Die Geschichte der Rasse: Von den Wikingern bis heute
Die Geschichte dieser Rasse ist untrennbar mit der Besiedlung Islands selbst verbunden. Diese Hunde tauchten etwa zwischen 874 und 930 n. Chr. auf der Insel auf. Es gibt eine bestätigte Theorie, dass sie zusammen mit den ersten Siedlern - den Wikingern - in dieses raue Gebiet kamen, die ihre spitzartigen Hunde aus Skandinavien mitbrachten. Die Vorfahren des modernen Islandhundes hatten wahrscheinlich gemeinsame Wurzeln mit den Ahnen des Norwegischen Buhunds, da die Wikinger oft zwischen diesen Gebieten reisten.
Über Jahrhunderte lebten die Hunde in völliger Isolation vom Rest der Welt. Dies ermöglichte es der Rasse, sich in reiner Form ohne Einkreuzung fremden Blutes zu entwickeln. In den rauen klimatischen Bedingungen überlebten nur die stärksten, klügsten und ausdauerndsten Exemplare. Der Hund war bei der lokalen Bevölkerung sehr beliebt und wurde zu einem lebensnotwendigen Element des bäuerlichen Lebens. Er wurde als Hütehund eingesetzt: Virtuos lenkte er Schafherden in unwegsamem Gelände, suchte verirrte Lämmer in den Bergen und brachte sie nach Hause.
Im Mittelalter gelangten diese Hunde, wiederum dank der Handelswege der Wikinger und späterer Kaufleute, nach Europa. Der Islandhund gewann schnell an Beliebtheit beim Adel. Es ist bekannt, dass die englische Aristokratie und schwedische Herrscher diese „exotischen“ flauschigen Hunde sehr schätzten. Ende des 17. Jahrhunderts war der Hund in ganz Europa bereits als „Hund aus Island“ oder „Friaar Dog“ bekannt.
Bedrohung und Rettung
Doch die Geschichte der Rasse hat auch tragische Seiten. Im 19. Jahrhundert brach in Island eine schreckliche Staupe-Epidemie und später Echinokokkose (eine parasitäre Erkrankung) aus, die nicht nur die Existenz der Hunde, sondern auch der Menschen bedrohte. In dieser Zeit erließ die Regierung ein strenges Gesetz zur Begrenzung der Hundeanzahl auf jeder Farm, und in Reykjavík war die Hundehaltung gänzlich verboten (dieses Verbot beeinflusst teilweise bis heute die Kultur der Tierhaltung in der isländischen Hauptstadt).
In verschiedenen Ecken Islands verblieben buchstäblich nur einzelne Exemplare dieser Hunde. Die Population stand am Rande des genetischen Kollapses. Mitte des 20. Jahrhunderts zählte man weltweit nur etwa 35–40 reinrassige Tiere. Die Rettung kam dank der Bemühungen von Enthusiasten, insbesondere Mark Watson, der Island bereiste und überlebende Hunde für die Zucht aufkaufte. Den Liebhabern dieser Rasse gelang es schließlich, sie zu bewahren und für eine weitere Verbreitung zu sorgen. 1898 wurde in Dänemark der erste Rassestandard offiziell angenommen, obwohl die vollständige Erholung erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts stattfand.
Wie sieht der Islandhund aus: Beschreibung und Standards

Der Islandhund ist ein klassischer nordischer Spitz: von kleiner Größe (etwas kleiner als der Durchschnitt), kompakt und fast quadratisch im Format. Er strahlt Energie und Ausdauer aus. Der Geschlechtsdimorphismus ist deutlich ausgeprägt: Rüden wirken maskuliner und massiver, Hündinnen feiner.
- Kopf: Passt harmonisch zum Körper, hat von oben betrachtet die Form eines Dreiecks. Der Schädel ist breit und leicht gewölbt. Der Übergang von der Stirn zur Schnauze (Stop) ist gut ausgeprägt, aber nicht abrupt.
- Schnauze: Kurz, gerade, verjüngt sich allmählich zur Nase hin, ist aber nicht spitz. Die Lippen liegen eng an, sind schwarz oder dunkelbraun (je nach Fellfarbe).
- Augen: Klein, mandelförmig oder rund, von dunkler Farbe. Der Blick ist intelligent, lebhaft und fröhlich (das „Markenzeichen-Lächeln“ des Isländers).
- Ohren: Stehend, mittelgroß, dreieckig und sehr beweglich. Sie reagieren auf das kleinste Geräusch. Die Spitzen sind leicht abgerundet.
- Hals: Mittellang, muskulös, ohne Wamme, hoch angesetzt, was dem Hund ein stolzes Aussehen verleiht.
- Körper: Rechteckig und kompakt. Der Rücken ist gerade, stark und muskulös. Der Brustkorb ist tief und breit, die Rippen gut gewölbt. Der Bauch ist leicht aufgezogen.
- Gliedmaßen: Gerade, parallel zueinander, mit kräftigen Knochen.
- Wichtiges Merkmal: An den Hinterläufen ist das Vorhandensein von doppelten Afterkrallen (Wolfskrallen) obligatorisch. Dies ist ein einzigartiges Rassemerkmal, das den Hunden half, auf Felsen und Eis zu klettern.
- Rute: Mittellang, hoch angesetzt, ringförmig gerollt und auf dem Rücken liegend. Sie ist mit sehr dichtem Fell bedeckt und erinnert an einen Federbusch.
Fell und Farbe
Das Fell der Isländer ist doppelt, dick und extrem wetterbeständig. Es besteht aus grobem Deckhaar und dichter, weicher Unterwolle. Es gibt zwei Fellvarianten:
- Kurzhaariger Typ: Fell von mittlerer Länge, ziemlich dicht. Am Schwanz, hinter den Ohren und an der Rückseite der Gliedmaßen ist es länger.
- Langhaariger Typ: Das Deckhaar ist länger, bildet einen schönen Kragen am Hals, „Hosen“ an den Hinterbeinen und einen sehr buschigen Schwanz.
Die Färbung kann vielfältig sein, aber eine Farbe sollte immer dominieren. Die häufigsten Varianten:
- Rot in verschiedenen Tönen (von hellweizenfarben bis rotgold).
- Schokoladenbraun.
- Grau (zonar).
- Schwarz mit weißen Flecken (Tricolor).
Weiße Abzeichen an der Schnauze (Blesse), am Brustkorb, an den Pfotenspitzen und an der Rute sind erwünscht und typisch für die Rasse.


