konzentrierte. Der erste registrierte Deutsche Schäferhund war Horand von Grafrath im Jahr 1899, und im selben Jahr wurde der Verein für Deutsche Schäferhunde (SV) gegründet.
Von Anfang an traten in den Würfen Deutscher Schäferhunde gelegentlich Welpen mit längerem Fell auf. Dies war ein natürlicher Ausdruck genetischer Vielfalt. Über lange Zeit hinweg betrachtete der Rassestandard, der hauptsächlich auf Gebrauchseigenschaften und Praktikabilität ausgerichtet war, langes Fell jedoch als unerwünschtes Merkmal und manchmal sogar als Fehler. Man glaubte, dass zu langes Fell den Hund bei der Arbeit behindern, Schmutz ansammeln, nass werden und länger zum Trocknen brauchen könnte, was für Diensthunde, die oft unter schwierigen Wetterbedingungen arbeiteten, unpraktisch war. Daher wurden langhaarige Exemplare oft von der Zucht ausgeschlossen.
Trotz der offiziellen Haltung schätzten viele Liebhaber der Rasse die langhaarigen Deutschen Schäferhunde wegen ihres eindrucksvollen Aussehens und bemerkten oft ihr etwas sanfteres und ruhigeres Temperament, auch wenn dies keine allgemein anerkannte Tatsache war. Enthusiasten züchteten weiterhin langhaarige Hunde, und mit der Zeit wuchs ihre Beliebtheit, insbesondere als Begleit- und Ausstellungshunde.
Der Wendepunkt kam in den Jahren 2010–2011, als die Fédération Cynologique Internationale (FCI) den Deutschen Schäferhund Langstockhaar (Langstockhaar mit Unterwolle) offiziell als eigenständige Haarvariante innerhalb des Rassestandards anerkannte. Dies war ein großer Sieg für die Anhänger der langhaarigen Variante. Eine wichtige Bedingung für die Anerkennung war das Vorhandensein einer gut entwickelten Unterwolle, da Hunde mit sehr langem, weichem Fell ohne Unterwolle (sogenanntes „Langhaar“) aufgrund der geringeren Praktikabilität und Schutzfunktion eines solchen Fells immer noch nicht dem Standard entsprechen. Somit ist der moderne Langstockhaar-Schäferhund nicht nur ein Hund mit langem Fell, sondern ein Tier, das wie sein stockhaariger Verwandter den strengen Anforderungen des Standards entspricht.
Aussehen und Standard des Deutschen Schäferhundes Langstockhaar

Im Großen und Ganzen entspricht der Deutsche Schäferhund Langstockhaar den gleichen Kriterien des FCI-Standards Nr. 166 wie die stockhaarige Variante, mit Ausnahme der Beschreibung des Haarkleides. Er ist ein mittelgroßer, kräftiger, muskulöser Hund mit harmonischen Proportionen und edler Haltung.
Allgemeines Erscheinungsbild und Proportionen: Wie die stockhaarige ist auch die langstockhaarige Variante ein Hund von leicht gestrecktem Format, bei dem die Körperlänge die Widerristhöhe um etwa 10–17% übertrifft. Die Widerristhöhe für Rüden beträgt 60–65 cm, für Hündinnen 55–60 cm. Das Gewicht liegt bei 30–40 kg für Rüden und 22–32 kg für Hündinnen.
Kopf, Augen, Ohren: Keilförmiger Kopf, proportional zum Körper. Mandelförmige Augen von möglichst dunkler Farbe, die dem Hund einen intelligenten und selbstbewussten Ausdruck verleihen. Mittelgroße, aufrecht stehende Ohren, hoch angesetzt und nach vorne gerichtet.
Körper und Gliedmaßen: Kräftiger Körper mit gerader Rückenlinie, gut entwickeltem Widerrist und leicht abfallender Kruppe. Die Gliedmaßen sind stark, muskulös und korrekt gewinkelt, was den für die Rasse charakteristischen raumgreifenden und ausdauernden Trab ermöglicht.
Fell (Langstockhaar mit Unterwolle): Dies ist der Hauptunterschied. Der Langstockhaar-Schäferhund hat langes, dichtes, weicheres Deckhaar als die stockhaarige Variante, das jedoch nicht übermäßig seidig ist und eng am Körper anliegt, sowie eine gut entwickelte, dichte Unterwolle. Das Vorhandensein von Unterwolle ist zwingend erforderlich. Das Fell bildet charakteristische:
- Eine „Mähne“ am Hals, die recht üppig sein kann.
- „Fahnen“ (längeres Haar) an der Rückseite der Ohren und der Rückseite der Vorderläufe (vom Ellbogen bis zum Fesseln).
- Üppige „Hosen“ an der Rückseite der Oberschenkel.
- Eine sehr dichte und buschige Rute, die mindestens bis zum Sprunggelenk reicht, mit herabhängendem Haar.
Am Kopf, an der Innenseite der Ohren, an der Vorderseite der Gliedmaßen und an den Pfoten ist das Fell kürzer. Das Fell sollte nicht übermäßig lang, lockig, wellig sein oder einen Scheitel auf dem Rücken bilden. Zu weiches, seidiges oder watteartiges Fell sowie fehlende Unterwolle sind Mängel.
Farben: Die zulässigen Farben sind die gleichen wie für die stockhaarige Variante: Schwarz mit rotbraunen, braunen, gelben bis hellgrauen Abzeichen: Ein schwarzer „Sattel“ bedeckt den Rücken, die Seiten und die Oberseite der Rute. Eine schwarze Maske im Gesicht ist zwingend. Schwarz: Einfarbig schwarz. Kleine weiße Abzeichen an der Brust sind möglich, aber unerwünscht. Grau gewolkt oder rötlich gewolkt: Jedes Deckhaar hat abwechselnd helle und dunkle Zonen. Eine schwarze Maske ist obligatorisch. Weiße Färbung wird vom FCI-Standard für den Deutschen Schäferhund nicht anerkannt; Hunde mit weißer Farbe gehören zu einer eigenen Rasse – dem Weißen Schweizer Schäferhund.



