Der Moskauer Wachhund (Moscow Watchdog) gehört zu den wenigen Rassen, bei denen nicht nur ungefähr bekannt ist, woher sie stammen, sondern auch, wer sie auf wessen Befehl und nach welchem Pflichtenheft geschaffen hat. Es ist eine planmäßig gezüchtete Diensthundrasse aus dem Zuchtzwinger „Roter Stern“ der Zentralen Schule für Militärkynologie; die Unterlagen dieser Zuchtarbeit — Beschreibungen der ersten Würfe, Vermessungen der ersten Zuchttiere, fünf Fassungen des Standards — sind erhalten und veröffentlicht. Auf sie stützt sich dieser Text, nicht auf die Überlieferung der Vereine. Mehr über Hunde und ihre Rassen finden Sie auf Tvaryny.
Anerkennungsstatus: Was es gibt und was nicht
Das ist der Punkt, an dem der Rasse am häufigsten mehr zugeschrieben wird, als tatsächlich vorhanden ist. Deshalb der Reihe nach.
Was es gibt. Der Moskauer Wachhund ist eine anerkannte nationale Rasse im System der Russischen Kynologischen Föderation. Der geltende Standard vom 23.04.2008 ist von der RKF im Abschnitt der Standards der zweiten Gruppe veröffentlicht; seine Übernahme durch das Departement für Tierzucht und Zuchtwesen des zuständigen Ministeriums steht im Standardtext selbst. Die Rasse hat einen Nationalen Rasseclub, monorassige Ausstellungen, ein Titelsystem und Zuchtlinien, die auf Orslan zurückgehen.
Was es nicht gibt. In der Nomenklatur der Fédération Cynologique Internationale (FCI) kommt die Rasse nicht vor. Die FCI-Rasseliste unter dem Buchstaben M enthält weder „Moscow Watchdog“ noch „Moskovskaya Storozhevaya“; auch unter den vorläufig anerkannten Rassen fehlt sie. Die Folge ist einfach: Auf FCI-Ausstellungen kann sie als anerkannte Rasse weder CACIB noch internationale Titel erringen, und RKF-Ahnentafeln haben für sie nicht den Status von Papieren einer FCI-anerkannten Rasse.
Das aufschlussreichste Detail. Der Nationale Rasseclub veröffentlicht als eigenes Dokument den „an die FCI gerichteten Standard“ — eine englischsprachige Fassung im FCI-Format, übersetzt von O. Schebarowa unter der Redaktion von E. Jerusalimski. Im Kopf dieses Dokuments steht „FCI-Standard Nr.: 000“ und „DATE OF PUBLICATION OF THE OFFICIAL VALID STANDARD: 00.00.0000“. Der Antrag ist also nach internationaler Vorlage abgefasst, die Standardnummer darin ein leerer Platzhalter. Genauer lässt sich die Frage nach der Anerkennung nicht beantworten: Das Dokument ist eingereicht, eine Nummer gibt es nicht.
Eine Feinheit, die viele in die Irre führt: Im russischen Text des Standards selbst steht die Zeile „FCI-Klassifikation: Gruppe 2, Sektion 2.2 Molossoide, ohne Arbeitsprüfung“. Das ist die Klassifikation, welche die Autoren des Standards für die Rasse im Antrag vorgeschlagen haben, und kein Eintrag im Register der FCI. Wenn Ihnen der Satz begegnet, die Rasse gehöre zur 2. Gruppe der FCI, dann stammt er genau von dort — aus dem Text des Antrags und nicht aus der Nomenklatur.
Auch die Formulierung „ohne Arbeitsprüfung“ verdient einen Kommentar: Für Ausstellungstitel wird keine Arbeitsprüfung verlangt — bei einer Wachhundrasse klafft damit eine spürbare Lücke zwischen Bestimmung und dem, was im Ring tatsächlich geprüft wird. Eine Gebrauchshundklasse gibt es auf RKF-Ausstellungen zwar, die Meldung dorthin ist aber freiwillig: Nötig sind von der RKF anerkannte Leistungsnachweise einheitlichen Musters (Grundgehorsam plus Schutzdienst oder Wachdienst).
Interessante Fakten über die Rasse

- „Roter Stern“ züchtete nicht eine Rasse heraus, sondern vier gleichzeitig: Moskauer Wachhund, Russischer Schwarzer Terrier, Moskauer Neufundländer und Moskauer Dogge. Zwei davon haben nicht überdauert — der Moskauer Neufundländer ging im Bestand der Neufundländer auf, ohne je die Zertifizierung als Rassegruppe erreicht zu haben.
- In den ersten beiden Generationen kamen im Bestand kaukasische Farben vor: Grau, Wolfsgrau und Falb. In der Zucht wurden Hündinnen aller Farben eingesetzt, Rüden dagegen ausschließlich rot-scheckige. So wurde die Rassefarbe binnen weniger Generationen gefestigt.
- Die obligatorischen weißen Abzeichen — Brust, Vorderläufe bis zum Ellenbogen, Hinterläufe bis zum Unterschenkel und Rutenspitze — erschienen im Standard von 1985 zunächst als „bevorzugt“ und wurden erst ab 1997 „obligatorisch“. Der Clubkommentar sagt es unumwunden: Die Festigung dieses Merkmals hat 12 Jahre Zuchtarbeit gekostet.
- Von der Fédération Cynologique Internationale (FCI) ist die Rasse bis heute nicht als eigenständige Rasse auf weltweiter Ebene anerkannt. Der englischsprachige Standard, der für die Einreichung bei der FCI vorbereitet wurde, trägt im Kopf bis heute eine leere Nummer — „FCI-Standard Nr.: 000“.
- Auf der Suche nach einem eigenen Erscheinungsbild wurden der jungen Rasse eine Zeit lang Ohren und Ruten kupiert — davon ist man abgekommen, und der heutige Standard verlangt natürliche Hängeohren und eine lange, behaarte Rute.
Praktische Fragen des Halters · 5
Ist der Moskauer Wachhund für Kinder sicher?
Der Standard beschreibt die Rasse als ihrem Herrn und der ganzen Familie ergeben, ohne unmotivierte Aggression; Ängstlichkeit und übermäßige Erregbarkeit disqualifizieren, eine instabile Psyche scheidet also aus der Zucht aus. Rechnen Sie zugleich mit den Ausmaßen: Ganz kleine Kinder sollte man mit dem Hund nicht allein lassen, weil er ein Kind versehentlich umstoßen kann. Die Sicherheit ergibt sich hier aus Erziehung und Aufsicht und nicht aus einer angeblichen rassetypischen Begabung zum Kindermädchen.
Darf man diesen Hund an der Kette halten?
Kategorisch nein. Dauernde Kettenhaltung zerstört die Psyche dieses klugen Tieres: Der Hund wird verbittert oder depressiv. Zeitweiliges Anbinden ist zulässig — etwa wenn Gäste kommen oder das Tor zur Ausfahrt offen steht —, doch die meiste Zeit muss sich der Hund frei im Zwinger oder auf dem Hof bewegen können. Das ist nicht nur eine ethische Erwägung: Instabiles Verhalten ist bei dieser Rasse ein disqualifizierender Fehler.
Wie viel frisst ein erwachsener Hund?
Viel — es handelt sich um einen Hund, der bei den Rüden ab 55 kg wiegt. Wichtiger als die Menge ist das Regime: Die Tagesration wird auf mindestens zwei Mahlzeiten aufgeteilt, der Napf steht auf dem Boden und nicht auf einem Ständer, und nach dem Fressen bekommt der Hund Ruhe. Im Winter steigt bei einem Hund in Außenhaltung der Energiebedarf.
Ist die Augenpflege aufwendig?
Die Augen sind die Schwachstelle der Rasse, und das liegt in ihrer Herkunft: Lose, hängende Lider sind schon bei den Gründertieren der Rassegruppe 1955 und 1956 beschrieben, und jede Fassung des Standards von 1958 bis zur geltenden ahndet „lose Lider“ als Fehler. Regelmäßige Kontrolle ist Pflicht. Beachten Sie die Grenze: Hygiene hilft bei gewöhnlicher Verschmutzung, während anhaltendes Tränen, Blinzeln und Rötung zum tierärztlichen Augenspezialisten gehören, denn ein Entropium wird chirurgisch behandelt.
Wonach sollte man den Züchter vor dem Kauf fragen?
Nach vier Dingen. Erstens nach den Lidern der Elterntiere: ob sie „lose“ waren, ob operiert wurde. Zweitens, ob es bei Eltern oder nächsten Verwandten Episoden einer Magendrehung gab — ein Verwandter ersten Grades mit solcher Vorgeschichte erhöht das Risiko signifikant. Drittens, ob Röntgenaufnahmen der Gelenke mit offiziellem Befund vorliegen: Das Zulassungssystem der RKF verlangt sie nicht, sie sind daher Gegenstand einer gesonderten Absprache. Viertens nach dem Inzuchtkoeffizienten des Wurfes und den Ahnen, über die er zustande kommt.
