American Pit Bull Terrier

By tvaryny
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Kurz Eine Rasse mit zwei dokumentarischen Biografien: In den Registern UKC und ADBA ist sie ein arbeitender Terrier mit eigenem Standard, in der Gesetzgebung vieler Länder ein „Typ“, den man nach dem Aussehen bestimmt. Der UKC-Standard nennt Aggression gegen Menschen untypisch und disqualifiziert sie, ein gewisses Maß an Aggression gegen andere Hunde dagegen ein Merkmal der meisten Vertreter — und verlangt deshalb sorgfältige Sozialisierung und einen zuverlässigen Zaun. Lesen Sie vor der Anschaffung die geltenden Vorschriften Ihres Landes und Ihrer Stadt nach.
WohnungKinderKatzen ⚠Andere HundeAnfänger ⚠
Parameter
HöheRüde 46–53 cm, Hündin 43–51 cm
GewichtRüde 16–27 kg, Hündin 14–23 kg
Lebenserwartung12–14 Jahre
FCI-Gruppevon der FCI nicht anerkannt
HerkunftUSA
Größe
Schulterhöhe Rüde 46–53 cm, Hündin 43–51 cmGewicht Rüde 16–27 kg, Hündin 14–23 kg
Bewertungen · 12 · Dataset
FamilieKinderAnfängerErziehungEnergieGesundhe.HaarenSabbernBellenWohnungWetterJagdtrieb
Genaue Bewertungen
Familie5.0
Kinder4.5
Anfänger2.5
Erziehung4.0
Energie4.5
Gesundheit3.5
Haaren2.0
Sabbern2.0
Bellen2.5
Wohnung3.0
Wetter2.5
Jagdtrieb4.0
Häufige Krankheiten
Ernährung

Über den American Pit Bull Terrier streiten nicht nur Hundeleute, sondern auch Parlamente. In manchen Ländern wird er in Zuchtbücher eingetragen und im Ring vorgeführt, in anderen darf er nicht eingeführt werden, und der Hund wird nicht nach der Abstammung, sondern nach dem Aussehen eingeordnet. Diese Seite verteidigt die Rasse nicht und klagt sie nicht an: Sie trägt zusammen, was in den Standards der Register, in den geltenden Gesetzen von sechs Ländern und in der begutachteten Fachliteratur steht — einschließlich der Stellen, an denen diese Quellen einander widersprechen. Den Schluss zieht die Leserin oder der Leser selbst. Mehr erfahren Sie auf Tvaryny.

Rasse, Typ und Register: Wer die Bücher führt

Das Erste, was man verstehen sollte: Das Wort „Pitbull“ bedeutet je nach Sprecher etwas anderes. Für ein Hunderegister ist es eine bestimmte Rasse mit schriftlichem Standard und Zuchtbuch. Für den Gesetzgeber ist es in den meisten Ländern ein Typ — ein Hund, der auf eine bestimmte Weise aussieht, unabhängig von seiner Herkunft. Wegen dieser Diskrepanz geht die Hälfte aller Auseinandersetzungen um die Rasse gar nicht um Hunde, sondern um Definitionen.

Als Rasse führen sie zwei amerikanische Register:

  • United Kennel Club (UKC) — nach dem eigenen Text des Standards war dies das erste Register, das den American Pit Bull Terrier anerkannte. UKC-Gründer C. Z. Bennett vergab die Registriernummer 1 an seinen eigenen Pit Bull Terrier namens Bennett’s Ring, im Jahr 1898. Die Rasse ist der Terriergruppe zugeordnet; die geltende Fassung des Standards datiert vom 1. Mai 2017.
  • American Dog Breeders Association (ADBA) — nach der offiziellen Geschichte des Verbandes wurde er im September 1909 als rassenübergreifende Vereinigung gegründet; Präsident war Guy McCord, Mitbegründer Con Feeley, beide enge Bekannte von John P. Colby. 1951 ging der Verband an Frank Ferris über, 1973 erwarb ihn die Familie Ralph Greenwood. Den eigenen Formwertstandard der ADBA (Heritage) entwickelte man ab 1976 auf Wunsch von Besitzern, die weder den UKC noch den AKC kopieren wollten. Seit 2006 steht das Register auch anderen reinrassigen Hunden offen.

Und nun zu den beiden Registern, die den Pit Bull Terrier nicht führen — genau das wird am häufigsten verwechselt.

Der American Kennel Club (AKC) erkennt eine verwandte Rasse an, den American Staffordshire Terrier. Der offizielle AKC-Standard des AmStaff wurde am 10. Juni 1936 genehmigt, und eben dieses Dokument gilt mit denselben Änderungen bis heute. Es sind unterschiedliche Registrierungssysteme: Ein Hund kann UKC-Papiere als Pit Bull Terrier besitzen, sein naher Verwandter AKC-Papiere als AmStaff — formal zwei verschiedene Rassen, trotz gemeinsamer Herkunft.

Die FCI, nach deren Nomenklatur die meisten europäischen kynologischen Organisationen arbeiten, führt in Gruppe 3 „Terrier“, Sektion „Terrier vom Bullterrier-Typ“, vier Rassen auf: Bullterrier (Nr. 11), Staffordshire Bullterrier (Nr. 76), American Staffordshire Terrier (Nr. 286) und Miniatur-Bullterrier (Nr. 359). Der American Pit Bull Terrier steht nicht auf dieser Liste. Der FCI-Standard des AmStaff datiert vom 3. September 1996, Ursprungsland: USA.

Die praktische Folge für den Halter ist einfach und unerfreulich: In FCI-Ländern kann Ihr Hund keine internationale Ahnentafel als Pit Bull Terrier führen — entweder wird er als AmStaff eingetragen, oder er bleibt ohne anerkannte Papiere. Und vor dem Gesetz wirkt dieses Fehlen von Papieren, wie sich unten zeigt, häufig gegen den Hund und nicht für ihn.

Geschichte: Bull-and-Terrier, Catch Dog und die Nummer eins

Den historischen Teil des UKC-Standards sollte man als Primärquelle lesen, nicht als Nacherzählung. Er beschreibt die Herkunft so: Irgendwann im 19. Jahrhundert begannen Hundefreunde in England, Irland und Schottland, mit Kreuzungen aus Bulldoggen und Terriern zu experimentieren; gesucht war ein Hund, der die Gameness des Terriers mit Kraft und Athletik der Bulldogge verbinden sollte. Mit Auswanderern gelangten diese Bull-and-Terrier in die USA.

Danach nennt der Standard die Arbeit, um derentwillen die Rasse in Amerika tatsächlich gehalten wurde, und das ist nicht der Kampf: Farmer und Rancher setzten ihre Pit Bull Terrier als Catch Dogs an halbwildem Rind und Schwein ein, bei der Jagd, beim Treiben des Viehs und als Familienbegleiter. Ein Catch Dog findet ein großes Tier und hält es fest, bis der Mensch kommt; daher die Forderung des Standards, der Hund müsse die funktionale Fähigkeit behalten, „festzuhalten, zu ringen (schieben und ziehen) und dabei leicht zu atmen“.

Auch der europäische Hintergrund hat seinen Wendepunkt: Als das Hetzen großer Tiere 1835 gesetzlich verboten wurde, gewannen Hundekämpfe an Beliebtheit, weil sie sich leichter vor der Polizei verbergen ließen — und für die Grube (englisch pit) wählte man einen kleineren, wendigeren Hund. Aus diesem Milieu stammt die Rasse, und kein ernsthaftes Register bestreitet das: Die ADBA schreibt ausdrücklich, sie „billige keine illegale Tätigkeit, werde aber niemals die Geschichte unserer Rasse leugnen“.

Heute zählt der UKC die Disziplinen auf, in denen die Rasse startet: Unterordnung, Rally Obedience, Fährtenarbeit, Agility, Lure Coursing, Dock Jumping, Weight Pulling und Formwertprüfung. Die ADBA gibt seit 1976 das Magazin American Pit Bull Terrier Gazette heraus und veranstaltet eigene Formwertschauen nach einem Standard, der um die ursprüngliche Bestimmung der Rasse herum gebaut ist.

Erscheinungsbild und was tatsächlich im Standard steht
American Pit Bull Terrier

Der UKC-Standard beschreibt den Pit Bull Terrier als mittelgroßen, kräftig gebauten Hund mit kurzem Haar und deutlich modellierter Muskulatur. Der Körper ist nur wenig länger als hoch; die Länge des Vorderlaufs vom Ellenbogen bis zum Boden entspricht etwa der halben Widerristhöhe. Der Kopf ist mittellang, mit breitem, flachem Schädel und breitem, tiefem Fang; der Fang ist kürzer als der Schädel, im Verhältnis von etwa 2:3. Scherengebiss. Die Ohren sitzen hoch, sind klein bis mittelgroß und dürfen natürlich oder kupiert sein — ohne Bevorzugung. Die Rute ist verhältnismäßig kurz, tief angesetzt und läuft zur Spitze hin aus.

Das Wichtigste an diesem Standard ist nicht die Beschreibung, sondern das, wogegen er geschrieben ist. Der Text warnt ausdrücklich: „Qualität sollte niemals der Größe geopfert werden“, und der UKC „ist nicht bereit, die Angemessenheit der Verwendung übertriebener Vertreter dieser Rasse in einem Zuchtprogramm anzuerkennen“. Zu den ausschließenden Fehlern zählen: ein Fang, der so kurz und stumpf ist, dass er die normale Atmung behindert; eine Brust, die so breit ist, dass sie die Bewegung behindert; ein übermäßig massiger Körpertyp, der die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt. Der modische „schwere“ Pitbull mit hypertrophiertem Kopf ist also nicht die Krone der Rasse, sondern genau das, was der Standard einen Fehler nennt.

Größe und Gewicht — getrennt für Rüden und Hündinnen. Der Standard betont, dass die Gesamtharmonie und das richtige Verhältnis von Gewicht zu Größe wichtiger sind als die Zahlen selbst, und gibt die Größe „nur als allgemeinen und ungefähren Anhaltspunkt“ an:

MerkmalUKC-Standard — American Pit Bull TerrierAKC-Standard — American Staffordshire Terrier
Größe, Rüde18–21 Zoll Widerristhöhe (≈46–53 cm), als ungefährer Anhaltspunktetwa 18–19 Zoll (≈46–48 cm)
Größe, Hündin17–20 Zoll Widerristhöhe (≈43–51 cm), als ungefährer Anhaltspunktetwa 17–18 Zoll (≈43–46 cm)
Gewichterwünscht für den erwachsenen Rüden 35–60 Pfund (≈16–27 kg), für die Hündin 30–50 Pfund (≈14–23 kg)keine Zahlen: „Größe und Gewicht sollen im Verhältnis stehen“
Ohrennatürlich oder kupiert, ohne Bevorzugungkupiert oder unkupiert, Bevorzugung der unkupierten
Rutenatürlich; kupierte Rute („bobbed tail“) — ausschließender Fehler„wird nicht kupiert“
Farbenjede Farbe und jede Zeichnung außer Merlealle zugelassen, doch einfarbig Weiß, mehr als 80 % Weiß, Schwarz mit Brand und Leberfarbe „sind nicht zu fördern“
DisqualifikationenKryptorchismus, Bösartigkeit oder übermäßige Ängstlichkeit, Albinismus, Merle, ein- oder beidseitige Taubheit, langes Haar, Zwergwuchs, Korkenzieherrutekeine gesonderte Liste von Disqualifikationen; aufgeführt sind Fehler

Zwei Zeilen dieser Tabelle verdienen aufmerksame Lektüre. Erstens ist Merle disqualifizierend, ebenso wie Albinismus: Ein „seltener Merle-Pitbull“ ist keine Seltenheit, sondern ein Hund, den der Standard nicht anerkennt. Zweitens steht in der Liste der Disqualifikationen die Taubheit, ein- oder beidseitig. Ein Register nimmt nicht in die Disqualifikationen auf, was in der Rasse nicht vorkommt; dass dieser Punkt vorhanden ist, bedeutet, dass das Problem real genug ist, um eigens festgehalten zu werden. Blaue Augen ordnet der Standard den schweren Fehlern zu.

Unter Liebhabern spricht man gern vom „Bulldoggen-“ und vom „Terrier-Typ“ — dem schwereren und dem leichteren Hund. Der Standard nimmt diese Einteilung nicht vor und ahndet die Extreme auf beiden Seiten. Zum Kupieren merkt der UKC als internationales Register eigens an, dass diese Praxis in mehreren Ländern verboten ist und deshalb kein Hund bei UKC-Veranstaltungen für eine vollständige Rute oder natürliche Ohren benachteiligt werden darf.

Wesen, „Gameness“ und was die Tests messen
Pit Bull Charakter

Der Abschnitt „Characteristics“ des UKC-Standards ist der kürzeste Weg zu dem, was das Register selbst von der Rasse erwartet. Geben wir seinen Inhalt fast wörtlich wieder, denn jede Nacherzählung verschiebt die Akzente:

  • wesentliche Merkmale sind Kraft, Selbstvertrauen und Lebensfreude; die Rasse will gefallen und ist voller Begeisterung;
  • Pit Bull Terrier „sind ausgezeichnete Familienbegleiter und fielen stets durch ihre Liebe zu Kindern auf“;
  • „da die meisten APBT ein gewisses Maß an Hundeaggression zeigen und wegen ihres kräftigen Körperbaus braucht die Rasse einen Halter, der den Hund sorgfältig sozialisiert und im Gehorsam ausbildet“;
  • „ihre natürliche Wendigkeit macht sie zu einem der fähigsten Kletterer unter den Hunden, ein zuverlässiger Zaun ist für diese Rasse deshalb unerlässlich“;
  • „der APBT ist nicht die beste Wahl als Wachhund, denn er ist außerordentlich freundlich, selbst zu Fremden“;
  • „aggressives Verhalten gegenüber Menschen ist für die Rasse untypisch und höchst unerwünscht“; Bösartigkeit oder übermäßige Ängstlichkeit führen zur Disqualifikation.

Das Register selbst trennt also zwei Dinge, die im Alltagsgespräch ständig vermengt werden: die Aggression gegen den Menschen, die der Standard für untypisch hält und disqualifiziert, und die Aggression gegen andere Hunde, die derselbe Standard als Merkmal der meisten Vertreter der Rasse bezeichnet. Das ist weder Beschönigung noch Anklage — es ist der Wortlaut des Dokuments, nach dem die Rasse im Ring beurteilt wird.

Auch das Wort „Gameness“ stammt aus den Standards und nicht aus der Folklore: Der UKC verwendet es, um das Ziel der ursprünglichen Kreuzungen zu beschreiben, die ADBA, um zu beschreiben, was sie für das Wesen der Rasse hält („niemals aufgeben, immer 110 % geben“). Die praktische Seite dieses Merkmals ist neutral: Ein Hund, der Begonnenes nicht aufgibt, arbeitet gut im Weight Pulling und im Sport — und gibt Begonnenes ebenso wenig auf, wenn es zum Konflikt mit einem anderen Hund kommt.

Der Wesenstest ATTS. Die am häufigsten zitierte Zahl zum Charakter der Pitbulls ist die Bestehensquote im Test der American Temperament Test Society. Nach der ATTS-Statistik mit Stand Januar 2023 gilt für den American Pit Bull Terrier: 960 Hunde getestet, 841 bestanden, also 87,6 %; für den Golden Retriever: 836 getestet, 718 bestanden, also 85,9 %. Bevor man daraus einen Schluss zieht, sollte man lesen, was der ATTS tatsächlich misst:

  • der Test dauert acht bis zwölf Minuten und simuliert einen Spaziergang im Park; der Hund läuft an lockerer, sechs Fuß langer Leine, und der Führer darf nicht mit ihm sprechen, ihm Kommandos geben oder ihn korrigieren;
  • zehn Untertests: neutraler Fremder, freundlicher Fremder, verborgenes Geräusch (ein Eimer mit Steinen), drei Schüsse aus einer Schreckschusspistole, ein plötzlich geöffneter Schirm, Kunststoff- und Drahtuntergrund unter den Pfoten, ein seltsam gekleideter Passant und Szenen mit zunehmender Bedrohung;
  • als Nichtbestehen gilt unprovozierte Aggression, Panik ohne Erholung oder starkes Ausweichen; zugelassen sind Hunde ab 18 Monaten;
  • unter den Untertests gibt es keinen einzigen, in dem der Hund einem anderen Hund begegnet. Genau das Merkmal also, das der UKC-Standard als rassetypisch bezeichnet, wird von diesem Test überhaupt nicht geprüft.

Hinzu kommt, dass die Hunde von ihren Besitzern freiwillig vorgestellt werden — das ist keine Zufallsstichprobe aus der Rassepopulation, sondern eine Stichprobe derer, die ihr Halter für bereit hielt. Die Zahl 87,6 % ist genau in den Grenzen ehrlich, in denen sie gewonnen wurde: Sie betrifft die Reaktion auf Menschen und Reize unter bestimmten Bedingungen, nicht die Wahrscheinlichkeit eines Konflikts auf der Hundewiese.

Einen eigenen begutachteten Befund liefert die deutsche Untersuchung von Ott u. a. (2009). Bullterrier einer Linie wurden nach der Methodik der niedersächsischen Gefahrtierverordnung getestet: Von 38 Hunden reagierten 37 (97,37 %) in allen Testsituationen angemessen, einer unangemessen. Einen statistisch signifikanten Unterschied zwischen ihnen, 415 Hunden der von der Gesetzgebung erfassten Rassen und 70 Golden Retrievern fanden die Autoren nicht.

Identifizierung: Warum der „Pitbull“ im Protokoll und der Pitbull in der DNA zweierlei sind

Das ist der am wenigsten bekannte und zugleich wichtigste Teil des Themas. Fast alle Gesetze über Pitbulls und fast die gesamte Bissstatistik beruhen darauf, dass ein Mensch einen Hund angesehen und eine Rasse benannt hat. Begutachtete Untersuchungen haben geprüft, wie zuverlässig dieser Vorgang ist — und das Ergebnis fällt jedes Mal gleich aus.

  • Olson u. a., The Veterinary Journal, 2015. Vier Tierheime, 16 Mitarbeitende, 120 Hunde. Visuell ordnete das Personal 62 Hunde (52 %) dem Typ „Pitbull“ zu, der DNA-Test dagegen nur 25 (21 %). Übereinstimmung zwischen den Beurteilenden: 76–83 % (Kappa 0,44–0,52, also mäßig); die Sensitivität der visuellen Bestimmung schwankte zwischen 33 % und 75 %, die Spezifität zwischen 52 % und 100 %. Der Schluss der Autoren wörtlich: Die visuelle Identifizierung von Hunden des Typs „Pitbull“ ist unzuverlässig.
  • Voith u. a., Journal of Applied Animal Welfare Science, 2009. 20 Hunde aus 17 verschiedenen Einrichtungen. Bei 87,5 % der Hunde, denen eine Einrichtung bestimmte Rassen zugeschrieben hatte, wies die DNA-Analyse nicht alle genannten Rassen nach.
  • Hoffman u. a., ebenda, 2014. Mitarbeitenden von Tierheimen in den USA und Großbritannien wurden Fotos von 20 Hunden vorgelegt. Die britischen Teilnehmenden nannten häufig Staffordshire Bullterrier dieselben Hunde, die die amerikanischen für Pitbulls hielten. Gesondert: 41 % der Befragten, die unter Rasseverboten arbeiten, gaben zu, sie würden einen Hund einer beschränkten Rasse wissentlich unter einem anderen Namen erfassen.
  • Gunter u. a., PLOS ONE, 2018. 919 Hunde aus zwei großen Tierheimen, genetisch getestet. Reinrassig waren 4,9 %. Das Personal erriet in 67,7 % der Fälle wenigstens eine Rasse aus dem tatsächlichen Satz, doch sobald mehr als eine zu benennen war, sank die Trefferquote auf 10,4 %.

Legen Sie das nun über die Gesetzestexte. Die amtliche britische Handreichung formuliert das Kriterium ohne Andeutungen: Ob Ihr Hund einem verbotenen Typ angehört, „hängt davon ab, wie er aussieht, und nicht von seiner Rasse oder seinem Namen“. Das spanische Real Decreto 287/2002 beschreibt den potenziell gefährlichen Hund in Anhang II rein morphologisch — kräftige Muskulatur, kraftvolles athletisches Erscheinungsbild, kurzes Haar, Brustumfang 60–80 cm, Widerristhöhe 50–70 cm, Gewicht über 20 kg, voluminöser, quaderförmiger Kopf mit breitem Schädel — und wendet dies auf einen Hund an, der „alle oder die meisten“ dieser Merkmale aufweist. Das deutsche Bundesgesetz erstreckt das Einfuhrverbot auf die vier genannten Rassen „sowie deren Kreuzungen untereinander oder mit anderen Hunden“.

Der juristische Begriff deckt sich also mit eben jenem visuellen Urteil, dessen Unzuverlässigkeit in den zitierten Untersuchungen gemessen wurde. Für den Halter bedeutet das etwas ganz Konkretes: Das Risiko hängt nicht nur von der tatsächlichen Abstammung des Hundes ab, sondern davon, wie ein Außenstehender ihn einschätzt — ein Beamter, ein Vermieter, ein Versicherer, eine Tierheimmitarbeiterin. Und es wirkt in beide Richtungen: Ein Mischling ohne einen einzigen Pitbull in der Ahnenreihe kann sämtliche Beschränkungen erhalten, ein Hund mit Pitbull-Abstammung dagegen keine.

Das Recht: Wo und wie die Rasse beschränkt ist
Was begutachtete Studien über Bisse und Verbote zeigen
Erziehung und Ausbildung
Pit Bull Training

Der UKC-Standard formuliert die Anforderung an den Halter als Pflicht, nicht als Wunsch: Die Rasse braucht einen Menschen, der sie sorgfältig sozialisiert und im Gehorsam ausbildet. Zwei konkrete Punkte aus demselben Text setzen das praktische Minimum.

  • Der Zaun. Der Standard nennt die Rasse einen der fähigsten Kletterer unter den Hunden und sagt ausdrücklich, ein zuverlässiger Zaun sei unerlässlich. Es geht nicht um das Ausbüxen an sich — es geht darum, dass ein Hund, der vom Grundstück verschwunden ist, allein fremden Tieren und Menschen gegenübersteht.
  • Gehorsam unter Erregung. Da der Standard ein gewisses Maß an Hundeaggression für ein Rassemerkmal hält, ist die Schlüsselkompetenz nicht das „Sitz“ in Ruhe, sondern ein zuverlässiger Rückruf und das Abbrechen des Kontakts, wenn der Hund bereits erregt ist.

Die Rasse arbeitet gut mit positiver Verstärkung in Verbindung mit klaren und gleichbleibenden Grenzen. Übermäßiger Druck führt entweder zum Rückzug oder zu einer Abwehrreaktion — beides verschlechtert die Kontrollierbarkeit genau in dem Moment, in dem sie gebraucht wird.

Rassespezifische Hilfsmittel. Der „Spring Pole“ — ein an einem stabilen Ast oder Balken aufgehängtes Seil an einer Feder — bietet dem Bedürfnis, Beute festzuhalten, ein legales und kontrolliertes Ventil; der „Flirt Pole“ (eine lange Rute mit Reizangel) eignet sich gut, um die Kommandos „Nimm“ und „Aus“ zu üben und überschüssige Energie rasch abzubauen. Beide Geräte ergeben nur mit der Regel Sinn, dass Start und Ende auf Kommando des Menschen erfolgen: Das Hilfsmittel soll den Hund lehren, sich ein- und auszuschalten, und ihn nicht bloß hochfahren.

Gesondert zur Hundewiese. Angesichts dessen, was im Standard über Hundeaggression steht, ist der gemeinsame Auslauf mit fremden Hunden für einen erwachsenen Pit Bull Terrier keine neutrale Voreinstellung, sondern eine Entscheidung, die jedes Mal neu getroffen wird — in Kenntnis des konkreten Hundes.

Körperliche Auslastung: mehr als nur ein Spaziergang
Aktiver Pit Bull

Eine halbe Stunde ruhiges Gehen am Morgen reicht dieser Rasse nicht. Der Standard beschreibt einen Hund, der für eine Arbeit gebaut ist, die Kraft mit Ausdauer verbindet; ohne Aufgabe sucht sich diese Konstruktion selbst eine Verwendung — meist in Gestalt zerstörter Gegenstände und wachsender Erregbarkeit.

Der Vergleich mit anderen Arbeitstypen macht den Unterschied deutlich. Der English Foxhound ist für die lange Verfolgung auf der Fährte gebaut — seine Ausdauer ist vor allem Laufausdauer. Der Pit Bull Terrier verbindet Laufausdauer mit Kraftausdauer; er braucht deshalb nicht Kilometer an sich, sondern Muskelarbeit: Bergauflaufen, Schwimmen, Ziehen, kontrollierte Haltespiele. Riesenrassen arbeiten anders: Der Irische Wolfshund arbeitet trotz Größe und Kraft in kurzen Sprints und ist im Alltag deutlich ruhiger.

Zwei Einschränkungen, die oft vergessen werden. Erstens: Die Rasse hat keine Unterwolle, verträgt Kälte also schlecht, und kurzes Haar wie dunkles Pigment schützen nicht vor Hitze — der Hitzschlag ist bei intensiver Arbeit im Sommer ein durchaus reales Risiko. Zweitens: Einem jungen Hund darf man keine Stoßbelastungen zumuten — Sprünge aus der Höhe, langes Laufen auf hartem Untergrund —, solange die Gelenkbildung nicht abgeschlossen ist.

Ernährung
Gesundheit: was dokumentiert ist
Interessante Fakten über die Rasse
  • Registriernummer 1. UKC-Gründer C. Z. Bennett vergab die allererste Eintragung in der Geschichte des Clubs an seinen eigenen Pit Bull Terrier Bennett’s Ring, im Jahr 1898 — mit dieser Rasse begann also das gesamte Register.
  • Ein Hund, der an Wänden klettert. Das ist keine Großstadtlegende, sondern eine Zeile des Standards: Der UKC nennt die Rasse einen der fähigsten Kletterer unter den Hunden und verlangt deshalb einen zuverlässigen Zaun.
  • Ein schlechter Wachhund — laut amtlichem Dokument. Derselbe Standard sagt ausdrücklich, der Pit Bull Terrier sei nicht die beste Wahl für die Rolle des Wachhundes, weil er selbst zu Fremden zu freundlich ist.
  • Merle ist nie „selten“. Der UKC-Standard akzeptiert jede Farbe und jede Zeichnung außer Merle, und Merle wie Albinismus sind ausdrücklich in die Disqualifikationen aufgenommen.
  • Gemeinsame Geschichte, getrennte Dokumente. Der AKC-Standard für den American Staffordshire Terrier wurde am 10. Juni 1936 genehmigt und gilt bis heute; die FCI führt den AmStaff unter der Nummer 286 in der Terriergruppe, während der Pit Bull Terrier in ihrer Nomenklatur überhaupt nicht vorkommt.
  • Sergeant Stubby. Den bekanntesten vierbeinigen Teilnehmer des Ersten Weltkriegs, der Soldaten vor Gasangriffen warnte, führt man traditionell unter den berühmten Pitbulls auf. Man sollte im Blick behalten, dass er keinerlei Ahnentafel besaß — und gerade diese Geschichte veranschaulicht das Thema der ganzen Seite: Die Rasse wird einem Hund nach seinem Aussehen zugeschrieben.
Vorteile Pit Bull
Video über die Rasse
Vorteile
  • Bindung an die Familie; der UKC-Standard hebt Freundlichkeit selbst gegenüber Fremden hervor
  • Hohe Lernfähigkeit und Eignung für den Sport — vom Weight Pulling bis zum Agility
  • Kurzes Haar, minimaler Pflegeaufwand
  • Ausführlicher öffentlicher Standard mit klaren Wesensanforderungen
Nachteile
  • Ein gewisses Maß an Aggression gegen andere Hunde — laut Standard ein Merkmal der meisten Vertreter
  • Rechtliche Beschränkungen je nach Land: Einfuhrverbot, Genehmigung, Maulkorb, Kastration
  • Braucht täglich eine sinnvolle Auslastung und einen zuverlässigen Zaun
  • Keine Unterwolle: verträgt Kälte schlecht, im Sommer steigt das Hitzschlagrisiko
Vergleich mit ähnlichen Rassen
American Staffordshire TerrierStaffordshire BullterrierBoxer
Höhe43–48 cm36–41 cm53–63 cm
Energie4.54.54.5
Wohnung343
Anfänger2.533.5
Häufige Fragen
Sind Pitbulls aggressiv gegenüber Menschen?
Der UKC-Standard nennt aggressives Verhalten gegenüber Menschen untypisch für die Rasse und höchst unerwünscht und führt Bösartigkeit oder übermäßige Ängstlichkeit unter den Disqualifikationen. Nach der Statistik des Wesenstests ATTS (Januar 2023) bestanden 841 von 960 Hunden — 87,6 %; beim Golden Retriever 718 von 836 — 85,9 %. Wichtig: Die Hunde werden von ihren Besitzern freiwillig vorgestellt, und unter den zehn Untertests gibt es keinen mit einer Begegnung mit einem anderen Hund.
Kann man einen Pit Bull Terrier mit anderen Hunden halten?
Der UKC-Standard hält fest, dass die meisten Vertreter der Rasse ein gewisses Maß an Hundeaggression zeigen, und verlangt eben deshalb sorgfältige Sozialisierung und Gehorsamsausbildung. Das plant man voraus: getrennte Fütterung, Ressourcenkontrolle, ein zuverlässiger Zaun, Arbeit am Rückruf.
Wo ist die Rasse verboten oder eingeschränkt?
Deutschland verbietet Einfuhr und Verbringen von Hunden vier Rassen (Pitbull-Terrier, American Staffordshire-Terrier, Staffordshire-Bullterrier, Bullterrier) und ihrer Kreuzungen. Im Vereinigten Königreich fällt der Typ pit bull terrier unter Art. 1 des Dangerous Dogs Act 1991 und erfordert eine Ausnahmebescheinigung. In Frankreich gehört ein solcher Hund ohne Ahnentafel zur 1. Kategorie: Verkauf und Schenkung verboten, Kastration Pflicht. In Spanien steht die Rasse in Anhang I des Real Decreto 287/2002, in Polen an erster Stelle der Liste aggressiver Rassen (Verordnung des Innenministeriums vom 28.04.2003).
Welche Regeln gelten in Deutschland?
Der Bund regelt die Grenze: Nach § 2 Abs. 1 HundVerbrEinfG dürfen Hunde der vier genannten Rassen „sowie deren Kreuzungen untereinander oder mit anderen Hunden“ nicht ins Inland eingeführt oder verbracht werden; für Hunde weiterer Rassen gelten die Vorschriften des jeweiligen Landes, weshalb die Antwort vom Bundesland abhängt. Das Bundesverfassungsgericht hat am 16. März 2004 (1 BvR 1778/01) das Einfuhrverbot bestätigt, das bundesrechtliche Zuchtverbot und § 143 Abs. 1 StGB dagegen mangels Gesetzgebungskompetenz für nichtig erklärt.
Warum kann mein Hund als Pitbull eingestuft werden, obwohl er ein Mischling ist?
Weil das Gesetz meist einen Typ beschreibt und keine Rasse: Die amtliche britische Handreichung sagt ausdrücklich, die Zugehörigkeit zu einem verbotenen Typ hänge davon ab, wie der Hund aussieht, und nicht von seiner Rasse oder seinem Namen. Die Verlässlichkeit dieser Einschätzung wurde gemessen: Bei Olson u. a. (The Veterinary Journal, 2015) ordnete das Tierheimpersonal 52 % der Hunde dem Typ „Pitbull“ zu, die DNA-Analyse dagegen 21 %.
Wird die Rasse von FCI und AKC anerkannt?
Nein. In Gruppe 3 „Terrier“ der FCI-Nomenklatur stehen Bullterrier (Nr. 11), Staffordshire Bullterrier (Nr. 76), American Staffordshire Terrier (Nr. 286) und Miniatur-Bullterrier (Nr. 359) — der American Pit Bull Terrier fehlt dort. Der AKC führt den AmStaff, dessen offizieller Standard am 10. Juni 1936 genehmigt wurde. Den Pit Bull Terrier registrieren der UKC (erste Registrierung: Bennett's Ring, 1898) und die ADBA (gegründet im September 1909).
Quellen

UKC standard 2017 · AKC · FCI · ADBA · ATTS 2023 · JAVMA 2013 · Vet Rec 2026

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